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Osttimor: Der Tag der Deutschen Einheit

Wer hätte gedacht, dass ich ausgerechnet auf der anderen Seite der Welt in einem winzigen Land wie Timor wirklich das allererste Mal waschecht und richtig den Tag der Deutschen Einheit feiern würde?! Und das hochoffizell! Die GIZ, die Gesellschaft internationaler Zusammenarbeit des Bundesministeriums, hat mir und auch Leonie eine persönlich adressierte Einladung plus Begleitung geschickt. Nicht nur eine Zu- oder Absage wird da gefordert, sondern auch der Dress Code „Smart Casual“ ist tatsächlich vorgegeben. Auch der für Timor zuständige deutsche Botschafter Dr. Peter Witschel wird anwesend sein – extra aus Jakarta eingeflogen. Ich bin beeindruckt und sofort etwas aufgeregt.Tag der Deutschen Einheit

Mit der Einladung im Gepäck machen Leonie und ich uns zusammen mit zwei unserer timoresischen Mitbewohnerinnen, Abui und Betty, als Begleitungen auf den Weg nach Dili, wo die Feier auf dem Dach des wohl größten Einkaufszentrum „Timor Plaza“ in Timor stattfinden soll. Wir nutzen die Gelegenheit, um einmal den Bus nach Dili auszuprobieren.

Als wir gegen zehn Uhr morgens an der Haupthaltestelle in einen noch leeren Bus steigen, sind wir vorfreudig fröhlich gestimmt. Bis die Fahrt aber losgeht, dauert es noch gute zwei Stunden, denn hier richten sich die Fahrgäste nach dem Bus, und nicht der Bus nach den Fahrgästen. Einleuchtend irgendwie – schließlich bezahlen diese auch das Tagesgehalt des Fahrers. So fahren wir etwas durch die Stadt, warten auf verschiedene Leute oder holen sie von Zuhause ab. Leonie zaubert in der Zwischenzeit neben einer Tüte Fisch auch ein zeterndes Huhn unter ihrem Sitz hervor und als ich schon dachte, wir sind auf dem Weg in die Landeshauptstadt, halten wir ein weiteres Mal zum Tanken. Doch wir haben schließlich Zeit bis zum Abend.

Als dieser dann anbricht, haben wir bereits geduscht und uns ein bisschen schick gemacht. So brechen wir gegen viertel vor sieben auf, um ja nicht die in der Einladung beigelegtem Programm angekündigte „Soft Music“ zum Eintreffen der Gäste zu verpassen.

Das Dach des Timor Plaza erreicht man über einen Fahrstuhl und ich bin doch etwas aufgeregt. Wir erreichen den Empfang und tragen uns in das Gästebuch ein, bevor der Botschafter uns am Ausgang zum Dach höchstpersönlich die Hand schüttelt. „Ah, die Weltwärtslerinnen.“ Ja, wir sind tatsächlich eine Seltenheit unserer Spezies in Timor.Tag der Deutschen Einheit mit Botschafter

Das Dach ist sehr schön hergerichtet und beleuchtet. Auf die Nationalhymnen von Deutschland und Timor folgen Reden des Botschafters und des timoresischen Ministers für Auslands- und Zusammenarbeit. Danach verkündet der Zeremonienmeister Freizeit – bis zehn Uhr. Es gibt Musik von einer timoresischen Band.

Es ist interessant zu sehen, wie viele unterschiedliche Menschen hier zusammen kommen. Von wichtigen Leuten im deutschen und timoresischen Ministerium, über Entwicklungshelfer und entsendete Arbeiter nach Timor aus allen möglichen verschiedenen Länder der Welt bis hin zu Freiwilligen wie uns, ist alles vertreten, doch die Atmosphäre ähnelt doch eher einer gehobenen Veranstaltung. Aber wir unterhalten uns gut. Zusammen mit Betty und Abui sowie dem Botschafter und einigen weiteren Gästen tanzen wir timoresische Tänze und versuchen immer wieder einige Häppchen von den Tabletts mit Fingerfood zu erhaschen. Zum krönenden Abschluss singt der Botschafter selbst das Lied Guantanamera, bevor wir uns schließlich glücklich auf den Heimweg machen.

Autor:

Ich bin 18 Jahre alt, komme aus Hemslingen in Niedersachsen und werde im Projekt CTID der Canossianerinnen in Timor-Leste arbeiten, einem Ausbildungszentrum für Mädchen und junge Frauen. Die Schülerinnen werden dort ein Jahr lang auf das Berufsleben vorbereitet und auch die Stärkung ihrer Persönlichkeit ist ein Fokus in der Arbeit des Zentrums. Beim MISEREOR Freiwilligendienst mache ich mit, weil ich neugierig bin und die Welt einmal aus einer anderen Perspektive betrachten möchte.

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