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Lisa in Timor Leste

Lisa macht einen Freiwilligendienst in Timor-Leste im Follow-up Programm des CTID, einer Art Ausbildungszentrum für junge Frauen. Das Programm bietet den Absolventinnen Unterstützung dabei an, selbständig arbeiten zu können. Neben der Arbeit wohnt sie im „Loja Liras“ mit drei timoresischen Frauen und ihrer Mitfreiwilligen Leonie. Sie will während der zehn Monate versuchen, möglichst viele zwischenmenschliche „Brücken“ zu bauen und die timoresische Kultur mit zu erleben. Sie freut sich auf die Kontakte, Erlebnisse, freudigen und auch schwierigen Situationen und wird uns davon berichten.

März 2019

Ein Samstagsbericht: „Komm, wir gehen aufs Reisfeld. Wir pflanzen Reis an!“

Heute gibt es einen Bericht über unsere wöchentlichen und unsere einmaligen Samstagsaktivitäten.

Ein typischer Samstag läuft meist so ab:

Nach dem Aufstehen wird erst einmal gründlich das ganze Loja Liras Haus geputzt. Angefangen von Küche, Veranda, Hof, WC, Schlafzimmer und meist auch die eigene Wäsche.
Danach meist ein gemeinsames Frühstück zu fünft. Mal mit Bisanggoreng (Banane in Mehl frittiert), Popcorn, Avocado oder Reis.
Je nachdem auf was Leonie, Mana Izha (unsere Mentorin) und ich so Lust haben gehen wir dann samstags mal an den Strand, mal auf einen Berg, mal Freunde & Familie besuchen, mal zum Schwimmbad, mal zuhause relaxen, etc.

Wir sprechen dies jeweils mit der Direktorin (einer Nonne) des CTID’s ab und können dann tolle Momente erleben.
Am schönsten ist es natürlich, wenn auch Mana Angel und Mana Ajaque (wir wohnen zusammen im Loja Liras) oder andere Freunde mit auf unsere kleinen Ausflüge kommen.
Am späten Nachmittag gehen wir oftmals auf einen großen Markt und lassen zum Schluß den Abend beim langen Abendessen und lustigen Geschichten erzählen, tanzen, Uno spielen, oder, oder, oder ausklingen.
Es ist wirklich toll im Loja Liras zu leben, da wir hier drei tolle Freundinnen gefunden haben, mit denen wir alles teilen und viel Lachen können.
Außerdem lernen wir so ganz viel Kulturelles, wie z.B.kochen, tanzen, kultruelle Begeben- und Besonderheiten, und, und, und…
Ich bin wirklich dankbar dafür!

Hier in Timor-Leste ist es nun mitten in der Regenzeit. Das bedeutet es ist an der Zeit, Reis, dass wichtigste Grundnahrungsmittel hier anzupflanzen. Das Fach Agrikultur wird an unserem Einsatzort, dem CTID unterrichtet. Zum Unterrichtsstoff gehört natürlich neben dem kompostieren, Papaya ernten und Tomaten pflanzen auch das Reis anbauen.

Hier seht ihr die zum Teil schon bepflanzten Reisfelder. Die Landschaft ist einfach so traumhaft schön!

Hier seht ihr die zum Teil schon bepflanzten Reisfelder. Die Landschaft ist einfach so traumhaft schön!

Ein schönes Beispiel für einen Samstag:

Um ca. 6:45 bin ich aufgestanden. Nach den morgendlichen Ritualen wie Zähneputzen, etc. habe ich meine Dreckwäsche in einem großen Kübel eingeweicht. Danach begann ich die Küche zu putzen. Zwischendurch haben wir schnell etwas gefrühstückt.

Leonie und ich wollten an diesem Tag mit den Schülern und ein paar Mitarbeitern des CTID’s lernen wie man Reis anpflanzt. Ab 08:30 hielten wir uns also bereit zum losfahren. Das Reisfeld war im Ort „Geriwai“, ca 30 Minuten entfernt und gehört der Familie der CTID-Englischlehrerin Marry.
Die Mitarbeiter des CTID’s fuhren mit dem Auto zu Marry’s Haus. Die Schüler mit einem grossen Truck, auf dem stehend alle ca. 50 Schuelerinnen Platz haben. Eigentlich wollten wir auch mit dem Truck fahren, aber wie fast jedes Mal wurde uns erläutert, dass das Auto doch viel besser ist. Ja, die hierarchieschen Rangordnungen in Timor-Leste sind in diesen Situationen oft sehr sichtbar. Aus dem Auto raus, wurde kurz Merry’s Familie begrüßt und dann ging es zu einem ca. 45 minutigen Fußmarsch quer durch kleine Flüße, Palmwälder und Maisfelder zu den Reisfeldern. Dort angekommen wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt.
Eine sehr nette Schülerin zeigte mir wie das Reis anpflanzen geht . Es ist wirklich einfach, aber sehr mühsam.

Hier zur Erklärung die Grundbegriffes des Reispflanzen auf Tetum:

  • Hare : Es sieht aus wie große Grashalme mit Wurzeln. Der Reis wächst später am Ende dieser „Grashalme“ und wird, solange er noch nicht geerntet ist „Hare“ genannt.
  • Foos : Noch ungekochter aber schon geernteter Reis.
  • Etu: Reis, der schon fertig gekocht ist. (Ja, im Tetum gibt es drei unterschiedliche Wörter für Reis)
  • Kuda: anpflanzen oder auch aufziehen oder ein Pferd (mehrere Bedeutungen)
  • Natar: Reisfeld oder auch die kleinen Wege zwischen den Reisfeldern
  • Taho: Matsch – in den Reisfeldern Matsch mit viel Wasser
  • Fukit: Die Grashalme aus dem Taho ziehen
Leonie, die gerade “Fukit Hare".  Sie zieht die schon etwas gewachsenen Reispflanzen aus dem „Taho“ (=Matsch).

Leonie, die gerade “Fukit Hare“. Sie zieht die schon etwas gewachsenen Reispflanzen aus dem „Taho“ (=Matsch).

Das erste Feld wurde angepflanzt, indem ein Seil mit kleinen Knoten quer gespannt wurde und wir bei jedem Knoten zwei bis drei „Hare“ in das Taho setzen sollten.
Das wars dann auch schon!

„Kuda Hare“ ist wirklich eine einfache Arbeit. Da die Felder aber sehr groß sind und die Abstände zwischen den „Hares“ klein, eine langwierige Arbeit.
Außerdem wurden ja schon im Vorhinein für uns die Felder vorbereitet (gesäubert, Wasser eingelassen, etc.) und die Hare vorbereitet.
Die Schülerin, die mich darin unterichtete, ist sehr geübt, geschickt und wirklich schnell darin. Ich bekam auch so manches Lob. Andere Schülerinnen die z.B. aus dem Bezirk „Ermera“ kommen, in dem hauptsächlich Kaffee und kein Reis angepflanzt wird, lernten, genau so wie ich, (fast) alles neu.

Danach zeigte mir die Schülerin „fukit Hare“.
Man zieht einfach an den „Grashalmen“. Diese lösen sich leicht aus dem „Taho“. Man muss aber aufpassen, dass die Wurzeln nicht abreißen. Wenn man einen großen Büschel voll hat, wird der Matsch im Wasser etwas ausgewaschen und danach zusammengeknotet.
Dies wird anschließend wieder neu im anderen Feld angepflanzt und dann kann der Reis wachsen.

In dem zweiten Feld wurden die Reishalme ohne das Seil gepflanzt. Jeder schaute selbst auf einen angemessenen Abstand. Das ging dann auch viel schneller.

Um 11 Uhr gab es eine Pause für alle und wir aßen Semmeln, Mais und Jackfruit. Gekocht wurde von einer kleinen Gruppe der Lehrer und Schüler in einem tradtionellen Häuschen neben den Reisfeldern. Nach dem kurzen Ausruhen, spaßigen Unterhaltungen und dem erneuten Auftragen der Sonnencreme ging es wieder aufs Feld.

Die Pausen und spaßigen Unterhaltungen müssen auch sein.Hier seht ihr einige Schüler, Lehrer und die traditionellen Kochstellen.  Zum Mittagessen gab es später natürlich Reis und dazu Kürbis. Sehr lecker.

Die Pausen und spaßigen Unterhaltungen müssen auch sein. Hier seht ihr einige Schüler, Lehrer und die traditionellen Kochstellen.
Zum Mittagessen gab es später natürlich Reis und dazu Kürbis. Sehr lecker.

Beim Reisanpflanzen wurde kaum miteinander geredet. Jeder war auf die Arbeit konzentriert und es wurde immer schneller gepflanzt.

Dann begann es zu regnen und dadurch wurde der „Natar“ sehr rutschig, was mich des Öfteren zu Fall brachte. Einige der Schüler begaben sich schnell zu dem Häuschen um Mittag zu essen. Ich begab mich mit den anderen Schülerinnen in die kleine Schutzhütte auf das Feld.
Hier waren auch ein paar Verwandte von Merry, die sich köstlich über meine Laufkünste amüsierten. Untereinander sprachen sie nur „Makasai“. Das ist eine der vielen Dialektsprachen, die ich nicht verstehe. Als es mir aber übersetzt wurde, konnte ich auch mit lachen.

Nach dem Mittagessen ging es ein letztes Mal aufs Feld und um ca. 15 Uhr zurück zum Auto. Eine Schülerin und dieLandwirtschaftslehrerin hatten an diesem Tag Geburtstag und so wurden sie traditionellerweise noch ein letztes Mal mit viel Matsch und Wasser „geduscht“.
Dieses Mal war ich wirklich froh, mit dem Auto mitfahren zu müssen, denn das viele anpflanzen schaffte einen doch sehr.

Wieder im Loja Liras angekommen konnten wir freudig über unsere neuen Erfahrungen berichten und etwas ausruhen.
Beim Abendessen kam dann auch unsere Mentorin Izha zurück ins Loja Liras. Sie bekam die große Chance an einer weltwärts Partnerkonferenz in Indien teilzunehmen. Mana Izha berichtete wie es für sie war, das allererste Mal in ihrem Leben zu fliegen – und das auch noch alleine, was auf diesem Treffen alles besprochen wurde, was sie alles neues gelernt hatte (hauptsächlich natürlich im Bereich „Mentoring und Zusammenarbeit“) und was Mana Izha in der kurzen Zeit für tolle multikulturelle Freundschaften und Erfahrungen machen konnte. Parabens Mana (=Ich bin stolz auf dich, große Schwester)!

Danach sind wir alle platt ins Bett gefallen.

 

November 2018

Wir feiern “Matebian” während meines Freiwilligendienstes in Timor-Leste

Als am 31.10.2018 meine Freunde in Deutschland auf eine Halloweenparty gingen, sammelten wir in Timor-Leste Blumen.
Als am 01.11.2018 viele Deutsche die Kirche und Gräber zu Allerheiligen besuchten, flochten wir „Katupa“.
Als am 02.11.2018 der Großteil zuhause einen Brückentag genoss, herrschte in Timor-Leste einer der größten Feiertage.

Heute berichte ich über wunderschöne (Feier-)Tage bei Mana Izha’s Familie zuhause. Mana Izha ist unsere Ansprechpartnerin, Mitbewohnerin und Freundin.

Mana Izha, Leonie, Alin Aliba (Alin bedeutet kleine Schwester/ kleiner Bruder) und ich (v.l.n.r.) flechten die Katupas und haben Spaß dabei. Unser Tetum ist nun gut genug, um uns ausgelassen zu unterhalten. Foto: privat

Von 31.10.-04.11.2018 herrschten im CTID, meiner Arbeitstelle, Ferien aufgrund von Matebian. Matebian ist quasi das deutsche Allerseelen. Hierzu trifft sich üblicherweise die gesamte Familie. Daher war das Loja Liras (unserem eigentlichen Wohnort) über diesen Zeitraum leer und Leonie und ich durften unsere Mentorin zu ihr nach Hause begleiten. Izha’s Familie lebt in einem kleinen Dorf – Fatumaca, ca. 45 Minuten von Baucau entfernt. Schon vorher haben wir Fatumaca und die Familie Ximenes ein paar Mal besucht, z.B. um uns im wunderschönen Wasserfall zu erfrischen. Dieses Mal aber blieben wir über Nacht und mehrere Tage.

Am Mittwoch, den 31.10.2018 putzten wir fünf Mitbewohner das Loja Liras gründlich. Danach begaben sich Mana Angel, Mana Ajacke und wir drei uns zu den jeweiligen Familien. 

Die Familie von Mana Izha hat eine kleine Landwirtschaft mit Schweinen, Hühnern und Tauben. Das Haus hat eine Art Wohnzimmer, eine Art Esszimmer und in etwa vier Schlafzimmer. Es hat keinen Putz an den Wänden. Es besteht also aus Ziegelsteinen und Zement, wie die meisten Häuser in Timor-Leste. Die Dusche und das WC sind in einem seperaten kleinen „Hüttchen“. Ebenso die Küche, die zwei Lagerfeuerstellen beinhaltet.

Mana Izha hat neun jüngere Geschwister, die über die Feiertage auch alle anwesend waren. Außerdem zieht die Familie noch zwei Adoptivkinder auf, deren Eltern (Bruder des Vaters und dessen Ehefrau) verstarben. Über die Feiertage waren auch noch eine Cousine und ein Cousin aus Dili zu Gast. Das Haus war also voll und ganz ausgenutzt. Alle betonten, dass dies ganz üblich in Timor und dessen Kultur ist.

Als erstes fragten uns die Kinder, ob wir UNO-Karten dabei haben. Und so wurde das ganze Wochenende in fast jeder freien Minute UNO gespielt. Gegen Nachmittag ging ich mit ein paar Kindern und Jugendlichen zum Blumen (Frangipani) suchen.

Nach einer etwas frischen Nacht mit vielen „Teki-Geräuschen“  (Teki’s sind große Eidechsen) ging es am Donnerstag Morgen zur Kirche. Dort haben wir dann auch wieder Jakob, einen anderen weltwärts-Freiwilligen getroffen. Er lebt und arbeitet in einem Ausbildungszentrum für Technik und werdende Priester. Am Nachmittag zeigten uns Izha und ihre Schwester Aliba, wie man Katupa herstellt. Dies sind traditionell geflochtene Rechtecke aus Palmenblättern, welche später mit Reis befüllt und in Kokosnusswasser und Kurkuma gekocht werden. Sehr lecker.

Katupa: Ein traditionell geflochtenes Rechteck aus Palmenblättern. Katupa wird an Matebian in jeder Familie zubereitet und gegessen. Foto: privat

Am Abend wurde uns um ca. 22:30 Uhr gesagt, wir sollten jetzt ins Bett gehen, da es morgen wieder früh los geht. Wir bestanden aber darauf, bei den Vorbereitungen helfen zu wollen und so versprach man uns, dass man uns frühzeitig weckt. Als Leonie und ich um ca. 1 Uhr aufwachten, war ca. die Hälfte der Familie auf. Die Katupas waren schon fertig gefüllt, das Fleisch fertig zubereitet. Wir konnten nur noch beim Vorbereiten der Blüten helfen.

Nach der kurzen Nacht gab es Freitag Morgen um 5 Uhr dann ein Festtagsfrühstück mit Katupa, Hühnchen, Schwein und Cola, bevor wir auf nach Venilale sind. In Venilale (mit dem Microlet ca. 45 Minuten entfernt) wurde vor ca. sechs Wochen die Oma der Familie beerdigt. Dort besuchten wir die Messe, wobei die mit Blüten gefüllten Körbe geweiht wurden. Danach ging es zum Grab. Die Blüten wurden verteilt und es wurde gebetet.

Das Grab der verstorbenen Oma wurde mit Blumen bestreu und es wurde gebetet. Ähnlich sah es auch bei der Beerdigung aus. Das Grab ist ein Jahr lang mit losen Steinen bedeckt. Nachdem die Beerdigung ein Jahr vergangen ist, werfen alle Familienmitglieder ihre Schwarzen Accessoires in das Grab, es wird mit einer Steinplatte verschlossen und wetterfest gemacht. Foto: privat

Anschliessend waren wir bei verschiedenen Verwandten zum Mittagessen eingeladen. Traditionellerweise gab es natürlich Katupa und Fleisch. Am Nachmittag ging es dann wieder zurück nach Fatumaca. Am Abend besuchte ich dann mit einem Teil der Familie ein anderes Grab im Dorf. Hier traffen wir andere Verwandte der Familie und wir sollten bei ihnen zu Abendessen. Mit Izha’s Onkels und Tanten führte ich interessante Gespräche, über die europäische und timoresische Kultur und Entwicklung. Zwei von ihnen studierten in Portugal und hatten sehr interessante Ansichten. Es wurde auch über Schweinsteiger, Lahm und Toni Kross gesprochen. J Anschliessend fiel ich platt ins Bett.

Am Samstag hieß es dann „Deskansa“ – Ausruhen. Wir spielten UNO, die Kinder wollten Englisch lernen, es regnete ab und an, wir machten Fotos zusammen und tanzten ein bisschen zum Spass. Ich genoss den Tag also ganz entspannt.

Sonntags ging es wieder zur Messe und wir unterhielten uns mit Jakob und einem werdenen Priester. Zum Abschied wurden wir von der gesamten Familie eingeladen an Weihnachten wieder zu kommen. Die Ferien bei Izha’s Familie waren wirklich sehr, sehr schön, lustig, erlebnisreich, …. Ja, ich bin glücklich! Passenderweise prädigte der Priester in der Sonntagsmesse „Loke ita nia fuan – Loke ema nia fuan“, was so viel bedeutet wie: „Öffne dein Herz, öffne die Herzen anderer“, was ich mir schwer zu Herzen nehmen möchte!!

Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich auch unfassbar Dankbar für meine tolle Familie in Deutschland bin. Liebe Grüsse an dieser Stelle, an alle.

 

September 2018

Wundervolle Tage beim Sprachkurs in Dili-Timor-Leste mit unzählig vielen „Fettnäpfchen“

Glücklicherweise konnten wir auch ohne gute Tetum-Sprachkenntnisse zauberhafte Menschen kennenlernen und erste Freundschaften schließen.

Glücklicherweise konnten wir auch ohne gute Tetum-Sprachkenntnisse zauberhafte Menschen kennenlernen und erste Freundschaften schließen. Foto: privat

Warum ist es gut, deutsche Kirchenlieder auswendig zu können? Warum soll ich mich zum Abendessen übermassig schick anziehen? Warum $10 fürs Microlet bezahlen, wenn es eigentlich doch nur $0,25 kostet?

Wir kamen ja am 02.08.2018 in Timor Leste an. Nach einer kurzen Orientierungsphase fuhren wir am 12.08.18 von Baucau – wo wir eigentlich leben und arbeiten – wieder nach Dili. Dort besuchten wir für zwei Wochen einen sehr guten und lustigen Tetum-Sprachkurs. In dieser Zeit konnten wir bei Canossaschwestern wohnen.

Hier war auch ein Internat zugehörig, in dem Schülerinnen der Uni oder der Highschool leben. Nachdem wir ein paar Sachen in der Hauptstadt erledigten – beispielsweise Leonies zu spät angekommenes Gepäckstück am Flughafen abholen, Tais-Markt, etc. – sind wir also zu „Canossa Cristal“ gefahren. Hier bekamen wir ein wunderschönes Zimmer und die Möglichkeit mit wundervollen, herzlichen und freundlichen Menschen in Kontakt zu treten. Madre Guilermina beanstandete gleich zu Beginn in einem strengen aber freundlichen Ton, dass ich größer und breiter bin als sie, was in Timor eine Art Statuszeichen ist. Natürlich war hier dann auch erwünscht jeden Morgen die Kirche zu besuchen.

Das Programm am ersten Abend

Wir redeten mit 3 Schülerinnen, als auf einmal alle zu singen begannen und fünf italienische Frauen mit drei timoresischen Priestern begrüßt wurden. Wir reihten uns hinter dem Chor aus Nonnen und Mädchen ein und klatschten unauffällig mit. Die Besucher haben als Willkommensgeschenk „Tais“ umgehangen bekommen – das ist ein traditioneller, handgewebter Stoff. Diesen gibt es in allen möglichen Formen und Farben, meist für Dekorationszwecke und eben als Geschenk.
Dann wurden wir auch schleunigst nach vorne gezogen, damit man uns auch willkommen heißen kann. Danach gab es von jedem zwei Küsschen bzw. manche führten sogar meine Hand an ihre Stirn – ein Zeichen des Respekts, vor allem bei Nonnen. Diese Aufmerksamkeit ist und war uns nicht wohl.

Danach ging es zum Abendessen in einen festlich geschmückten Raum. Leonie und ich wollten eigentlich lieber mit unseren Gleichaltrigen zu Abend essen. Aber daraus wurde nichts. Schließlich sollte auch ein Austausch zwischen Gästen aus Italien, Deutschen und Geistlichen aus Timor stattfinden. Alle Gäste waren sehr schick angezogen. Wir eher so mäßig. Wir waren einfach nicht auf so etwas vorbereitet. Wir fühlten uns echt unwohl. Zum Schluss wurden Kirchenlieder auf Tetum und italienisch gesungen. Letzten Endes sollten wir auch eins auf deutsch singen. Was wir natürlich meistern konnten 🙂

Die „legendäre“ Microlet-Fahrt

Am nächsten Tag ging es zum Sprachkurs. Auf dem Nachhauseweg haben Leonie und ich verpasst auszusteigen, weil wir den Eingang zu unserer Unterkunft nicht gesehen haben. Das war schlichtweg blöd von uns. Naja, dann fuhren wir so lange bis wir wieder an der Sprachschule ankamen. Der Fahrer fragte uns, wo wir hin wollen, woraufhin wir antworteten „Canossa“. Allerdings gibt es in Dili mehrere Einrichtungen der Canossaschwestern. Der Herr war super nett und hilfsbereit und fuhr uns also zu einer Schule, die von Canossaschwestern geführt wird und nicht auf seiner eigentlichen Route liegt. Nach mindestens zwei Stunden kamen wir dann endlich richtig an.

Ein "Microlet" ist ein Kleinbus.

Ein „Microlet“ ist ein Kleinbus. Eine Fahrt kostet 25 Cent. Foto: privat

Der Microlet-Fahrer wollte dafür $10, was wir ihm auch gaben. Uns war natürlich bewusst, dass das viel, viel zu viel war, aber wir waren froh und dankbar endlich zuhause zu sein. Natürlich kam genau in dem Moment als ich zahlte eine Nonne vorbei und so war diese Geschichte DAS Gesprächsthema Nr. 1 an den folgenden Tagen und zwar bei allen. Aber eigentlich machten sie sich ja nur Sorgen.

Außerhalb des Sprachkurses:

Schließlich hatten wir eine wunder-wunderschöne Zeit in Dili. Wir konnten sowohl mit den Schwestern als auch mit den Mädchen viel in Kontakt treten, „Brückenbauen“, lernen, erfahren, etc. Am Nachmittag konnten wir das machen, worauf wir Lust hatten und so gingen wir mal zu Kristo Rei, mal ins Timor Plaza oder einfach mal lernen, schlafen, kochen, reden… Schlussendlich hatten wir feuchte Augen als wir wieder nach Baucau sollten.
Aber dort ist es  ja auch sehr schön 🙂

Autor:

Lisa Schrom

Lisa macht ihren Freiwilligendienst in Timor-Leste in einem Ausbildunsgzentrum für junge Frauen und wohnt mit drei timoresischen Frauen und ihrer Mitfreiwilligen Leonie zusammen. Sie will während der zehn Monate versuchen, möglichst viele zwischenmenschliche Brücken zu bauen und die timoresische Kultur zu erleben. Hier berichtet sie von Kontakten, Erlebnissen, freudigen und auch schwierigen Situationen.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Lisa,
    Es freut mich, dass es dir so gut gefällt.
    Aber ich freue mich auch schon wenn du wieder kommst und wir wieder mit dir zusammen spielen können.
    Ich hoffe du hast auch noch weiterhin viel Spaß.
    Bis bald und viel Glück deine Lea.

  2. Hallo Lisa,
    es freut uns, dass du so viele nette Menschen kennen lernen darfst.
    Wir sind sehr stolz auf dich.

    Denk an die Muschel!!!

  3. Hi Lisa ich halte deine alten Arbeitskollegen und Klienten auf dem laufendem und Drucke deinen Block immer aus.
    Gruß vom Georgshof deinen Carina

  4. Liebe Lisa,
    wie wunderschön, deinen Bericht zu lesen! Ich wünsche euch eine wunderschöne und erlebnisreiche Zeit mit all den wundervollen Menschen um euch herum!
    Liebe Grüße
    Lina (eine ehemalige CTID-Freiwillige)

  5. Hey Lisa, wir sind alle mega stolz auf dich. Wir hoffen, dass du auch noch weiterhin so viel Spaß hast und du noch viele tolle Erfahrungen sammeln kannst.
    Deine Spechts

  6. Liebe Lisa,
    wir wünschen dir weiterhin viele tolle Begegnungen mit vielen netten Menschen.
    Deine heitere Art wird dich auch in schwierigen Situationen nicht im Stich lassen.
    Wir sehen in deinem Gesicht eine glückliche, zufriedene Lisa.
    Alles gute bis zum nächsten Mal
    Wir sind stolz auf dich
    Deine Tronsberg’s
    Viele Bekannte von uns erkundigen sich immer wieder über dich

  7. Hey Lisa ❤️
    Du hast es ja super schön
    machs gut
    Viele Grüße

  8. bin mega stolz auf dich, Cousinchen! :-*

  9. Liebe Lisa,
    herrlich. Ich musste echt ein paar Male seeeehr schmunzeln. Ihr habt aber auch wirklich so ziemlich alle kulturellen Stolpersteine innerhalb von zwei Wochen abgehakt ;-))) Kann jetzt also nur besser werden!
    Viel Spaß in Baucau und liebe Grüße aus Aachen!
    Uta (früher im Team des FWD …)

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