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Auf Pazifik-Inseln wird es eng

Der Klimawandel zwingt Menschen zur Umsiedlung und schürt Konflikte.

Seit Jahren wird davor gewarnt, die globale Erwärmung könne am Ende zu regelrechten Klimakriegen führen. Und zwar dort, wo angesichts von steigenden Meeresspiegeln, extremer Wetterereignisse, versalzener und damit unfruchtbarer Böden bei gleichzeitig knappen Süßwasserreserven die Lebensumstände von Menschen  immer problematischer werden.

Von Kriegen aufgrund solcher Verhältnisse hat Volker Böge, Friedensforscher, Historiker und Direktor der MISEREOR-Partnerorganisation PaCSI Peace and Conflict Studies Institute Australia, bisher noch nicht gehört. Doch Konflikte gebe es aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels reichlich – ganz besonders gravierende im Südpazifik.

Mit Mangroven-Pflanzungen und Mauern gegen das steigende Wasser

Böge hat sich dort unter anderem ein Bild von der Lage auf den Carteret-Inseln gemacht, die zu Bougainville gehören. Das Atoll liegt selbst in seinem Maximum nur 1,5 Meter über dem Meeresspiegel und ist vom Versinken bedroht. Eine der Inseln wurde bereits in zwei Teile zerrissen. Mit Mangroven-Pflanzungen und Mauern, die freilich mit Deichen europäischen Ausmaßes nicht ansatzweise vergleichbar sind, kämpfen die Bewohner gegen das steigende Ozeanwasser. Und müssen doch einigermaßen hilflos zur Kenntnis nehmen, dass die Inseln bald unbewohnbar werden könnten. Umsiedlung, ja letztlich Flucht könnte schon bald die einzig verbleibende Option sein, auch ins entferntere Ausland, sprich nach Australien, Neuseeland, die USA oder Kanada. Schon hat die auf den Carteret-Inseln von den dortigen Bewohnern gegründete Nichtregierungsorganisation Tulele Peisa damit begonnen, die ersten Menschen auf ein von der katholischen Kirche auf der nordöstlich gelegenen Nachbarinsel freigegebenes  Gelände auszuquartieren. Auch die Regierung von Bougainville hat für diesen Zweck Land bereitgestellt.

Die Carteret-Inseln sind kein Einzelfall. Auch auf den Fidschi-Inseln, den Salomonen, auf Kiribati und Tuvalu gibt es nach Angaben Böges Umsiedlungspläne oder sind Bürgerinnen und Bürger bereits dazu gezwungen worden, ihren Wohnsitz zu verlegen. Oft suchen die Menschen dann ihr Heil im Landesinneren. Und damit fangen die Konflikte auch schon an. Auf den genannten pazifischen Inseln gibt es kaum freies Land, wo man sesshaft werden könnte; die Versorgung mit sauberem Wasser wird zunehmend schwieriger. Die Spannungen zwischen Alteingesessenen und Neubewohnern wachsen, es gibt Schwierigkeiten, alle gleich zu behandeln, die Hinzugekommenen zu integrieren und mit Infrastruktur und Arbeit zu versorgen. „Die Gefahr einer gewaltsamen Eskalation dieser Konflikte ist ziemlich groß“, sagt Böge. Ganz abgesehen davon, dass die Klimaflüchtlinge aufgrund einer in dieser Region besonders hohen kulturell-spirituellen Bedeutung des familiär angestammten Landes oft nicht damit zurechtkommen, wenn sie entwurzelt werden. Hinzukommt, dass es laut Böge meist wenig tragfähige staatliche Institutionen gibt. „Man sollte besser nicht auf den Staat als Problemlöser warten. Andererseits darf man ihn auch nicht aus der Verantwortung entlassen.“

Böge unterstreicht: „Umsiedlung ist teuer. Und die Betroffenen des Klimawandels im Südpazifik brauchen unsere Hilfe. Gerade von denjenigen Staaten, die die globale Erwärmung vor allem verursacht haben.“ Damit ist nicht zuletzt auch Deutschland gemeint. Bisher sei die internationale Unterstützung für die vom ansteigenden Meer umtosten Pazifikinseln gering, kritisiert der Friedensforscher. Und Hilfe wäre auch ohne die vom Ozean ausgehende Gefahr angebracht. Das Leben dort ist von Armut und wenig Zukunftsperspektiven gekennzeichnet. Böge bringt es auf den Punkt, unter welch schwierigen Bedingungen hier der Alltag abläuft: „Auf den Carteret-Inseln gibt es weder Autos noch Elektrizität.“

Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

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