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„Willkommen im ‚Le petit appétit‘!“

Das MISEREOR Pop-Up-Restaurant auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin spricht ein ernstes Thema an:

Mit einem breiten Lächeln, den Dreadlocks und seiner schwarzen Kochuniform schaut Björn Moschinski hinter der Miniaturküche des ‚Le petit appétit‘ hervor – und erklärt dabei die Zutaten seines Mini-Menüs, das er gerade kreiert hat. MISEREOR und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin zu diesem kulinarischen Ereignis eingeladen.

Kartoffelsalat mit veganer Mayonnaise, Medaillon von der Sojabohne und veganes Schokoladenmousse hat der bekannte Vegan-Koch vorbereitet. Der Kartoffelsalat ließe sich natürlich auch leicht und lecker ohne Mayonnaise herstellen. Doch Björn Moschinski verwendet gerne sogenannte ‚Ersatzstoffe‘, um den Menschen zu zeigen, dass sie auf nichts zu verzichten brauchen, wenn sie sich vegan ernähren.

Das vegane Mini-Gericht aus Kartoffelsalat, Medaillon von der Sojabohne und Schokoladenmousse bringt zusammen mit einem Glas Wein etwa 380 Kilokalorien auf den Tisch - so viel wie ein unterernährtes Kind durchschnittlich am Tag nur zur Verfügung hat © MISEREOR

Das vegane Mini-Gericht aus Kartoffelsalat, Medaillon von der Sojabohne und Schokoladenmousse bringt zusammen mit einem Glas Wein etwa 380 Kilokalorien auf den Tisch – so viel wie ein unterernährtes Kind durchschnittlich am Tag nur zur Verfügung hat © MISEREOR

Wir servieren: Eine erschreckende Erkenntnis

Doch der eigentliche Star an diesem Tag ist die auf einem Fahrrad montierte mobile Puppenküche ‚Le petit appétit‘ von MISEREOR, die nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt. Nun greift Björn Moschinskis überdimensional wirkende Hand in diesen Raum hinein und drapiert eine Cocktailtomate dekorativ auf den Esstisch. So niedlich die Mini-Küche auch anmuten mag, sie hat einen sehr ernsten Hintergrund: Alle im ‚Le petit appétit‘ zubereiteten Mini-Mahlzeiten entsprechen in etwa 380 Kilokalorien, so viel wie ein unterernährtes Kind im globalen Süden durchschnittlich am Tag zur Verfügung hat. Aktuell trifft das beispielsweise aufgrund einer Dürrekatastrophe auf Kinder in den Ländern Ost-Afrikas wie Äthiopien, Eritrea, Kenia oder Südsudan zu.

Super leckeres, veganes Schokoladenmousse in Mini-Format zaubert Björn Moschinski während der Kochshow auf der Internationalen Grünen Woche © MISEREOR

Super leckeres, veganes Schokoladenmousse in Mini-Format zaubert Björn Moschinski während der Kochshow auf der Internationalen Grünen Woche © MISEREOR

Erschrocken reißt Frieda, die sich die Kochshow in der Puppenküche anschaut, die Augen auf: „Den ganzen Tag über nur solch ein kleines Häppchen? Davon werde ich aber nicht satt!“ Und damit trifft die Zehnjährige den Nagel auf den Kopf. Täglich sterben noch immer Tausende Menschen an den Folgen von Unter- oder Mangelernährung. Mindestens jeder neunte Mensch auf der Welt geht hungrig zu Bett. Jedes vierte Kind unter fünf Jahren ist mangelernährt, wodurch es sich nicht richtig entwickeln kann. Doch wie kann es sein, dass immer noch so viele Menschen, ungefähr 815 Millionen weltweit, unter Hunger leiden müssen? Wie kommt es, dass zwei Milliarden Menschen mangelernährt sind, ihnen also wichtige Vitamine und Mineralstoffe aufgrund einer zu einseitigen Ernährung fehlen, während gleichzeitig zwei Milliarden Menschen übergewichtig sind?

Schlechte Ressourcenverwaltung und der Verlust kleinbäuerlicher Strukturen

Die Gründe sind vielfältig und komplex. Denn eigentlich gäbe es genügend Nahrungsmittel auf der Welt. Bereits heute werden Lebensmittel für mehr als zwölf Milliarden Menschen produziert, die Weltbevölkerung umfasst etwa 7,5 Milliarden. „Wir gehen schlecht mit unseren Ressourcen um“, erklärt Volker Riehl, Referent für entwicklungspolitische Lobbyarbeit bei MISEREOR. „Ein Drittel aller hergestellten Lebensmittel auf dieser Welt landet aktuell im Müll oder verdirbt aufgrund schlechter Lagerung und langer Transportwege, bevor die Produkte auf den Markt gelangen. Zudem werden viele Anbauflächen, die Großkonzerne bewirtschaften, nicht für die Ernährung der Menschen, sondern zur Herstellung von Futtermitteln oder Agrarkraftstoffen verwendet.“ Das sind Flächen, die der lokalen Bevölkerung in Ländern Lateinamerikas, Afrikas oder Asiens zur Ernährung der eigenen Bevölkerung fehlen. Billigexporte aus Europa tun ihr Übriges: „Unsere Überproduktion zerstört lokale Märkte zum Beispiel in Afrika“, weiß Volker Riehl aus eigener Erfahrung. Die Folge: Bauern und Bäuerinnen können auf dem globalisierten Markt nicht konkurrieren. Immer mehr geben ihre Betriebe auf dem Land auf und versuchen ihr Glück in den Städten.

Volker Riehl (links), MISEREOR-Referent für entwicklungspolitische Lobbyarbeit, und Moderatorin Katie Gallus (rechts) beobachten Björn Moschinski (mitte) bei seiner Arbeit in der Puppenküche des "Le petit appétit" © MISEREOR

Volker Riehl (links), MISEREOR-Referent für entwicklungspolitische Lobbyarbeit, und Moderatorin Katie Gallus (rechts) beobachten Björn Moschinski (mitte) bei seiner Arbeit in der Puppenküche des „Le petit appétit“ © MISEREOR

Dabei könnten Kleinbäuerinnen und Kleinbauern die Ernährung der jeweiligen lokalen Bevölkerungen ressourcenschonender, umweltfreundlicher und nachhaltiger abdecken als Großkonzerne. „Deshalb unterstützt MISEREOR mit seinen Partnern vor Ort kleinbäuerliche Strukturen, klärt sie über ihre Rechte auf, findet Wege, damit sie auf ihrem Land bleiben können, und fördert den Fairen Handel, um dazu beizutragen, dass die Menschen, die unsere Lebensmittel herstellen, auch von fairen Preisen und ihrer Arbeit leben können,“ fasst Volker Riehl zusammen. Andere Ursachen für Hunger sind zum Beispiel Armut, der Klimawandel und Naturkatastrophen oder gewalttätige Konflikte.

Auch das Auge isst mit: Der vegane Kartoffelsalat mit dem Medaillon von der Sojabohne wird schön angerichtet und dekoriert © MISEREOR

Auch das Auge isst mit: Der vegane Kartoffelsalat mit dem Medaillon von der Sojabohne wird schön angerichtet und dekoriert © MISEREOR

Kleine Küche, große Wirkung

Um deutlich zu machen, wie wenig das ist, was viel zu viele Menschen immer noch tagtäglich zum Leben haben, hat die Aktion „Mit 2 Euro helfen“ von MISEREOR das ‚Le petit appétit‘ gestartet. Und die Botschaft scheint anzukommen. Kinder und Erwachsene sehen wie Frieda auf einen Blick, dass niemand von solch einer Mini-Portion am Tag auf längere Sicht überleben kann. Die Idee hinter der 2-Euro-Aktion ist einfach: Zwei Euro kann in Deutschland fast jeder entbehren. Wenn viele Menschen solch eine kleine, regelmäßige Spende geben, können wir mit diesem Geld gemeinsam in den Ländern des globalen Südens viel erreichen. Mit zwei Euro im Monat sichern Spender beispielsweise einem Kind in Südafrika eine Woche lang ein warmes Mittagessen. Mit einer solchen Spende werden MISEREOR-Projektpartner und deren Kinder- und Jugendprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika im Kampf gegen den Hunger unterstützt.

Projekt der "Mit 2 Euro helfen"-Aktion in Südafrika: Weil es sich mit leerem Magen nicht gut lernt, bekommen die Kinder und Jugendlichen auf der Goedgedacht-Farm eine warme Mittagsmahlzeit © Rall/MISEREOR

Projekt der „Mit 2 Euro helfen“-Aktion in Südafrika: Weil es sich mit leerem Magen nicht gut lernt, bekommen die Kinder und Jugendlichen auf der Goedgedacht-Farm eine warme Mittagsmahlzeit © Rall/MISEREOR

Zu Besuch im ‚Le petit appétit‘: Vegan-Koch Björn Moschinski

Warum hast du dich entschieden, vegan zu leben?

Moschinski: Der Auslöser war vor 23 Jahren ein Artikel über Massentierhaltung. Dadurch wurde mir bewusst, was es für Tiere bedeutet, wenn ich Fleisch esse. Deshalb habe ich entschieden, kein Fleisch mehr zu essen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich intensiv mit der Thematik beschäftigt, viel hinterfragt und festgestellt, wenn ich Milch konsumiere, werden  trotzdem Tiere getötet und gehalten. Wenn ich Leder trage, klar, das ist halt ein Tier. Dadurch bin ich immer mehr vom Vegetarier zum Veganer geworden und habe mich im Alter von 15 dazu entschieden, konsequent vegan zu leben.

Und wieso wurdest du dann auch noch Vegan-Koch?

Moschinski: Das kam zwangsläufig, weil meine Mutter damals gesagt hat: „Vegetarisch, das unterstütze ich, aber vegan, da musst du dich selbst drum kümmern“. Ich vermute, dass sie die Hoffnung hegte, ich würde nicht selbst kochen und die vegane Lebensweise deshalb aufgeben. Im Gegenteil habe ich dann aber meine Leidenschaft für das Kochen entdeckt und festgestellt, dass es nicht nur Spaß macht, sondern dass es auch die Leute erreicht. Wenn ich für die Menschen koche, dann erreiche ich sie viel eher, als wenn ich ihnen bloß erzähle, was es alles Leckeres gibt. Denn im Endeffekt geht alles über den Geschmack. Wenn es eine leckere Alternative zu tierischen Produkten gibt, warum sollten die Leute sie nicht zumindest einmal probieren?

Wie ergeht es dir dabei, wenn du diese Mini-Mahlzeiten im „Le petit appétit“ zubereitest, mit dem Wissen, das ist das Wenige, das ein unterernährtes Kind am Tag nur zur Verfügung hat?

Moschinski: Das ist natürlich erschreckend und traurig. Umso wichtiger ist es, dass MISEREOR es einfach mal deutlich auf den Punkt bringt, wie wenig manche Menschen – viel zu viele auf der Welt – haben. Gerade in unserer konsumorientierten Gesellschaft, die jeglichen Bezug und jegliches Bewusstsein für Ernährung, Lebensmittel und den Respekt vor Lebewesen – Mensch wie Tier – verloren hat. Denn neben der guten und wichtigen Arbeit MISEREORs in den Ländern Afrikas oder Südamerikas ist es genauso wichtig, und auch mein Anliegen, die Menschen hier, in Deutschland, zu erreichen und sie zum Umdenken und zu einem bewussten Konsum zu bewegen. Muss es denn das nächste Auto, das nächste Handy sein? Müssen es neue Klamotten sein, nur weil die neue Saison angefangen hat? Müssen wir ständig konsumieren und kaufen, wie es uns die Werbung einreden will? Nein, müssen wir nicht. Denn all das vernichtet Ressourcen, die  ja irgendwo herkommen. Doch das wird viel zu häufig vergessen. Unser Konsum hat deutliche und ganz konkrete Auswirkungen auf die Menschen und Gesellschaften in anderen Regionen der Welt. Und das müssen wir begreifen und dann unser Verhalten anpassen.

Björn Moschinski mit den Mitarbeiterinnen des "Le petit appétit auf der Internationalen Grünen Woche" in Berlin © MISEREOR

Björn Moschinski mit den Mitarbeiterinnen des „Le petit appétit auf der Internationalen Grünen Woche“ in Berlin © MISEREOR

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