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Menschenrechtsanwalt Iván Velásquez erhält Alternativen Nobelpreis

Iván Velásquez (Kolumbien) ist heute gemeinsam mit Thelma Aldana (Guatemala) mit dem Ehrenpreis des Alternativen Nobelpreises ausgezeichnet worden. Mit dem Preis werden die beiden Juristen in ihrem Kampf gegen Machtmissbrauch und Korruption in Guatemala ausgezeichnet. Es gelang ihnen, in Guatemala  über 60 kriminelle Strukturen zu identifizieren, mehr als 310 Verurteilungen zu erwirken und 34 Gesetzesreformen auf den Weg zu bringen.  Die Preisverleihung findet am 23. November in Stockholm statt. MISEREOR begrüßt die Auszeichnung, die auch viele Partnerorganisationen in ihrer Arbeit gegen Korruption und Straflosigkeit ermutigt und bestätigt. In einem kurzen Interview mit MISEREOR berichtet der Leiter der internationalen Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala (CICIG), was ihn in seiner Arbeit antreibt und welche Hoffnungen er für die Zukunft hat.

Iván Velásquez ermittelte in seiner fast 30-jährigen Karriere als Anwalt zu Menschenrechtsverletzungen wie Folter, extralegalen Hinrichtungen und Verbrechen an der Zivilgesellschaft.

Iván Velásquez, Leiter der CICIG, ermittelte in seiner fast 30-jährigen Karriere als Anwalt zu Menschenrechtsverletzungen wie Folter, extralegalen Hinrichtungen und Verbrechen an der Zivilgesellschaft.

Herr Velásquez, was motiviert Sie in Ihrer täglichen Arbeit?

Iván Velásquez: In meinem gesamten beruflichen und persönlichen Leben sind der Kampf um Wahrheit, der Kampf gegen Straflosigkeit immer eine feste Größe gewesen. Der überzeugte Glaube an Gerechtigkeit ist das, was mich antreibt.

Welche Erfahrungen, welche Ereignisse in Ihrer Arbeit haben Sie ganz besonders geprägt?

Iván Velásquez: Was mir für den Rest meines Lebens im Gedächtnis bleiben wird, sind die Samstagsdemonstrationen in Guatemala nach dem 16. April 2015, denn sie symbolisieren das Wiederaufkeimen von Hoffnung in einer Bevölkerung, die fast schon resigniert hatte. Die Menschen hatten sich mit dieser Machtlosigkeit abgefunden, die sie auf so vielfältige Weise erfahren haben: Wozu sich engagieren, wenn sich nie etwas ändert? Als jedoch im April 2015 die Demonstrationen begannen, fingen die Menschen an zu glauben, dass man sehr wohl etwas tun konnte, um die Dinge zu ändern. Diese Begeisterung, dieser Optimismus waren für mich von sehr, sehr großer Bedeutung.

Welche Zukunftsvision, welche Hoffnung haben Sie für Ihre Arbeit?

Iván Velásquez: Ich habe stets betont, dass der Kampf gegen die Korruption nicht für sich allein steht; es geht darum, dass bessere materielle Lebensbedingungen für die Menschen erreicht werden. Korruption bringt Tod mit sich, Unterernährung, mangelnde Gesundheitsversorgung, fehlende Bildung. Der Kampf gegen Korruption muss mit dem Streben einer jeden Gesellschaft einhergehen, gerechter zu werden, fairer, demokratischer. Dann ist der Kampf gegen die Straflosigkeit allgemein und insbesondere gegen die Korruption gerechtfertigt. Denn dann besteht auch eine Hoffnung für die Menschen, eines Tages unter anderen Bedingungen leben zu können als unter denen, unter denen sie heute zu leiden haben.

Das Interview führte Susanne Breuer

Zur Person:

Iván Velásquez, geboren in Medellín, Kolumbien, ist seit 2013 Vorsitzender der CICIG. In seiner fast 30-jährigen Karriere als Anwalt ermittelte er zu Menschenrechtsverletzungen wie Folter, extralegalen Hinrichtungen und Verbrechen an der Zivilgesellschaft. Als Regionalstaatsanwalt in Medellín machte er sich von 1995 bis 1997 einen Namen im Kampf gegen paramilitärische Gruppen. Von 2006 bis 2012 war er Vorsitzender einer investigativen Kommission der kolumbianischen Strafkammer und legte Verbindungen von Mitgliedern des Kongresses zu Paramilitärs und organisierter Kriminalität offen. Für seine Arbeit erhielt er 2012 den Menschenrechtspreis des Deutschen Richterbundes. 2011 wurde er mit dem Preis für Menschenrechte der International Bar Association (IBA) ausgezeichnet. Seit seiner erfolgreichen Ermittlungsarbeit zu den Verstrickungen von Politikern in die Aktivitäten der Paramilitärs in Kolumbien besteht eine vertrauensvolle Verbindung zwischen Velásquez und MISEREOR. Noch im Juni 2018 war er auf Einladung von MISEREOR in Deutschland, um über seine Arbeit zu berichten.


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Menschenrechtspreis des Deutschen Richterbundes für Dr. Iván Velásquez Gómez

Autor:

Susanne Breuer

Susanne Breuer ist Fachreferentin für Energie und Lateinamerika bei MISEREOR.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Gute Interview. Herzlichen Glūckwūnscht an Herrn Ivan Velásquez . Er hat den alternativen Nobelpreis verdient. Un gran orgullo para los colombianos que luchan por los derechos humanos. Danke Susanne Breuer

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