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Petition: Nein zum Staudamm am Tapajós

Die brasilianische Regierung möchte in Nordbrasilien am Fluss Tapajós fünf Großstaudämme bauen, um Energie zu erzeugen und den Fluss für die Binnenschifffahrt besser zu erschließen. Durch den Großstaudamm São Luiz do Tapajós sind 80.000 Menschen in der Region betroffen. Sie möchten den Staudamm verhindern und fordern ihr Recht auf Mitbestimmung ein. Thomas Schmidt, Referent „Internationale Fastenaktion“, erklärt , warum MISEREOR sich an die Seite der vom Staudammbau betroffenen Menschen stellt und wie wir sie unterstützen können.

© Jonas Kramer/stiftfilm

© Jonas Kramer/stiftfilm


Herr Schmidt, in Mittelpunkt der politischen Aktion „Nein zum Staudamm am Tapajós“ während der Fastenzeit stehen in diesem Jahr Menschen, deren Heimat durch den Bau eines Staudamms bedroht ist. Wie würden Sie die derzeitige Situation der Menschen vor Ort beschreiben?

Thomas Schmidt: Der Fluss Tapajós ist einer der letzten im Amazonasbecken, der noch keine Staudämme hat. Damit soll es jetzt vorbei sein. Als einer von 9 Staudämmen im Tapajosbecken ist jetzt der Staudamm Sao Luiz do Tapajos mit 53m Höhe und 7608m Länge in Planung. Gut 4000 Menschen müssten umgesiedelt werden, für sicher 80.000 Menschen wird sich das Leben total verändern. Das gilt für die Bewohner der kleinen Städte (enormer Zuzug, Gewalt, Prostitution), für die Flussanrainer (Möglichkeit zu fischen und Lebensmittel anzubauen) und für das indigene Volk der Munduruku, deren Land und damit ihr Leben und ihre Kultur untergehen würde. Der Staudamm ist Teil eines Regierungsprogramms für beschleunigtes Wachstum. Wir unterscheiden zwischen Wachstum und Entwicklung. Brasilien ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt die Nr. 7 in der Welt, gemessen am Menschlichen Entwicklungsindex (HDI), der auch nach Bildung, Gesundheit und Kultur fragt nur die Nummer 79. Wirtschaftliches Wachstum ist also nicht gleichbedeutend mit menschlicher Entwicklung. Wir als MISEREOR stehen ein für menschliche Entwicklung. Dabei haben wir uns von Anfang an auf die Seite der Armen und Benachteiligten gestellt, deren Leben bedroht ist.

Wie sieht die Hilfe durch den MISEREOR-Projektpartner vor Ort aus?

Thomas Schmidt: Unser Partner CPT  arbeitet auf zwei Ebenen. Einmal beraten sie die vom Staudamm betroffenen Menschen in Rechtsfragen. Sie helfen ihnen, ihre Rechte zu kennen und sie vor den zuständigen Stellen auch vorzutragen und einzuklagen. Dazu bedarf es Geld für Rechtsanwälte, für Zusammenkünfte und Materialien. Andererseits arbeiten sie mit kleinbäuerlichen Familien in der ökologischen Landwirtschaft. Das Land und die Menschen am Tapajós brauchen Entwicklung. Diese muss aber angepasst sein an die konkreten Bedingungen des Amazonaswaldes und zuerst den Menschen vor Ort nützen. Mehr und ökologische nachhaltige landwirtschaftliche Produktion steigert die Lebensqualität der Menschen vor Ort und gibt ihnen eine lebenswerte Perspektive vor Ort.

Thomas Schmidt und Padre Joao Carlos im Gespräch in Pimental - Brasilien

Thomas Schmidt und Padre Joao Carlos von der MISEREOR-Partnerorganisation CPT im Gespräch in Pimental – Brasilien

Welche Möglichkeit haben wir in Deutschland, um uns zu engagieren, damit der Bau des Staudamms verhindert und die Menschen eine Chance haben, sich und ihre Region nach eigenen Vorstellungen zu entwickeln?

Thomas Schmidt: Einmal fordern wir die Menschen hier in Deutschland auf, sich an der Petition „Kein Staudamm am Tapajos“ zu beteiligen. Das geht über die MISEREOR-Website oder auch über Unterschriftenlisten, die man von dort aus ausdrucken kann. Ebenso haben wir Postkarten in Umlauf gebracht, mit denen man sich beteiligen kann und die für die Aktion werben.
Dann gibt uns diese Aktion die Möglichkeit, unser Verhalten im Alltag vor dem Hintergrund globaler Entwicklungen zu überprüfen. Der geplante Staudamm wird auch als Wasserstraße dienen, über die vor allem Soja, das in Mato Grosso do Sul in riesigen Plantagen angebaut wird, nach Europa zu verschiffen. Sojaschrot spielt im Schweinefutter, das in Deutschland verfüttert wird eine herausragende Rolle. Es stellt sich also ganz praktisch die Frage, in welchem Maße wir über unseren Schweinefleischkonsum solche Staudämme gleichsam notwendig machen.
Nicht zuletzt können wir mit unseren Partnern auf die Alternativen hinweisen, die diesen Staudamm überflüssig machen: Die konsequente Wartung, Unterhaltung und Ausnutzung der vorhandenen Staudämme, der Ausbau eines sinnvollen Energiemix aus Sonne, Wind und Wasser und das Energiesparen. Alle drei Punkte spielen ja auch in Deutschland eine Rolle. Es geht hier insgesamt um die gemeinsame Verantwortung für die eine Erde, die wir bewohnen und die auch noch den nächsten Generationen ein lebenswerter Ort sein soll.

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Autor:

Julia Frielinghausen

Julia Frielinghausen arbeitet als Online-Redakteurin bei MISEREOR. Dort ist sie u.a. für den Bereich Soziale Medien zuständig.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Sehr geehrter Herr Schmidt,
    den Text der Petition „Kein Staudamm am Tapajos“ konnte ich leider nirgends finden. Ich habe deshalb die Petition „blind“ unterschrieben – Vertrauensvorschuss für Misereor -, fände es aber seriöser, wenn der eigentliche Text bei evtl. Folgeaktionen veröffentlicht wird.
    In alter Verbundenheit mit Misereor und freundlichen Grüßen
    Angelika Teuwsen

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