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Osttimor: Let’s talk about Climate Change

Im Moment bereite ich mich darauf vor, mit unseren bereits graduierten Schülerinnen der letzten Jahre über den Klimawandel zu sprechen. Kein leichtes Thema, um es auf ein bis zwei Stunden zu komprimieren und erst recht eine Herausforderung, es in einer Sprache zu erklären, in der man sich bereits schwer damit tut, ein Wort für Luft zu finden.Blog 8 Mülleimer im Grünen - unseren Abfall sammeln wir sorgfältig in einem Behälter bevor er hinterm Haus verbrannt wird

Doch es ist sehr interessant, ein für mich in der Schule immer und immer wieder auf’s Neue angerissenes Thema noch einmal ganz neu zu recherchieren und für meine Kolleginnen im Büro sowie für unsere Graduantinnen aufzuarbeiten, deren Wissen über den Klimawandel doch noch sehr gering ist. Wie erkläre ich also am geschicktesten die Treibhausgase und ihre Effekte oder warum es hilft, das Licht auszumachen, sobald ich es nicht mehr brauche, um das Klima zu schützen?

Der Punkt, der mich an der ganzen Sache jedoch am allermeisten herausfordert und mir auch das größte Kopfzerbrechen bereitet, ist die Ursache und Verantwortung für die globale Erwärmung. Es ist Fakt, dass die knapp 1,5 Millionen Timoresen, die jeden Tag ihr Gemüse frisch auf dem Markt kaufen oder es einfach gleich von ihren eigenen Feldern ernten, die zu einer großen Mehrheit noch nie einen Zug, geschweige denn ein Flugzeug bestiegen haben, die ihren Strom teilweise bereits aus Sonnen- oder Wasserenergie beziehen – ja es ist Fakt, dass diese Timoresen ganz sicher einen viel, viel, viel winzigeren Teil zur Umweltverschmutzung beitragen, als ich und viele andere Menschen in Deutschland. Und das, obwohl hier so viele ihren Müll immer wieder einfach durch das Autofenster in der Natur entsorgen und das Mikrolet, dass sie zur Arbeit nehmen, sicher keine Umweltplakette trägt, worüber ich mich bei Zeiten wiederum lautstark beschwere.

Ich erzähle also meinen ehemaligen Schülerinnen die Wahrheit, dass nämlich eigentlich wir aus den Industriestaaten diejenigen sind, die zu einem Löwenanteil Schuld haben, dass es hier immer heißer wird und die Regenzeit außer Rand und Band gerät. Aber aufgepasst und gut zugehört, denn ihr könnt folgendes dagegen tun. Ich, als zu einem großen Teil Mitverusachende, schicke nun die Timorese etwas zu tun, um etwas wieder zu richten, woran sie im Grunde nur zu einem sehr kleinen Teil Anteil haben. Ich will ihnen zeigen, wie es geht. Doch die unbequeme Rückfrage, die sich vor allem bei mir nun fast schon aufdringt, ist: Wo ist denn eigentlich mein Teil, mein Beitrag zum Stopp der Erwärmung?
Es ist sicherlich überspitzt formuliert, wenn ich sage, ich tue nichts, um das Klima zu retten. Doch es steckt auch etwas Wahrheit darin. Wir in Deutschland haben zum größten Teil bereits ein geschärftes Bewusstsein für das, was mit unserer Erde passiert. Wir kennen die chemischen Abläufe, die globalen Zusammenhänge, die verheerenden Folgen und können insgesamt gesehen doch wirklich eine Menge tun. Doch was mache ich denn schon konkret und was ist beim genaueren Hinsehen eigentlich nur viel Gerede? Anders gefragt, wo ist meine Handlung?

Bevor ich also ständig über den Müll in der Landschaft schimpfe und über fehlendes Umweltbewusstsein stöhne, sollte ich mir vielleicht erst einmal an die eigene Nase fassen. Ich komme daher mit wunderbaren Recycling-Ideen, die ich eine Stunde zuvor aus dem Internet abgeguckt und selbst ganz sicher noch nicht angewendet habe, mit Wissen und Möglichkeiten, von denen hier die meisten nur träumen können und will ihnen erzählen, was sie alles verbessern sollen?

Es ist unumstritten wichtig, dass ich mein Wissen über die Erderwärmung teile, dass ich warne und informiere, sodass auch die Menschen hier eine Chance haben zu verstehen. Doch genauso wichtig ist, dass ich – genau wie alle anderen auch – meinen Beitrag zum Klimaschutz leiste und das, indem ich etwas tue und ein Vorbild bin.

Autor:

Ich bin 18 Jahre alt, komme aus Hemslingen in Niedersachsen und werde im Projekt CTID der Canossianerinnen in Timor-Leste arbeiten, einem Ausbildungszentrum für Mädchen und junge Frauen. Die Schülerinnen werden dort ein Jahr lang auf das Berufsleben vorbereitet und auch die Stärkung ihrer Persönlichkeit ist ein Fokus in der Arbeit des Zentrums. Beim MISEREOR Freiwilligendienst mache ich mit, weil ich neugierig bin und die Welt einmal aus einer anderen Perspektive betrachten möchte.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Janila,
    ein toller Eintrag. Du hast das so bestechend wahr beschrieben. Wir kommen uns hier in Deutschland immer so umweltbewusst vor. Weil wir gut informiert sind. Weil wir viel mit dem Bus und dem Rad fahren. Unser Auto eine grüne Plakette hat. Wir den Müll trennen. Usw etc pp Aber dass wir ja die Hauptverursacher sind, das wird ausgeblendet. Auch bei mir. Bin ich ganz ehrlich. Ich fliege gerne in Urlaub. Und essen Fleisch, das sicherlich auch zum Teil aus Massentierhaltung kommt. Und und und … Du siehst das sooo richtig: Bevor wir anderen Vorträge halten und gute Tipps geben: Erst mal an die eigene Nase fassen!!!

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