Suche
Suche Menü

Auf Achse: Die ersten Tage in Kolumbien

In meinem zweiten Blogeintrag berichte ich über die Ankunft und meine ersten Begegnungen und Erlebnisse im Einsatzort Tierralta, wo ich die nächsten 10 Monate verbringen werde.

IMG-20160814-WA0009

Im Zentrum von Tierralta

Nachdem meine Mitfreiwillige Johanna und ich unser Gepäck am Flughafen von Montería entgegengenommen hatten, wurden wir in der kleinen Empfangshalle unter dem sanften Brummen der Ventilatoren von der Benposta-Chefin hier vor Ort, Luz Elena, und ihrem Mann herzlich empfangen. Vorbei an palmenumsäumten, saftigen Rinderweiden fuhren wir in Richtung der knapp 350.000 Einwohner zählenden Provinzhauptstadt. Dort schlängelte sich unser Pick-up durch die schachbrettartig angelegten Straßen, die voll von unzähligen Motorrädern, Mofas und sonstigen schwer zu identifizierenden zwei- bis dreirädrigen motorisierten Gefährten waren.

Wir besuchten den neu angelegten Park an den Ufern des großen, braunen Sinú-Flusses, die Lebensader der Provinz Córdoba. Dort genossen wir unter dem Kreischen der kleinen Äffchen in den Bäumen und den stoischen Blicken bis zu 70 cm langer Echsen einen herrlich erfrischenden Fruchtsaft. Im Haus unserer Chefin angekommen, erfuhren wir von dem Plan, in den kommenden Tagen die verschiedenen Einsatzorte der Organisation Benposta in der Provinz Córdoba zu besuchen. Dazu zählt das Viertel „Cantaclaro“ in Montería, eines der ärmsten der Stadt, die Stadt Tierralta im Südwesten der Provinz, wo wir Freiwilligen hauptsächlich arbeiten werden, und der kleine Bergarbeiterort Puerto Libertador ganz im Südosten. So sollten Johanna und ich einerseits die Mitarbeiter und Strukturen unserer Organisation kennenlernen, anderseits wohl auch die Zeit bis zur Fertigstellung unserer noch nicht bezugsfertigen Wohnung in Tierralta überbrücken.

Am nächsten Morgen machten wir uns gemeinsam mit Luz Elena im Pick-up auf nach Tierralta. Zunächst fuhren wir auf der gut ausgebauten Landstraße zwischen Montería und Medellín Richtung Süden, bogen aber nach kurzer Strecke rechts ab Richtung Tierralta. Je weiter wir uns von der großen Landstraße entfernten, umso furchterregender wurden die Dimensionen und die Anzahl der Schlaglöcher. Hinzu kam, dass wegen eines heftigen Gewittersturms in der Nacht entwurzelte Bäume und abgebrochene Äste auf der sogenannten Straße lagen.

Langsam zogen Bananenstauden, Reisfelder und Rinderweiden an uns vorbei. Die Wohnhütten wurden immer einfacher. Häufig bestanden die Wände aus einfachen Holzbrettern oder Wellblech, die Dächer aus getrockneten Palmzweigen. Niemals fehlten jedoch eine Satellitenschüssel und eine meist ältere Person, voller Gelassenheit in einer großen Hängematte liegend.

IMG-20160821-WA0006

Typische Siedlung auf dem Weg nach Tierralta

Nach zwei Stunden Fahrt kamen wir ordentlich durchgeschüttelt und voller Neugier im ca. 40.000 Einwohner und gefühlt noch viel mehr Motorräder zählenden Tierralta an, wo wir vorübergehend beim Bruder unserer Chefin wohnen durften. Luz, Johanna und ich machten uns kurz nach der Ankunft auf ins hiesige Benposta-Zentrum im Stadtteil Montevideo. Dort wurden wir von unseren allesamt sehr jungen zukünftigen Kolleginnen und Kollegen herzlich empfangen. Nach einer Vorstellungsrunde wurden uns für die Küstenregion typische, lebendige und ansteckende Rhythmen vorgeführt, die ich zum ersten Mal hörte. Das Tanzen dazu überließen wir etwas hüftsteifen Deutschen aber erstmal den Profis. Die große Herzlichkeit und Aufgeschlossenheit des Benposta-Teams zeigte sich auch an meinem Geburtstag, zu dem eine Feier vorbereitet war, sodass ich mich fast schon wie zu Hause unter Freunden, auf jeden Fall aber gut aufgenommen und angekommen fühlte.

IMG-20160813-WA0096

Geburtstagsfeier mit dem Benposta-Team

In den folgenden Tagen lernten Johanna und ich auch die bei Benposta aktiven Kinder und Jugendlichen kennen, u.a. bei einem Ausflug nach Batata, einem kleinen Dorf in den Bergen. Dort nahmen wir an einem Kurs für Friedensentwicklung und Radioberichterstattung zusammen mit den Kindern teil. Das Thema Frieden ist gerade hier von großer Bedeutung, beginnt doch kurz hinter dem Dorf eine große von der FARC-Guerilla kontrollierte Zone, zu der auch Batata vor nicht allzu langer Zeit gehörte.
Auch auf einer großen festlichen Veranstaltung am Weltkindertag am Benposta-Zentrum in Montevideo trafen wir, Johanna und ich, auf viele interessierte und aufgeschlossene Kinder und Jugendliche. Für den Großteil war es das erste Mal, dass sie weiße Ausländer zu Gesicht bekamen. Für dementsprechend viele Erinnerungsfotos sollten wir posieren, die dann am nächsten Tag zuhauf bei Facebook auftauchten. Die Trophäenjagd gipfelte schließlich darin, dass wir den Kindern auf ihre Klamotten und Arme unterschreiben sollten. Daneben wurde auch noch viel zu folkloristischer Musik getanzt, zu Porro, Bayenato, Raggaeton, Cumbia und Champeta.

IMG-20160820-WA0016

Begrüßung am Benposta-Zentrum von Tierralta im Stadtteil Montevideo

Nach einigen Tagen in Tierralta besuchten wir Puerto Libertador. Luz Elena machte uns mit dem dortigen, ebenso herzlichen Benposta-Team bekannt. Gemeinsam besuchten wir u.a. einen Badefluss in der Nähe, angelten und grillten, wodurch wir uns alle besser kennenlernen konnten. Auch in Montería besuchten wir bald darauf die Benposta-Einrichtung. Hier befindet sich sowohl das Hauptbüro für die Region Córdoba, als auch eine Grundschule. Auch die dortigen Schüler waren sehr interessiert an uns Deutschen, wollten wissen, wo denn dieses Deutschland sei, welche Sprache man dort spreche, welche Tiere dort lebten, was man dort esse, wie die Nationalhymne sei und ob es dort auch zweistöckige Häuser gäbe. Sie kauften uns von ihrem Taschengeld am Kiosk Snacks und schenkten uns Freundschaftssticker. Das blieb mir noch lange in Erinnerung!
Nach unserer 10-tägigen Erkundungstour ging es für Johanna und mich dann zurück nach Tierralta, wo wir unseren vorläufigen Arbeitsplan erhielten und bald darauf mit unserer Arbeit begannen.

Merken

Merken

Autor:

Felix

Felix absolviert seinen Freiwilligendienst bei Benposta Nación de Muchachos Colombia in Montería, Kolumbien.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Felix,
    ich freu mich schon immer auf Deine Einträge – so können wir doch ein bisschen an Deinen Erlebnissen teilhaben! Hab mich besonders gefreut, dass Ihr so freundlich aufgenommen wurdet und Du sogar eine kleine Geburtstagsfeier bekommen hast!
    Weiterhin viel Freude und gute Arbeit!
    Lg Isabella

  2. Felix

    Liebe Uta,
    danke für deinen Kommentar!! Wir werden auf der Straße gut auf uns aufpassen, damit wir euch weiterhin viel berichten können.. 😉
    Liebe Grüße, Felix

  3. Lieber Felix,
    bitte berichte uns weiter von deinem FWD. Du schreibst toll. Ich möchte direkt auch nach Kolumbien. Überall werdet ihr freundlich und neugierig aufgenommen. Was will man mehr? Die Geburtstagsparty sieht super aus. Und alles hört sich wirklich spannend an. Passt auf, dass ihr nicht überfahren werdet von den ganzen Fahrzeugen oder was auch immer … :-)))
    LG, Uta

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Sichherheitsüberprüfung * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.