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Unterrichten in der Vorschule: Wenn Spiderman neben Shakira sitzt…

Als „Pionierfreiwillige“ in unserer Einsatzstelle in Kolumbien stellt sich meiner Mitfreiwilligen Johanna und mir auch die Aufgabe, neue Arbeitsbereiche ausfindig zu machen und auszuprobieren. So unterrichten wir nun seit knapp zwei Monaten in den fünf Vorschulklassen der Schule „Institución Educativa Junin“ Englisch. In diesem Blogeintrag berichte ich über meine dabei gemachten Erfahrungen und Erlebnisse.

Klassenfoto mit der ersten Vorschulklasse


Wenn ich um kurz vor sieben Uhr morgens den Raum meiner ersten Vorschulklasse betrete, bekomme ich mittlerweile, begleitet von freudigen Umarmungen meiner kleinen Schülerinnen und Schülern, schon ein ziemlich solides „Good morning“ entgegengeschrien. Das ist keineswegs selbstverständlich, ist doch der Englischunterricht in der Vorschule für die Kinder und für mich noch etwas ganz Neues.

Die erste Herausforderung bestand schon darin, meinen Schülerinnen und Schülern im Alter von vier bis fünf Jahren klarzumachen, dass Englisch eine andere Sprache als Spanisch ist. Diesen scheinbar einfachen Schritt haben wir nun gemacht. Neben „Good morning“ verstehen meine Schützlinge auch „stand up“, „sit down“ und winken zum Abschied zu einem energischen „bye bye“. Außerdem können wir schon gemeinsam den Klassiker „Head, Shoulders, Knees and Toes“ singen und uns zu dem Lied „If you happy and you know it“ bewegen. Meine Pause verbringe ich seitdem regelmäßig umringt von Kindern, die fröhlich „Head and Shoulders“ trällern. Mich macht es sehr glücklich, solche Fortschritte bei den Kleinen zu sehen!

Die Vorschülerinnen und -schüler lernen „If you happy and you know it…“

Die neue Arbeit in der Vorschule macht mir sehr viel Spaß und ist sehr interessant. Da in der Nähe des Junin viele Indigene des Stammes „Embera Kativo“ leben, sind auch vergleichsweise viele meiner Schüler indigener Abstammung. Neben Spanisch sprechen sie noch ihre eigene Sprache. Ganz offensichtlich hilft ihnen das beim Erlernen anderer Sprachen, denn die Embera-Kinder sind ihren Kameraden in Verständnis und Aussprache des Englischen voraus. Ihnen war es auch sofort klar, dass ein bestimmter Gegenstand in zwei verschiedenen Sprachen unterschiedliche Vokabeln hat.

Die vergelichsweise sehr disziplinierte zweite Vorschulklasse

Auch kommt es mit den Embera-Kindern immer wieder zu interessanten Erlebnissen, zum Beispiel wenn Anderson im Unterricht vor lauter Hunger ein riesiges, in Palmenblätter eingewickeltes Mahl auspackt und genüsslich mit einem Löffel aus Kokosnussschale isst. Des Weiteren sind die Namen der indigenen Kinder teilweise sehr gewöhnungsbedürftig, da die Eltern ihnen gerne „Namen“ aus Filmen geben. Ich konnte es anfangs gar nicht glauben, doch ich unterrichte beispielsweise einen „Spiderman“, eine „Shakira“ und einen „Esneider“ (was sich von dem uns gängigen Nachnamen Schneider ableitet), so steht es auf der Klassenliste.
Allerdings kann die Arbeit mit den Kleinen auch richtig anstrengend werden, obwohl sie so knuffig sind. Trotz bis zu zwei Hilfslehrern im Raum bricht regelmäßig das Chaos aus, nur weil Spiderman mal auf Toilette muss, Anderson Shakira mit einem Legostein beworfen hat, oder Esneider wieder die löchrige Wand hochklettert und das Herunterholen nur die anderen anstachelt, es ihm gleich zu tun. Nach Pausenende muss jeder Baum geprüft werden, ob sich dahinter nicht ein kleiner Vorschüler verbirgt. Und wird den Kindern der Unterricht zu langweilig, sind sie ganz schnell unter den Tischen verschwunden und die Suche geht von vorne los. Als vergangene Woche zwei Frösche in den Klassenraum gehüpft kamen, löste sich der Unterricht von alleine auf. Die eine Hälfte der Schüler mitsamt Lehrerinnen flüchtete entgeistert aus dem Raum, während die anderen drinnen mit den Fröschen spielten, bis der Hausmeister dem Tohuwabohu beherzt ein Ende setzte und die Tiere wieder in die Freiheit entließ.

Es wird für Ordnung gesorgt…

Um elf Uhr endet meine anstrengende, aber wirklich schöne neue Arbeit im Junin, denn dann werden die Kinder von ihren Eltern und ich von meinem Motorradtaxi-Fahrer abgeholt. Wie gut, dass es bei meiner Nachbarin herrliche karibische Erfrischungsgetränke gibt, um neue Energie für mein weiteres Tagesprogramm zu tanken…

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Autor:

Felix

Felix absolviert seinen Freiwilligendienst bei Benposta Nación de Muchachos Colombia in Montería, Kolumbien.

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