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Mein Urlaub, meine Privilegien und ich…

Die Planung und Anreise

10 Tage Urlaub sind in meinem Kalender angestrichen, denn zwischen Weihnachten und Neujahr hat unser Office geschlossen. Ich überlege, was ich in dieser Zeit machen will. Von Camp Bewohnern werde ich immer wieder gefragt, ob ich den endlich in Burma gewesen sei und ihr Land gesehen habe. Die ehrliche Antwort wäre: Ja, ich war in Burma, allerdings nur für einen Besuch im Casino mit meinen Kolleginnen. Ich antworte, dass ich unbedingt Yangon, Bagan und Mandalay sehen möchte und dass es auf jeden Fall für dieses Jahr noch auf dem Plan steht. Ist das also mein Weihnachtsurlaub? Nein, ich entscheide mich in Thailand zu bleiben, ans Meer zu fahren, um Tauchen zu gehen. Ich suche mir Pattaya als Ziel raus, weil ich es einfach mit einem Nachtbus erreichen kann und der Ort für seinen Countdown bekannt ist. Mein Nachbar rät mir mehrfach den VIP-Bus zu nehmen, weil er bequemer ist. Ich fühle mich jedoch nicht so, dass ich in einen VIP-Bus gehöre. Es ist 20:30 am 25.12.2015 und ich steige in den Bus ein und bin tatsächlich nicht die einzige „Farang“ (weißer Mensch). Eine weitere Frau sitzt in der Reihe etwas vor mir.  Doch wir haben Mae Sot noch nicht verlassen, da schreibe ich meinem Nachbarn eine Nachricht „I think the bus ride will be a little bit exhausting. We are still in Mae Sot and a couple on the last seats have a really loud discussion and beating each other … crazy people … and nobody of the personal say anything.“ Seine Antwort: „Next time always take the VIP bus“  Mhhhh…

Ich fühle mich unwohl. Das Pärchen in der letzten Reihe prügelt auf sich ein und jeder adere schaut nach vorne. Ich also auch. Nach ein paar Kilometern erreichen wir die erste Passkontrollstation. Es wird ruhig im Bus. Wie die anderen hole ich meinen Pass aus meiner Tasche. Kotrolliert werde ich jedoch nicht. Wir fahren weiter und ich schlafe ein. Während eines Zwischenstopps halten wir neben einem der VIP-Busse. Er ist voll mit weißen Touristen. Ich fühle mich in meiner Entscheidung bestätigt und schlafe wieder ein.

Am nächsten Morgen weckt mich der Busbegleiter, da ich mein Ziel erreicht habe.

In Pattaya

Es ist kurz nach 6 Uhr. Ich laufe durch die leeren Straßen zu meinem Hostel. Es riecht nach Alkohol und Erbrochenem. In Bars sieht man vereinzelt weiße Männer, die mit dem Kopf auf dem Tresen eingeschlafen und thailändische Frauen, die um sie herum am putzen sind. Pattaya, eine der Hochburgen des Sex-Tourismus in Thailand. (es gibt aber auch sehr schöne und interessante Stellen in der Stadt). Ich gebe mein Gepäck im Hostel ab, da ich noch nicht einchecken kann. Ich verlasse das Hostel wieder und gehe zur Tauchschule, um mich noch einmal zu informiere und mich für den nächsten Tag anzumelden.

Der Tauchkurs ist sehr spannend, mit unterhaltsamen Leuten und entspannten Tagen auf dem Schiff und wunderschöne Unterwasserwelten. Ich genieße meine Zeit.

Die Heimreise

Am 1. Januar fahre ich zunächst mit dem Bus nach Bangkok, um später von dort aus den Nachtbus nach Mae Sot zu nehmen. Den VIP – Bus? – Nein. Ich nehme das günstigste Angebot. Um kurz nach acht soll es los gehen. Ich bin etwas spät dran, erkenne jedoch sofort, welches der richtige Bus steig ist: Leicht zu erkennen an den vielen burmesischen Personen. Da unser Bus etwa eine Stunde Verspätung hat, warte ich mit den anderen Personen, die neugierig frage, ob ich wirklich richtig hier sei.  Langsam kommt unser Bus angerollt, wir laden alles ein und suchen unsere Plätze. Der Sitz neben mir bleibt vorerst leer. Ich wundere mich. Aber nicht nur ich. Ein junger Mann ganz in meiner Nähe fragt die Busbegleiterin nach dem leeren Platz, die ihm antwortet, da der Bus sehr eng und unbequem  sei, habe man den Platz neben der „Farang“ extra freigehalten. Da der Busbegleiterin dies ebenfalls missfällt und ich zu verstehen gebe, dass ich keine zwei Plätze brauche, wird der Platz mit einem anderen jungen Mann besetzt, der einen späteren Bus gebucht hatte, welcher auch schon längst abgefahren sein sollte. Langsam fahren wir los. Nach zwei DVDs mit Musikvideos,  zwei schrecklichen Filmen und sechs Stunden später sind wir lange noch nicht am Ziel, aber es wird ruhiger im Bus. Man hört das ein oder andere Baby schreien und zwei kranke Frauen, die sich immer wieder übergeben müssen. Ich versuche, wie viele der anderen Mitreisenden, durch meinen Schal zu atmen. Wir erreichen die erste Passkontrolle vor Mae Sot. Ein Mann vor mir, eine der kranken Frauen und der junge Mann neben mir, haben keinen Pass. Ich wundere mich, da sie trotzdem weiter fahre dürfen. An der zweiten Kontrollstation müssen sie dann den Bus verlassen und werden in Gewahrsam genommen.

Am nächsten Tag frage ich eine Kollegin, was mit diesen Menschen passiert, die ohne Pass oder gültigem Visum in Thailand aufgegriffen werden. Sie sagt mir, dass sie ein paar Tage Inhaftiert und dann nach Burma gebracht würden. Es sei also keine schlechte Behandlung. Ich denke an die sehr kranke Frau, die in ein Krankenhaus gehört hätte und nicht inhaftiert.

Die Nachwirkungen

Eineinhalb Tage später zeigt der Magen-Darm-Virus aus dem Bus auch bei mir seine Wirkung. Da meine Mentorin gerade in Bangkok ist, informiere ich sie über Telefon. Daraufhin mobilisiert sie jeden, mir vertrauten Menschen in Mae Sot, mich zu überzeugen, dass ich ins Krankenhaus muss. Da ich jedoch mit Medikamenten, die ich für diesen Fall aus Deutschland mitgebracht hatte, gut ausgestattet bin, sehe ich keine Notwendigkeit.  Ich will jedoch meiner Mentorin keine schlaflosen Nächte bereiten, die sich große Sorgen macht und lasse mich darauf ein. Eine befreundete Schwester holt mich ab und fährt mit mir in die Privatklinik, in der ich sofort behandelt werde.

Fazit

Ich habe zwar nicht den VIP Bus genommen, bin dafür danach in der VIP Klinik gelandet. Fazit: Das nächste Mal reise ich einfach nach Yangon (Burma). Auf dieser Strecke gibt es nämlich nur Mini-Vans 😉

Autor:

Franziska

Mein Name ist Franziska und ich bin 25 Jahre alt. In Siegen und Darmstadt habe ich Soziale Arbeit studiert und bin seit August 2015 für einen Freiwilligendienst in Mae Sot (Thailand) an der Grenze zu Myanmar. Hier arbeite ich für COERR. Eine Organisation, die entlang der Grenze in neun Flüchtlingslagern, besonders in den Bereichen Kindesschutz und Jugendarbeit, Ausbildung und landwirtschaftliche Weiterentwicklung, tätig ist.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Franzi, ich hoffe du hast dich wieder gut erholt und die „VIP-Behandlung“ hat ihre Wirkung gezeigt. Mit 1,80m bin ich genau einmal mit dem localbus gefahren. Mit blauen Flecken an den Knien war ich dann nicht so standhaft wie du und hab mich dann für den VIP entschieden:) danke für deinen Bericht, ich musste echt schmunzeln. vielleicht findest du ja noch Zeit nach Myanmar zu reisen, es ist immer eine Reise wert. Liebe Grüße, Katha

  2. Hey Franzi,

    man befindet sich irgendwie immer im Zwiespalt: Auf der einen Seite möchte man sich ganz auf die Kultur einlassen (mit allem Positiven und Negativen) und sich die Verhaltensweisen aneignen.
    Auf der anderen Seite erfährt man eben doch ständig, dass man eine Farang und keine Thai oder Burmesin (nennt man die so? ^^) ist.

    Man muss, denke ich, kein schlechtes Gewissen haben, wenn hin und wieder Farang-Annehmlichkeiten in Anspruch nimmt. Trotzdem finde ich es richtig gut, dass du die Erfahrung in dem Nicht-VIP-Bus mitgenommen hast!!!

    Hoffe, dir geht es gesundheitlich wieder besser!
    Alles Liebe, Nicole

  3. Ha, Franzi, dein Bericht ist sehr kurzweilig und ich habe echt gelacht, als ich dein Fazit gelesen habe :-)))
    In Thailand kann man den Touristen einfach nicht aus dem Weg gehen. Außerdem ist und bleibt man ein Farang und wird auch so gesehen und behandelt. Da darf man die ein oder andere Annehmlichkeit doch ruhig mal akzeptieren … ;.)))
    Liebe Grüße, Uta
    PS: Ich beneide dich um den Tauchkurs. Wenn du Bilder gemacht hast, dann bring sie bitte mal mit zum RK-Seminar.

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