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Lakschmi – ein Mädchen mit großer Zukunft

Lakschmi ist ein Mädchen von zehn Jahren, mit offenen Augen und angstfreiem Blick. Sie strahlt und erzählt von sich – als ich sie gemeinsam mit einer Reisegruppe im nordindischen Patna besuche. Nachdem sie zuvor an einer Art Brückenschule (eine informelle Schule) war, geht sie jetzt im dritten Jahr auf die Mittelschule mit Hindi als Schulsprache. Lakschmi hat das nächste Ziel vor Augen, sie möchte in den nächsten Jahren auf eine englische Mittelschule wechseln und zwar um „[…] dem Namen ihrer Eltern Ehre zu machen […]“. Bis hierhin steht alles in Verbindung zu den Tugenden ihrer „Namenspatronin“.

Lakschmi ist eine hohe weibliche Gottheit im Hinduismus, oder – wie wir in diesen Tagen lernen – eine der Formen des Göttlichen, die in weiblicher Gestalt auf den Menschen zukommt. Mit Lakschmi verbinden die Menschen in Indien Schönheit, Grundgüte, Glück, Liebe, Fruchtbarkeit, ebenso materiellen Reichtum und geistiges Wohlbefinden. Und so wie Lakschmi auf dem Foto in die Kamera schaut, fragt mancher sich vielleicht, was Lakschmi denn an diesem Weg der Annäherung an Liebe, Reichtum, Glück, Gesundheit und geistiges Wohlbefinden hindern sollte.

Lakschmi wächst in der Squattersiedlung am Bahndamm in der Nähe des Flughafens von Patna auf, einer Stadt mit zwei Millionen Einwohnern. Die Wände der Hütte ihrer Eltern aus Bambus und aus Folie mögen drei Zentimenter dick sein, einen Fußboden gibt es nicht. Jetzt im kalten Februar wirbelt jeder Schritt Staub auf, im Juli steht das Wasser in der Siedlung kniehoch wegen des Monsuns. Zur Toilette gehen die Menschen einfach auf den nahen Bahndamm. Bis zu drei Personen in einem Monat sollen vom Zug überrollt worden sein. Das Wasser für 150 Familien tröpfelt aus einem niedrigen Rohr, nur dort kann man sich waschen.

Die 10-jährige Lakschmi hat einen Wunsch: Sie möchte eine Banklehre machen. Um sich ihren Traum zu erfüllen, strengt sie sich jetzt schon auf der englischen Mittelschule an.

Lakschmi erzählt weiter: Wenn sie die englische Mittelschule abgeschlossen habe, wird sie Bankerin, sie möchte ein Banklehre machen, „[…] um dem Namen ihrer Eltern Ehre zu machen […]“. Wir haben den ganzen Tag mit vielen Kindern gesprochen, gespielt, ihnen durch lange Übersetzungen aus Hindi über Englisch zu Deutsch zugehört. Kinder wollen Polizisten werden, Lehrer oder Tänzerin. Lakschmi überrascht mich: Sie will eine Banklehre machen. Und als ich sie frage „warum“ bricht es aus ihr strahlend hervor: „Meine Eltern haben niemals Geld, und das wird sich dann ändern.“

Keiner weiß, ob Lakschmis Wunsch eine Chance hat. Sr. Dorothy, vom diesjährigen Fastenaktionsprojekt JKGVS, erzählt später, dass sie im Team schon öfter überlegt haben, Kindern mit einer so klaren Vision Flügel für diese Träume zu verleihen.

Auch in der indischen Hauptstadt Delhi träumt die Projektkoordinatorin von Butterflies, Rita Panicker, von der Ausweitung des Modells der Kinderbank. Begleitet von kundigen ErzieherInnen, in einem ernsten Spiel nach strengen Regeln, lernen Kinder nach demokratischen Grundsätzen zu sparen und Kleinstkredite an die Kinder dieser Kindergenossenschaft auszuleihen. Mit den Kleinstkrediten machen sie dann eine mobile Saftbar auf oder ermöglichen der bettelarmen Mama den Weg zum Zahnarzt. Wie ermöglichen wir bei MISEREOR Lakschmi in Patna, dass sie schon jetzt in einer dieser Kinderbanken, einer Childs‘ Development Khazana, ihren Traum umsetzen kann?

Viele solcher Fragen stellen sich uns auf dieser Reise anlässlich der gemeinsamen Fastenaktion von MISEREOR und Caritas India. Die Antwort können wir hier und heute nicht geben, aber ein Ansatz im Sinne von „Die Welt ist voller guter Ideen – Lass sie wachsen“ scheint es mir allemal zu sein.


Gemeinsam mit der Kirche in Indien geht MISEREOR mit der Fastenaktion 2018 der Frage nach, was wir gemeinsam tun können, damit immer mehr Menschen ein menschenwürdiges und gutes Leben leben können.

www.misereor.de/fastenaktion >

Autor:

Pirmin Spiegel

Pirmin Spiegel ist Hauptgeschäftsführer bei MISEREOR. Bevor er 2012 zu MISEREOR kam, war er 15 Jahre in Brasilien als Pfarrer tätig und bildete in verschiedenen Ländern Lateinamerikas Laienmissionare aus.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. though late, the story comes alive when Pirmin Spiegel along with Misereor team visited the squatter where Lakshmi lives. There are many bright children with dreams to be realized.. financial constraints and their abject poverty does no enable them t o translate their dreams to reality. Our humble efforts have taken children this far, God will touch human hearts to continue their journey.

  2. Vielen Dank an Misereor für die tägliche Arbeit und für die super Ergebnisse. Eine Unterstützung kann viel bewirken! Also spendet 😉

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