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Osttimor: Es ist Graduation-Zeit

„Wo ist das Buntpapier?“ Meine Kollegin Izah läuft verzweifelt durch unsere Aula im CTID. Ese, eine andere Kollegin, ist gerade dabei, Kokosnussblätter an der Wand anzubringen. Ich schaue mich um. Der Raum sieht wirklich festlich aus. Bunte Bänder sind an der Decke gespannt, Luftballons aufgepustet und Tische mit Tischdecken und Blumen festlich dekoriert. An der Wand klebt bereits die Hälfte des Schriftzugs „Graduasaun“.

Es ist nun schon der zweite Tag, an dem im Center CTID reges Treiben herrscht. Denn diesen Samstag ist der große Tag gekommen: Die Abschlussfeier für rund 50 Studentinnen im Programm „Maestra di Campagna“ (zu deutsch „Lehrerin auf dem Land“) und weitere 20 im Hospitalitszweig. Ein Jahr lang haben sie alle nun verschiedenste Kurse belegt, dann ihren Schwerpunkt gewählt und schließlich ein zweimonatiges Praktikum absolviert. Jetzt rückt der Moment des Abschieds näher.

Ich mache mich auf den Weg treppabwärts um nachzusehen, wo das Papier geblieben ist und laufe vorbei an der Ziege, die seit zwei Tagen an einem Papayabaum angebunden unter der Wäscheleine steht, zum Computerraum. Dort finde ich zwar eine ganze Menge Leute, die alle in Vorbereitungen für die kommende Feier vertieft sind, jedoch nicht das gesuchte Papier. Seufzend mache ich mich also auf den Rückweg und stelle fest, dass die Ziege verschwunden ist. Der Food Production-Kurs (zu deutsch: Essenszubereitung) hat vermutlich angefangen, das gewaltige Menü für die morgige Feier vorzubereiten.

Auf der Treppe treffe ich Esmeralda, eine Studentin des MC (Maestra di Campagna)-Programms. Lächelnd begrüße ich sie und frage, wie es ihr geht. „Gut, Mana Jani, aber am Montag gehen wir alle schon nach Hause.“ Etwas wehmütig lächelt sie zurück. Natürlich ist sie auch voller Vorfreude, ihre Familien nach einem Jahr der Trennung das erste Mal wieder zu sehen, doch sie lässt eben auch eine Menge Freunde zurück, mit denen sie ein Jahr lang zusammen gelernt, gelebt und gelacht hat. In dieser Form werden sie sich alle nie wieder sehen. Ich drücke ihre Hand, verspreche ihr meinen Facebook-Namen aufzuschreiben und sie natürlich nicht zu vergessen. „Spätestens im nächsten Jahr, wenn wir Workshops für die ehemaligen Studentinnen geben, dann musst du kommen und wir treffen uns wieder!“ Esmeralda lächelt.

Zurück in der Aula ist das Buntpapier auf unerklärliche Weise bereits aufgetaucht. Außerdem proben alle Studenten die Lieder für die Messe, sodass lauter Gesang den Raum erfüllt. Ich sehe mich erneut um und freue mich um so mehr auf den besonderen Tag, der morgen kommen wird.

Autor:

Ich bin 18 Jahre alt, komme aus Hemslingen in Niedersachsen und werde im Projekt CTID der Canossianerinnen in Timor-Leste arbeiten, einem Ausbildungszentrum für Mädchen und junge Frauen. Die Schülerinnen werden dort ein Jahr lang auf das Berufsleben vorbereitet und auch die Stärkung ihrer Persönlichkeit ist ein Fokus in der Arbeit des Zentrums. Beim MISEREOR Freiwilligendienst mache ich mit, weil ich neugierig bin und die Welt einmal aus einer anderen Perspektive betrachten möchte.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hey Uta!
    Ja, das war es! Geschmeckt hat sie auf jeden Fall aber ich habe nicht selbst mit geschlachtet…
    Grüße Janila

  2. Liebe Janila,
    die Feier müsste jetzt vorbei sein. War es denn schön? Sicherlich waren alle froh, den Abschluss zu haben, aber auch traurig, jetzt andere Wege zu gehen als liebgewonnene Freunde. So ist das Leben.
    LG, Uta
    PS: Wie hat die Ziege geschmeckt? Hast du mitgeschlachtet???

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