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Ist Gerechtigkeit trinkbar?

Zum Katholikentag hatten sich elf Rückkehrerinnen und Rückkehrer des Misereor-Freiwilligendienstes aus ganz Deutschland aufgemacht, um gemeinsam auf die Arbeit von Misereor aufmerksam zu machen und einen Workshop für Jugendliche anzubieten.

Foto mit den Wise Guys am 2-Euro-Stand

Am Weltbessermacher-Stand konnten sich Besucher mit den Wise Guys ablichten lassen.

Etwas versteckt, aber dennoch auffällig lag der knallorange Weltbessermacherstand, in einer Parkanlage des Wilhelm-Leuschner-Platzes. Mit orangenen Luftballons zog er kleine und große Besucher in den Bann. Einige Kinder diskutierten, nein, verhandelten fast sogar mit ihren Eltern, wie sie zwei Euro vom Taschengeld investieren können, um Weltbessermacher zu werden. Die „Bier macht schlau“ und „Döner ist die beste Medizin“ Postkarten waren bei Jugendlichen, auch von benachbarten Ständen, sehr beliebt. Aber auch Informationen über die Arbeit in den 2-Euro-Projekten kamen nicht zu kurz. Über einige Projekte konnten wir als ehemalige Freiwillige praktischerweise aus eigener Erfahrungen berichten. Das wussten die interessierten Besuchern sehr zu schätzen.

Ist Gerechtigkeit trinkbar? – Was Getränke mit Gerechtigkeit zu tun haben

10 Gehminuten östlich des Burgplatzes liegt das Zentrum Jugend. Rund um die Peterskirche hatten verschiedene Organisationen Programmpunkte für Kinder und Jugendliche aufgebaut. Von einem Cafe über Vorträge bis hin zu Workshops.  „Gerechtigkeit ist trinkbar?“ war ein solches Angebot von uns ehemaligen Misereor-Frewilligen. Gemeinsam mit Jugendlichen wollten wir über Wasserknappheit, die aktuelle Milchkrise und die Müllproduktion durch To-Go-Becher diskutieren.

In dem Programmheft war der Workshop nur ein kleiner unter vielen am Freitagmorgen.Doch schon 15 Minuten vor Beginn standen über 50 motivierte Jugendliche vor unserem Raum. „Das ist echt zu viel, damit hab ich nicht gerechnet“ sagte Dominik. Alle Freiwilligen nickten zustimmend. Also machten wir, das, was wir seit dem Freiwilligendienst am besten können: spontan einen neuen Plan überlegen.

Infos über Cola und regionales Bier

Unser neues Konzept bestand aus sechs Stationen mit jeweils einem eigenen Themenschwerpunkt. So wurden die Teilnehmer etwas entzerrt und an jeder Station von einem Misereor-Freiwilligen begleitet. Bei Esther ging es um Cola Stevia. Das Steviaextrakt kommt ursprünglich aus dem südamerikanischen Regenwald, jedoch werden die Rechte viele lokale Gruppen beim Abbau stark vernachlässigt. Vor allem an der Kommerzialisierung der Cola Stevia durch große Konzerne verdienen diese nicht mit.
Das Highlight für ältere Jugendliche war die Deutschlandkarte regionaler Biersorten:  „Woher kommt den nochmal Jever?“, „Nein, Binding ist doch ein Frankfurter Bier…“ oder „Köstritzer kenn ich ja gar nicht“ hört man häufiger. Es ging darum, für lokale Biere zu sensibilisieren. Denn wer regionales Bier trinkt, kann nicht nur Transportkosten sparen, sondern auch einen neuen Geschmack ausprobieren.

Eine Deutschlandkarte der Bierherkunft

Eine Deutschlandkarte der Bierherkunft

Nachdem Bier ja ein Luxusgetränk ist, zeigte Dominik den Teilnehmern ein Schaubild mit einem einfacheren Getränk: Wasser. Die Wasserprivatisierung der vergangen Jahre ist für die verschiedenen Kontinente auf einer Karte aufgezeichnet. Schnell wurde klar, dass Wasserknappheit ein aktuelles Problem ist.

To-Go-Becher sind ein echtes Problem

Dass in Deutschland zu viele To-Go-Becher verwendet werden, wussten viele der Jugendliche, mit denen Doro über das Thema sprach. Aber wie viele sind es tatsächlich? Die Anzahl von ca. 35 pro Jahr pro Person erstaunt fast jeden. Doch lässt sich das verhindern, wenn man auf Kaffee nicht verzichten will? Eine Alternative können beispielsweise Thermo-Becher sein, die man wiederverwenden kann.

Workshop Doro

To-Go-Becher Station: 35 Becher pro Person und Jahr!

Milch

„Wer hat denn mitbekommen, wie sich der Milchpreis in den letzten Wochen entwickelt hat?“ Einige Hände gehen hoch. Die Gründe für den Preisverfall versuchte Leo zu erklären. Durch den Wegfall der Milchquote auf EU-Ebene produzieren viele Landwirte mehr als zuvor. Und wo das Angebot steigt, sinkt häufig der Preis. „Wie ist es denn bei Bio-Milch?“ will eine Lehrerin wissen, die mit ihrer Schulklasse teilnimmt. In der Tat sieht es da anders aus. Bio-Milchbauern erhalten immer noch rund 50 Cent pro Liter, wo hingegen konventionelle Erzeuger weniger als die Hälfte verdienen. Trotzdem ist diese nicht die endgültige Lösung, denn wenn alle Erzeuger auf Bio-Milch umstellen, würde auch hier bald ein Preisverfall drohen. Es ist also eine schwierige Situation in der aktuellen Milchwirtschaft.

Doch nicht nur die Entscheidung Bio-Milch oder Konventionelle, sondern auch To-Go-Becher oder Thermo-Becher forderten die Teilnehmer auf, den eigenen Lebensstil in manchen Aspekten zu hinterfragen. Es waren viele intensive Gespräche während des Workshops und vor allem ältere Jugendliche waren interessiert daran, wie Gerechtigkeit mit Getränken zusammenhängt.

Wise Guys live

Ein Höhepunkt des Katholikentags war sicherlich das Wise Guys Konzert am Freitagabend. Auch dort waren alle Rückkehrer neben vielen anderen Helfern in den orangenen T-Shirts mit einer Luftballonwolke deutlich erkennbar und auf der Suche nach potentiellen 2-Euro-Spendern. Einerseits war es eine Herausforderung für die Konzertbesucher, sich spontan zu einem Weltbessermacher zu entscheiden und andererseits war es für uns eine Herausforderung, diese Leute zu finden. Doch spätestens nach dem Konzert wussten alle über die Aktion Bescheid und kamen auch am Samstag noch interessiert auf uns zu.

Nach einem gemütlichen Beisammensitzen am Samstagabend im Hauptzelt löste sich die Gruppe langsam auf, um sich am Sonntag in überfüllten Bahnen, Bussen und Stau wieder auf den Heimweg zu machen.

Das Team am Misereor-Stand, zu einem Großteil aus Rückkehrern

Das Team am Misereor-Stand bestand zu einem Großteil aus Rückkehrern des Freiwilligendienstes.

Es war ein tolles Wochenende in einer schönen Stadt mit vielen interessanten,  ernsten, berührenden und auch jeder Menge lustiger Begegnungen. Wir werden dieses Wochenende lange und in sehr guter Erinnerung behalten. Es hat mit so einem tollen Team einfach Spaß gemacht!

Autor:

Maria

Meine Name ist Maria. Ich habe 2014/2015 einen Freiwilligendienst in Timor-Leste im CTID (Centro Treinamento Integral no Desenvolvimento) geleistet. Dort habe ich junge Frauen in Englisch und Sport unterrichtet.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Maria,
    das habt ihr wirklich richtig, richtig gut gemacht. Hört sich alles sehr spannend an und die Themen betreffen uns alle, teilweise täglich. Ich wäre sehr gerne mit dabei gewesen. Toll, dass ihr die Welt wieder ein bisschen besser gemacht habt. Und dass ihr auch Spaß dabei hattet, das sieht man euch an!
    LG, Uta

  2. Hallo Maria,
    es ist schön zu hören und zu sehen, dass auch viele Jugendliche und junge Erwachsene auf dem Katholikentag waren. Leider zeigen die Medien häufig nur die Seniorenriege.
    Toll finde ich Eure Verknüpfung der Weltprobleme mit unserem eigenen Handeln.
    Macht weiter so!
    Robert

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