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Marokko: Menschen in Transit – eine Begegnung

Ein hoher Zaun grenzt die spanischen Exklaven Melilla und Ceuta von Marokko ab. Wer von hier aus auf spanisches Terrain flüchten will, muss Stacheldraht und Grenzposten überwinden. Und riskiert dabei oft sein Leben. Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon und Jonas Wipfler, Experte für Flucht bei MISEREOR, machen sich derzeit vor Ort ein Bild von der Situation der Flüchtlinge, die hier teilweise aus vielen afrikanischen Ländern ankommen.

Martin Bröckelmann-Simon im Gespräch mit Migranten in Marokko. © Jonas Wipfler /MISEREOR

Jenseits der letzten Ausläufer der Millionenstadt Tanger treffen wir eine Gruppe westafrikanischer Migranten. Viele von ihnen tragen das, was sie besitzen am Körper und ihre Unterkunft ist ein provisorisches Lager. Es ist nicht lange her, dass marokkanische Sicherheitskräfte auch dieses Wenige, das ihnen Schutz bieten kann, anzündeten. Man will sie nicht in dieser Gegend.
Ausnahmslos sind es junge Männer von Anfang, Mitte 20. Ihr Ziel ist es in den meisten Fällen nach Ceuta zu gelangen, jene spanische Exklave am Rande des afrikanischen Festlandes – im Norden Marokkos und 60 Kilometer von Tanger entfernt. Diese Grenze wird von beiden Seiten stark gesichert. Wer es dennoch versucht, nach Spanien zu gelangen, muss Stacheldraht, Zäune, elektronische Überwachung und Grenzposten überwinden. Er riskiert dabei viel.

In der Gruppe haben es schon einige versucht – häufig tragen sie dabei Verletzungen davon. Ein junger Mann – nennen wir ihn Moussa – hat eine lange Narbe an seinem Hals. Sie ist vom Weihnachtstag 2016 – in der Annahme, dass die Grenze am Feiertag schlechter bewacht sei, versuchten sie als große Gruppe nach Ceuta zu kommen. Einige schafften es, andere wurden zurückgehalten oder mussten ihren Versuch verletzt abbrechen – so wie Moussa: Von Sicherheitskräften wurde er nach Marokko zurückgedrängt.

Der Weg nach Ceuta ist gefährlich, aber auch das Leben für Migranten auf der Straße in Marokko ist hart und kräftezehrend. Moussa hat enorme Ausstrahlung und Kraft und doch ist er enttäuscht und gezeichnet von seinen bisherigen Erlebnissen. Vor allem aber kämpft er mit dem Schamgefühl, es nicht geschafft zu haben bisher.
Wir fragen, ob wir die Gruppe fotografieren dürfen. Da sagt er, wir dürften, aber ihre Gesichter solle man nicht erkennen. Nicht, weil er Sicherheitsbehörden fürchtet, sondern aus Angst seine Familie könnte sehen, wie er in Marokko derzeit lebt.

MISEREOR unterstützt in Marokko zwei lokale Organisationen, die sich für Migranten wie Moussa vor Ort engagieren.

Autor:

Jonas Wipfler

Jonas Wipfler arbeitet als Referent für Migration und Flucht im Berliner Büro von MISEREOR. Zuvor lebte er drei Jahre in Dakar, der Haupstadt des Senegals. Dort half er als Berater lokalen Partnerorganisation in Westafrika bei Planung, Monitoring und partizipativen Methoden.

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