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Kolumbien: Wasser in Tüten und die Kunst des Beobachtens

Mein Name ist Johanna Melsheimer. Ich bin 20 Jahre alt und komme aus Reil an der Mosel. Seit 2 Wochen bin ich jetzt in Kolumbien, in der Provinz Cordoba, genauer gesagt, in der kleinen Stadt Tierralta. Dort werde ich in den nächsten 10 Monaten die Organisation „Benposta, nacion de muchachos“ unterstützen. Die Organisation hilft mit ihrer Arbeit Kindern und Jugendlichen im Alltag, gibt ihnen Beschäftigung und spielt somit häufig eine entscheidende Rolle in der Gestaltung ihrer zukünftigen Lebenswege .
Mein Mitfreiwilliger Felix hat in seinem ersten Blogeintrag schon über unsere ersten Erfahrungen mit den tropischen Temperaturen berichtet, an welche ich gleich anknüpfen möchte:

Einlebephase

Die erhoffte „Einlebephase“, was die Temperaturen angeht, nimmt leider noch kein Ende und ich bezweifle, dass irgendwann der Punkt kommen wird, an dem wir uns an die schwül-heißen Temperaturen gewöhnt haben. Dennoch lassen uns diese von jeglichen Aktivitäten nicht abhalten und ich muss mir somit häufig von den Benpostakindern anhören, warum denn mein Gesicht einen so rosaroten Stich habe. Ihnen zu erklären, dass sich meine Haut wegen der geringen Hautpigmentierung und der Struktur der Blutgefäße bei Anstrengung und Hitze errötet, habe ich schnell aufgegeben. Doch die auffällige Gesichtsfarbe hat auch seine Vorteile, denn mit Wasser und kalten Erfrischungsgetränken werden wir so fast überschüttet.

Erster Kontakt mit dem „Tütenwasser“

So kamen wir in den ersten Tagen dann auch in Kontakt mit den merkwürdigen Tüten, die die Kolumbianer mit Wasser füllen. Zu Beginn hatten wir nur leider keinen blassen Schimmer, wie man dieses Wasser, ohne eine riesige Sauerei zu veranstalten, herausbekommt.

Da saßen wir also in einer mehr oder weniger wichtigen Konferenz mit 10 weiteren Benpostaangestellten, die gekonnt mit ihren Eckzähnen die Plastiktüten aufrissen und begannen, diese in wenigen Zügen auszutrinken und das alles, ohne auch nur einen kleinen Tropfen zu verschütten. In meinem Kopf brach eine kleine bis mittelschwere Panik aus. Ich versuchte gelassen zu wirken, beobachtete die Technik bis ins kleinste Detail und musste endlich den Schritt wagen, da mein Nichtstun langsam anfing Blicke auf mich zu ziehen. Ich nahm mir also die Tüte vor, biss die obere Ecke ab und trank das Wasser aus. Geschafft. Innerlich feierte ich eine Party und klopfte mir für die gelungene Meisterleistung auf die Schulter.

Ein paar Tage später erzählte ich den Mitarbeitern von Benposta von meinen neu errungenen Erfahrungen und wir mussten schon sehr über die Situation lachen.
Mögen die Tüten einfacher zu transportieren und handlicher sein, ob dies die Schwierigkeit des Verbrauchs wettmacht, ist jedoch noch zu beweisen.

Die Fähre am Sinú (hier: Moskitoparadis)

Die Fähre am Sinú (hier: Moskitoparadis)

 

Blutrünstige Moskitos

Tüten hin oder her: Eine weitere Sache, die komischerweise nur Felix und mich wirklich zu belasten scheint, sind die blutrünstigen Moskitos. Vor allem bei feuchtem Wetter, wie es oft nach einer Gewitternacht zu spüren ist, wimmelt es nur so vor Stechmücken, die uns das Leben schwer machen.

Leider befinden wir uns momentan in der Regenzeit, was bedeutet, dass es jeden 2 bis 3 Abend richtig kracht; die Wassermassen schießen dann nur so aus den Wolken und der Himmel gleicht einer Dauerblitzanlage. In Deutschland würde sich die ersten womöglich schon für den Weltuntergang bereit machen, doch hier geht das Leben normal weiter. Keiner beachtet das Gewitter und ich werde regelrecht ausgelacht, wenn ich bei dem Gepolter zusammenzucke.

Einen positiven Aspekt haben diese apokalyptischen Spektakel jedoch: Der Tag danach ist meist sehr angenehm zu ertragen, was die Hitze betrifft. Jedenfalls solange, bis die Sonne gegen Mittag auch die letzten Rückstände des Regens getrocknet hat und uns armen „Gringos“ wieder zum schmelzen bringt.

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Autor:

Johanna

Johanna absolviert ihren Freiwilligendienst bei BENPOSTA Bación de Muchachos in Cordoba, Kolumbien.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Johanna,
    ja, die Gringos. Da werdet ihr sicherlich noch oft lachen und viele komische Blicke ernten. Stechen die Mücken denn alle oder dann lieber doch nur euch??? Danke auf jeden Fall für den tollen Bericht. Von Tütenwasser hatte ich bisher noch nie was gehört. Wir lernen dank euch nie aus :-)))
    LG aus dem sonnigen Aachen, Uta

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