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Burkina Faso: Erfindergeist afrikanischer Bauern | Teil 2

Auf der Innovationsmesse in Ouagadougou wird zwischen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, Experten und Organisationen erstaunlich konzentriert auf den verschiedenen Veranstaltungen diskutiert. Es geht um die Frage, wie Forschungsprozesse partizipativ verlaufen können.

Amevor Kaukoé Gagnom führt eine Sämaschine vor

Eine jüngst vorgelegte Studie zeigt, dass nationale und internationale Forschungsinstitute die kleinen Landwirte kaum einbeziehen und umgekehrt ihre Ergebnisse für die Zielgruppe unerschwinglich bleiben. Die MISEREOR-Verantwortliche für Ländliche Entwicklung in Afrika Dr. Sabine Dorlöchter-Sulser zieht Fazit: „Die Messe verdeutlicht die Findigkeit und das Potential der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Leider bleibt das ungenutzt, da sie keinen Einfluss auf die Agrarforschung in ihren Ländern nehmen können. So wird in der Regel für sie geforscht und nicht mit ihnen.“ Zwei Tage lang zerbrechen sich Experten auf parallelen Veranstaltungen zur Messe den Kopf, was Innovationsforschung alles braucht an Ausbildung, Strukturen, Regeln und an Kommunikation, um den Bäuerinnen und Bauern als Zielgruppe wirklich zugute zu kommen.

In der Messehalle selbst kommen die Menschen aus sieben Ländern der Sahelzone lebhaft ins Gespräch über die erstaunlichen Ergebnisse, die ausgestellt werden. Mal sind die Innovationen durch Kooperation mit einer NGO entstanden, ein anderes Mal ist es eine überraschende Einzelleistung. Wie bei Mahamane Lawali Boubé aus dem Niger. Er ist Schweißer, hat eine Werkstatt mit 4 Lehrlingen und eine glänzende Idee, um die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern. Der Ausgangspunkt seiner Überlegung war, dass heutzutage fast jeder Bauern ein Motorrad hat, um zu den Märkten zu fahren. Darum konstruierte Lawali Boubé einen Pflug, der direkt an das gängigste Motorradmodell befestigt werden kann. Wenn der Boden nach dem ersten großen Regen kompakt ist, können selbst die sandigen Böden im Niger so gepflügt werden. Ein Hektar großes Feld ist in zwei Stunden bearbeitet. Dagegen sind es sieben Stunden mit einem herkömmlichen Pfluggerät, das von Tieren gezogen wird . Der Schweißer lässt die Einzelteile vorproduzieren und kann sie in wenigen Stunden zusammenbauen. Der Pflug kostet 100.000 CFA – das sind gut 152.- Euro.

Mahamane Lawali Boubé erfand die Motorradpflugmaschine

Mahamane Lawali Boubé erfand die Motorradpflugmaschine

Ein anderer Erfinder ist Amevor Kaukoé Gagnom aus Togo. Von weitem gesehen wirkt er wie ein Vertreter, der etwas Interessantes verkaufen möchte. Immer wieder scharren sich Gruppen von Messebesucher um ihn, wenn er die von ihm entwickelte Sämaschine vorführt. Das Gestell wird in den Boden gerammt, sticht mit gleichmäßigem Abstand Saatlöcher und gleichzeitig fallen aus einem Sack exakt drei Maiskörner in das Loch – aus dem anderen Sack daneben rieselt Kunstdünger. Der Agrotechniker, der bei einer US-amerikanischen NGO ausgebildet wurde, hat die Sämaschine in den letzten zwanzig Jahren in Eigenregie entwickelt. Ihr Vorteil: was bisher drei Menschen in einer festgelegten Reihenfolge erledigten, schafft einer mit ein bisschen Kraft in vier Stunden auf einem Hektar Land. Amevor Kaukoé Gagnom ist nicht nur ein Erfinder, sondern auch ein tüchtiger Geschäftsmann. Er hat eine Gesellschaft gegründet und bereits über 1.500 Maschinen verkauft für knapp 85.- Euro pro Stück. Insbesondere dann, wenn Arbeitskräfte in den Famlien knapp werden, kann seine Innovation hilfreich sein.

Erfindung aus dem Senega: Mangobäume werden in Gigi gepflanzt

Erfindung aus dem Senegal: Mangobäume werden in Gigi gepflanzt

An dem senegalesischen Stand sitzt ein Mann, der bereits vor 40 Jahren etwas ausprobiert hat, was jetzt weiterentwickelt wurde und als Innovation Schule macht. Er pflanzte seine Mangobäume in einen wilden Busch den Nguiguiss, den es überall in der Sahelzone gibt – damit hat er schon zu Zeiten der großen Dürre in den 70er Jahren seine Bäume großgezogen. Der Nguiguiss bezieht durch sein tiefes Wurzelwerk Wasser aus tieferen Schichten und kann die umliegenden Pflanzen damit versorgen. Genau diesen Mechanismus machen sich Bäuerinnen und Bauern jetzt gezielt zunutze, denn sie haben große Mühe junge Mangobäume anzupflanzen – Folge des immer trockener werdenden Klimas. Die Innovation besteht also darin, mit dem traditionellen Erfahrungswissen in die Breite zu gehen. „In gemeinsamen Versuchen von Bauern und Forschern gelang es, den  wildwachsenden Busch Nguiguiss wie eine Kulturpflanze in Baumschulen hochzuziehen, ihn in Reihe zu pflanzen und so neue Mangoplantagen aufzubauen“, sagt die MISEREOR-Sachverständige für ländliche Entwicklung Dr. Sabine Dorlöchter-Sulser. Die senegalesischen Bauern setzen den in Baumschulen gezogenen Nguiguiss in Reihen und in regelmäßigem Abstand. In jeden Busch wird dann ein Mangobaum gepflanztt. Eine optimale Adaption an die Klimaveränderung mit ausgedehnteren Trockenzeiten, unregelmäßigem Regen und abgesunkenem Grundwasserspiegel. Nun versorgt der Nguiguiss die Bäume mit genügend Wasser und niemand muss mehr gießen. Die herabfallenden Blätter des Nguiguiss dienen sogar als Dünger.

Autor:

Eva Wagner

Eva Wagner arbeitet im Berliner Büro von MISEREOR.

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