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COP21 in Paris: Pilger zeigen dass es geht!

Einfach machen statt reden – Für Hildegard Wöhle ganz einfach. Sie steht mit Rucksack und Wanderstöcken mitten in Paris in der Kirche Saint Merry; vier Wochen Fußmarsch durch Deutschland und Frankreich als Klimapilgerin liegen hinter ihr. „Nicht nur die Politik trifft Entscheidungen, sondern auch jeder einzelne von uns. Ob weniger sichtbar, wenn wir zu Hause Müll vermeiden, oder nach außen deutlich, wie mit dem Klimamarsch nach Paris“.

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Die Pilgerinnen und Pilger des Ökumenischen Pilgerweges für Klimagerechtigkeit. Fotos: MISEREOR

Pilgerinnen und Pilger aus allen fünf Kontinenten waren am vergangenen Wochenende pünktlich zum Start der UN-Klimakonferenz COP21 nach Paris gekommen – mit den unterschiedlichsten Gründen, sich für ein gerechtes und verbindliches Abkommen stark zu machen.

„Mein Bruder hat den schweren Taifun Haiyan, der 2013 über die Philippinen gefegt ist, überlebt. Freunde von uns in Tacloban und tausende andere Menschen hatten dieses Glück nicht. Meine Heimat bekommt die Folgen des Klimawandels immer wieder schmerzlich zu spüren.“ Yeb Sano zeigt mit dem Zeigefinger in eine Menschentraube auf seinen Bruder. Der 41-Jährige trägt das weiße T-Shirt seiner Initiative „The People’s Pilgrimage“. 60 Tage und rund 1500 Kilometer ist die Pilgergruppe von Rom aus, wo Yeb Sano mit dem Papst gesprochen hat, bis nach Paris gelaufen. Bekannt wurde der Philippiner als Klimaschutzaktivist weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus, als er während des Klimagipfels COP19 in Warschau aus Solidarität mit den Opfern des Taifuns Haiyan und aus Protest gegen den Stillstand im Klimaschutz in den Hungerstreik trat. „Nun hat auch der Papst mit seiner Umwelt-Enzyklika Laudato Si‘ deutlich gemacht: Der Umbruch ist unaufhaltsam. Uns muss klar sein, dass der Klimagipfel in Paris der entscheidende Moment für unsere Generation ist. Versagen wir, zerstören wir nicht nur unsere Zukunft, sondern auch die unserer Kinder und Enkel.“

Yeb Sano aus den Philippinen

Yeb Sabo aus den Philippinen

Um die geht es auch Hildegard Wöhle. „Meine Enkel sollen später nicht fragen, was ich zum Schutz unserer Umwelt unternommen habe, und ich kann nichts antworten.“ Die Nordrhein-Westfälin hat in der Sonntagszeitung vom Aufruf zum Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit gelesen, der am 13. September von Flensburg aus nach Paris gestartet ist. „Ich laufe seit fast neun Jahren regelmäßig mit Freundinnen den Jakobsweg, außerdem beschäftigt mich das Thema Atomkraft und dessen Risiken seit den 1980er Jahren sehr. Der Pilgerweg war für mich die Gelegenheit, ein äußeres Zeichen für meine Überzeugungen zu setzen.“ Vor allem die Begegnungen und Gespräche auf dem Weg nach Paris haben sie tief beindruckt, sagt sie.

Hildegard Wöhle aus Deutschland.

Hildegard Wöhle aus Deutschland.

Jade Till kann nicht aufhören zu lächeln. Während sich die verschiedenen Pilgergruppen bei der Begrüßung in St-Merry vorstellen, rückt sie auf dem Stuhl aufgeregt hin und her. Die 26-Jährige ist gemeinsam mit einer Gruppe Pilgerinnen und Pilger aus dem englischen Stroud nach Paris gekommen und glücklich, es bis hierhier geschafft zu haben. „Ich bin noch nie länger als neun Tage am Stück gelaufen, aber die vielen Menschen, die uns zum Schlafen, Essen oder nur für einen Tee zu sich eingeladen haben, haben mich unglaublich beflügelt“. Warum sie nach Paris gelaufen ist? Seit kurzem gilt Jades Heimatstadt als weltweit erste offizielle ‚Stadt der Bienenschützer‘, noch ein paar Jahre  zuvor drohten die Bienenvölker aus der Umgebung zu verschwinden. „Da hab ich angefangen, mich für klimabedingte Veränderungen zu interessieren, habe Aktionen zum Klimaschutz mitgemacht und mir mein eigenes Bild über die Entwicklungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft im Zusammenhang mit dem Klimawandel gemacht.“ Die Gruppe verlassen zu müssen, kann und wolle sie sich jetzt noch nicht vorstellen.

Jade Till aus Großbritannien

Jade Till aus England

Einen Tag vor Beginn der Klimaverhandlungen stehen alle drei schließlich im Salle de la Légion d’Honneur in Saint-Denis, vor und neben ihnen auf der Bühne Christiana Figueres, die Leiterin des UN-Klimasekretariats. Vertreter ihrer Pilgergruppe und Würdenträger unterschiedlichster Religionen überreichen ihr gemeinsam rund 1,8 Millionen Unterschriften für ein gerechtes und ambitioniertes Klimaabkommen  – Nun sei es die Aufgabe der verhandelnden Parteien, so Yeb Sano, ihrer Verantwortung nach zu kommen.

Übergabe der Unterschriften durch den südafrikanischen Erzbisschof Thabo Makgoba an Christiana Figueres und Nicolas Hulot, Berater des franz. Präsidenten.

Übergabe der Unterschriften durch den südafrikanischen Erzbisschof Thabo Makgoba an Christiana Figueres und Nicolas Hulot, Berater des französischen Präsidenten.


Weitere Informationen:

Autor:

Rebecca Struck

Rebecca Struck arbeitet bei MISEREOR in der Presseabteilung.

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