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Brasilien: Anna – Hausbesetzerin und Kämpferin aus Leidenschaft

Es gibt viele Menschen in Sao Paulo, die keine würdige Wohnung haben, um ein gutes Leben führen können. Immer mehr Favelas entstehen am Rande der Stadt, einfache Häuschen aus Holz, ohne Anbindung an die Wasserversorgung oder andere notwendige Infrastruktur. Dabei gibt es viele alte Gebäude im Zentrum, die einfach leer stehen. Aber anstatt sie als Wohnraum zu nutzen, drohen sie zu verfallen. Viele Wohnungssuchende nehmen diesen Zustand nicht mehr länger hin. Eine von ihnen ist Anna.

Anna Alcione da Silva (Mitte)

Anna Alcione da Silva (Mitte)

„Am 3.Oktober 2011 haben wir das Haus hier besetzt, im Morgengrauen zwischen halb eins und eins. Wir waren mehr als 250 Personen, die in dieser Nacht das Haus eroberten. Wir kannten uns alle aus einer Bürgerbewegung des Wohnungskampfes im Zentrum von Sao Paulo. Dort kämpfen wir für ein würdiges Wohnen aller Menschen.“ Anna Alcione da Silva ist 43 Jahre alt und leidenschaftliche Hausbesetzerin. Sie lebt seit 4 Jahren in Martins Fontes im Zentrum Sao Paulos. Während sie uns über die Eroberung des Hauses erzählt, gestikuliert sie mit weitausschweifenden Bewegungen und man spürt förmlich das Herzblut, mit dem sie ihr Engagement verfolgt. Die Besetzung der Häuser, so meint Anna, ist eine Form die Regierung zu zwingen, sich um dieses Problem zu kümmern und eine Haltung dazu anzunehmen.

Blick über Sao PauloBlick über Sao Paulo

In Sao Paulo kämpft eine Bürgerbewegung für Wohnraum im Zentrum der Stadt.

Wichtig ist den Hausbesetzern dabei aber auch eine Anerkennung ihres Wohnrechts: Sie kämpfen dafür, offiziell als Mieter zu gelten und Miete zu zahlen. Um die 8 Personen leben hier pro Stockwerk, insgesamt sind es 45 Bewohner. Das Zusammenleben wird über gemeinsame Absprachen geregelt, am Wochenende finden Versammlungen statt, um das Zusammenleben und die weitere Instandhaltung des Gebäudes zu besprechen. „Als erstes versuchen die Leiter des Hauses Probleme selber zu klären. Wenn das nicht geht, dann suchen wir uns Unterstützung bei der nächsthöheren Instanz.“

„Die Grundrechte garantieren, dass jeder ein Recht auf Wohnen hat, auf Gesundheit, auf Schulbildung, auf Erziehung und vieles mehr. Dafür kämpfen wir.“

Auch am Wochenende kämpft Anna für ihre Grundrechte. Am folgenden Sonntag treffen wir sie auf der Praca da Se im Zentrum Sao Paulos wieder. Hier findet eine große Kundgebung des CMP, der Central de Movimientos Populares, einem Dachverband der Bürgerbewegungen, statt. Die Menschen fordern die Anerkennung ihres Rechts auf persönliche Entfaltung, die Versorgung mit Wohnraum, Zugang zu Energie und Wasser. Stolz trägt Anna ihr Shirt und die rote Kappe, die sie als Mitglied der Bewegung kennzeichnen. „Mein Wunsch ist, dass alle geschlossenen Gebäude in der Stadt zu Wohnungen umgebaut werden. Dass die Regierung sich mehr um die sozialen Fragen kümmert, wie zum Beispiel um die des sozialen Wohnungsbaus, damit mehr Menschen eine eigene Wohnung mieten können.“, sagt sie uns noch, bevor sie in der Menge der Demonstranten verschwindet.


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Der Beitrag entstand im Rahmen der Recherche zur Fastenaktion 2016. Ab Aschermittwoch 2016 stellt die Fastenaktion Brasilien und das Thema Menschrechte am Beispiel Wasser in den Fokus.

Autor:

Miriam Thiel

Als Referentin für Gemeindekommunikation berät und motiviert Miriam Thiel Gemeinden bei ihrem Engagement für MISEREOR. Sie begleitet immer wieder gerne Gruppen, die die Arbeit MISEREORS kennenlernen möchten.

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