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Mein Freiwilligendienst in Malawi

Nadja macht ihren Freiwilligendienst in Malawi, genauer in der St. Mary‘s Girls Secondary School in Karonga. Die 24-jährige betreut dort den Computerraum der Schule, gibt Computerstunden und hilft auch so beim Unterrichten mit. Nach ihrem Lehramtsstudium in Deutschland, welches sie im April abgeschlossen hat, bietet dieser Freiwilligendienst eine wunderbare Chance, in das Schulleben eines anderen Landes einzutauchen. In diesem Blog erfahrt ihr, was Nadja während ihrer Zeit in Malawi erlebt und wie sie die neue Kultur, die Menschen und einfach das Leben dort kennenlernt.

12.November

“Ich will jetzt duschen.“
„Ja, duschen wär geil.“
„Nein duschen wär nicht geil, duschen wär einfach nur bitter nötig.“

Vita cum Aqua – Vita sine aqua

Es ist Samstag 12.50 Uhr. Luna und ich sitzen nach dem Mittagessen an unserem Tisch und führen diese Konversation. Ihr fragt euch vielleicht, warum wir nur übers Duschen reden, anstatt einfach duschen zu gehen. Tja, das ist die unverklärte Realität (an dieser Stelle schöne Grüße an unseren lieben Malawi-Länderreferenten 🙂 ) unseres Lebens hier. Die Wassersituation, die ich in meinem dritten Blog bereits angedeutet habe, ist leider noch etwas dramatischer geworden. Tagsüber haben wir so gut wie nie fließendes Wasser in unserem Haus. Am Wochenende ist es besonders häufig, da die Schülerinnen morgens ihre Hostels reinigen und ihre Wäsche waschen, sodass kein Wasser für uns übrigbleibt. Wir sind nämlich das letzte Haus, das an der Wasserleitung angeschlossen ist. Hinzu kommt, dass unser Haus ca. einen Meter höher liegt als die anderen. Zu blöd, dass wir unter der Woche keine Zeit haben, unseren Haushalt komplett auf die Reihe zu bekommen, sodass wir jeden Samstag vor demselben Problem stehen: Ein Wäscheberg + schmutziges Geschirr + kein Wasser.

Mittlerweile bekommen wir das Leben hier mit dem Wasserproblem aber schon einigermaßen geregelt. Wir haben zwei Eimer, einer davon mit einem integrierten Wasserhahn. Zusätzlich haben wir auch zwei Wannen und eine kleine Karaffe zum Schöpfen. Der Brunnen, an dem wir Wasser pumpen können, ist zum Glück nicht weit weg von unserem Haus.

Wassereimer

Unsere Eimerfamilie: Blau ist ganz frisch. Grün ist eher Reserve: Für Geschirr, zum Duschen, zum Waschen,… Das Wannenwasser ist meistens das am längsten gestandene Wasser. Das nehmen wir dann nur noch für die Klospülung. Foto: privat

Duschen können wir aber zum Glück auch immer bei unserem Wasser-Engel Hendrix, ein Kollege und Freund, der in unserer Nachbarschaft wohnt. Glücklicherweise ist sein Haus an einer anderen Wasserleitung angeschlossen, weshalb er immer Wasser hat. Seine Tür steht immer für uns offen. Und falls er mal nicht da ist, tut es schließlich auch die Eimerdusche.

Die Schülerinnen haben diese „Auswärtsduschmöglichkeit“ natürlich nicht. Sie sind an die Eimerdusche gewöhnt. Die Mädels tragen diese Wasserhürde sehr tapfer. Im wahrsten Sinne des Wortes… sie tragen regelmäßig ihre Wassereimer quer über den Campus. Und das während ihres straffen Tagesprogramms, welches sowieso wenig Zeit für Pausen und Erholung zulässt.

Es ist teilweise wirklich anstrengend und dann schimpfen wir sehr darüber. Wäre ja auch komisch, wenn nicht. Aber meistens nehmen wir die ganze Angelegenheit nur noch mit Humor und lachen uns gegenseitig aus, wenn sich einer von uns mal wieder beim Essen vollkleckert und somit ein schmutziges Kleidungsstück mehr hat. Dieses Wasserproblem ist kein Grund für mich, das Leben hier schlecht zu finden. Das Haus, der Campus, all das ist mein Zuhause, in dem ich mich wohlfühle. Nichtsdestotrotz ist es wirklich eine ernste Angelegenheit und der Zustand ist eigentlich auf Dauer für die Schülerinnen nicht tragbar. Mir kommt es aber leider ein bisschen so vor, als würde das Problem als nicht so dringlich angesehen. Ich weiß nicht genau, woran es hapert, ob es an fehlenden Ersatzteilen für die Wasserpumpe liegt, ob es an fehlenden Experten liegt, die die Pumpe reparieren können… Aber ich hoffe für die Schülerinnen und auch für uns, dass es bald eine Verbesserung gibt.

Malawi – Land der Gentlewomen

Es herrscht ein starkes Gemeinschaftsgefühl hier auf dem Campus. Wir sind schon irgendwie eine Familie. Es ist hier wie in einem großen Feriencamp. Wir sind jeden Tag alle zusammen, die Türen stehen für jeden offen. Das Wort, das am besten zu meiner Zeit hier passt ist: Sharing. We share everything. Auch Wasser.
Unsere direkten Nachbarn haben dasselbe Wasserproblem. Hinzu kommt, dass sie eine 6-köpfige Familie sind. Das ist schon irre, wie die Familie das geregelt bekommt. Der Papa ist Lehrer an der Schule, die Mama ist Hausfrau…und was für eine! Sie schafft es, dass ihre Eimer stets aufgefüllt sind, ohne zur Pumpe zu gehen. Sie haben eine große Tonne, in der sie stets Wasser auf Reserve haben. Liebevoll bringt sie oder ihre Tochter uns einen Eimer Wasser vorbei, wenn sie merken, dass wir schon wieder „leer“ sind. Dieses Wasser ist für uns dann zwar zum Trinken und Kochen nicht mehr frisch genug. Hat uns jedoch trotzdem schon einige Male den Gang zur Wasserpumpe erspart.

An der Wasserpumpe: Das Wasserpumpen ist echtes Fitnesstraining. Man muss das Beste draus machen und einfach versuchen Spaß dabei zu haben. Foto: privat

Wenn wir dann doch mal wieder zur Pumpe gehen müssen, passiert es oft, dass sich Malawi als Land der Gentlefrauen entpuppt. Die Wasserpumpe geht wirklich schwer, das Pumpen ist richtig hartes Training. Es ist uns schon einige Male passiert, dass uns eine Frau ohne Zögern wie selbstverständlich die Arbeit abnimmt und unseren Eimer voll mit Wasser pumpt. Auch beim Heimtragen helfen häufig Frauen. Was man von den meisten Männern hier tatsächlich nicht erwarten kann.

Ein Hoch auf uns Frauen! Wir sind einfach toll!
Bis bald,
Nadja

 

26. Oktober 2018

„Many people here think, that all white people are like Bill Gates.“

Dieser Satz stammt von einem unserer Bekannten hier in Malawi. Er selbst ist ein gebildeter junger Mann, der häufigen Kontakt mit Europäern und Amerikanern hat. Er schmunzelt, als er uns dies erzählt.

Ich bin genauso weit weit davon entfernt, wie Bill Gates zu sein, wie die meisten Malawier, wie die meisten Deutschen, wie die meisten Amerikaner, wie die meisten Menschen auf dieser Welt. Ist ja klar, denn Bill Gates ist eben Bill Gates. Das einzige, was ich mit Bill Gates vermeintlich gemeinsam habe: Die Hautfarbe. Aber nur vermeintlich. Ich würde meinen, dass meine Haut mittlerweile etwas brauner ist als die von Bill Gates 🙂 .
Ich möchte mit dieser Einleitung deutlich machen, was es für manche Leute hier bedeutet, wenn sie einen hellhäutigen Menschen sehen. Sie verknüpfen unseren Anblick mit dem Lebensstandard aus Amerika, Europa,… den sie aus den Medien mitbekommen.
Wie würdest du reagieren, wenn Bill Gates an dir vorbeiläuft?

Watch out, the Muzungus are coming

Jedes Mal wenn Luna und ich mit unseren Fahrrädern in die Stadt fahren, passiert es uns mindestens drei Mal, dass uns Kinder vom Wegrand begeistert zujubeln und „Muzungu“ rufen. Das ist Tumbuka und heißt: „Weißer.“ Sie freuen sich, uns zu sehen. Einfach, weil sie so selten hellhäutige Menschen sehen. Es ist etwas Besonderes für sie und sie sind glücklich und aufgeregt.
Am allertollsten war eine Gruppe von Kindern, die am Wegrand standen und im Chor rhythmisch „Mu-zu-ngu! Mu-zu-ngu!“ riefen und dabei auf und ab sprangen. Wie ein Fanclub. Wir fühlten uns wie die größten Stars. Ignorieren können wir diese Rufe nicht. Die Kinder freuen sich über alle Maßen, wenn wir ihnen lächelnd zurückwinken. So einfach kann man sich gegenseitig glücklich machen.

Spontanes Fussballspiel mit ein paar Kids am Strand. Foto: privat

Manchmal sprechen uns auch Erwachsene Menschen mit Muzungu an. Das ist eine andere Situation, denn sie nutzen das Wort dann nicht als Ausdruck von Freude, sondern schlicht als Anrede.
Beide Situationen im Kontext Hautfarbe in Deutschland so nicht vorstellbar.
Die erste Situation kann man sich in einer Variation vorstellen… zum Beispiel, wenn er Star (z.B. Bill Gates haha) durch die Stadt läuft und Menschen ein Autogramm oder Foto von ihm haben wollen.
Die zweite? Eine andere Person mit „Hey, Weißer!“ oder „Hey, Schwarzer!“ oder „Hey, Deutscher!“, „Hey, Afrikaner!“…Whatever. Unvorstellbar.

Wir wurde von einigen Freunden gefragt, ob uns das stört, wenn wir Muzungu genannt werden. Wir antworten dann immer: „Es kommt drauf an“.
Wenn ich in einem Minibus sitze und der Fahrer zu einem neueinsteigenden Fahrgast sagt, „Setz dich neben die Weiße!“, ist das schon etwas unangenehm. Aber von Rassismus kann ich trotzdem nicht so richtig sprechen. Weil die Person, die es sagt grundsätzlich keine abwertende Haltung mir gegenüber einnimmt…. Glaube ich zumindest. Es ist einfach nur eine Bezeichnung. Manchmal, wenn uns in der Stadt jemand anspricht mit „Hey Muzungu, how are you?“, dann antworten wir „I am fine thank you, but my name is not Muzungu, I am Nadja.“

Computerunterricht an der St. Mary´s

Mittlerweile läuft der Schulalltag an unserer geliebten St. Mary‘s Schule wunderbar vor sich hin. Luna und ich haben beide unseren jeweiligen Stundenplan voll mit Sportstunden und Computerstunden.
Die Computerstunden sind immer wieder eine Herausforderung, da viele von den Mädchen wirklich überhaupt nicht vertraut sind, mit einem Computer umzugehen. So braucht es zum Beispiel eine ganze Stunde, um den Schülerinnen zu zeigen, wie sie die Maus richtig in die Hand nehmen und den Cursor bewegen. Wir machen aber große Fortschritte, mittlerweile können die meisten einen Ordner anlegen und Dokumente darin abspeichern. Bei den Computerstunden merke ich immer wieder selbst, wie faszinierend die Technik doch ist und welche Entwicklungen der technische Fortschritt in der Gesellschaft mit sich bringt…vor allem in einem Land wie Malawi. Es eröffnen sich einfach Welten… Die Mädchen bekommen einen Zugang zur Außenwelt. Das hört sich komisch an, ist aber so. Sie sind bis zu den nächsten Ferien an Weihnachten durchgehend auf diesem Campus, haben keine Handys oder sonstige Medien, außer der malawischen Zeitung. Durch die Computer und vor allem die Digital Library können sie ihren Horizont erweitern.
Wir sind nach den Computerstunden immer sehr zufrieden, weil wir sicher sein können, dass die Mädels etwas gelernt haben, dass ihnen in ihrem weiteren Leben viel bringen wird. Solche Basic Computer Skills sind für das spätere Berufsleben der Mädels extrem wertvoll.

Neu- und wissbegierig: Schülerinnen an der St. Mary’s erkunden den Computer. Foto: privat

Foto: privat

Völkerball in Malawi

In den Sportstunden haben wir immer viel Spaß. Letzte Woche haben wir den Mädchen Völkerball gezeigt. Sie sind total begeistert und haben ziemlich viel Talent dafür. Voller Enthusiasmus werfen sie sich gegenseitig ab… Ohne Gnade 🙂 . Das ist immer eine Gaudi. Auf Englisch heißt das Spiel „International Ball“. Wie passend. Es ist ein Spiel, dass man mit allen Menschen auf der Welt ohne viel Material und Erklärungen spielen kann. Und jetzt haben wir dieses Spiel nach Malawi gebracht. Ohne großen materiellen Aufwand, einfach nur dadurch, dass wir hier sind, uns die Menschen hier wichtig sind und sie an uns (genauso wie wir an ihnen) interessiert sind. Ich finde, genau das spiegelt den unglaublichen Wert eines Freiwilligendienstes wider. Es ist oft nicht viel nötig, um etwas ganz Großes zu erreichen.

Die Mädels an der St. Mary’s spielen International Ball. Foto: privat

Zeit für ein Selfie muss bei unserem straffen Tagesprogramm trotzdem sein :). Foto: privat


24. September 2018

„We are a team. Like a vehicle. The wheels, the engine, the brakes… Let´s run the vehicle together.”

Mit diesen Worten begrüßte und motivierte der stellvertretende Schulleiter das Kollegium zu Beginn des neuen Schuljahres. Eine tolle Rede war das.
Ja… letzte Woche am Montag hat die Schule hier Malawi begonnen.  Wir haben viel zu tun. Deswegen kommt dieser Blogeintrag auch erst zwei Wochen nach Schulstart.

Der Beginn startet mit einem Abschied

Der bisherige Konrektor der Schule hat eine neue Stelle als Schulleiter angeboten bekommen. Nach einigen Tagen voller wilder Spekulationen, wurde sein Abschied verkündet. Das war ziemlich traurig für uns, da wir in den letzten Wochen sehr viel mit ihm zusammengearbeitet und unternommen haben. Er ist ein richtig wichtiger Ansprechpartner für uns geworden, mit dem die Kommunikation hier am aller besten funktioniert hat. Um es auf den Punkt zu bringen: Er hat uns stets verstanden, auch wenn wir nicht immer die richtigen Englischvokabeln parat hatten. Und er hat uns in unserer „deutschen“ Denkweise verstanden. Zum Beispiel gab er uns immer ganz genau Auskunft, wann und wo ein Meeting stattfindet. Informationen, die man hier nicht so selbstverständlich bekommt. Mit ihm haben wir auch unsere Fahrräder gekauft.

Es war wirklich ein trauriger Abschied. Seine neue Schule und damit auch Lebensstätte ist ca. 1,5 Auto-Stunden von uns entfernt. Wir wollen ihn auf jeden Fall besuchen. Wer hätte gedacht, dass nach 7 Wochen schon ein Abschied stattfindet, der uns so  nahe geht.

Aber… schließt sich eine Tür, geht eine neue auf. Der neue stellvertretende Schulleiter ist ein super netter und enthusiastischer Lehrer, wie ihr an dem obigen Zitat merken könnt.

Der Alltag an der St. Mary´s

Der Schulalltag hier ist sehr durchgetaktet und straff. Luna und ich betreuen den Computerraum an der Schule und haben die ersten beiden Schulwochen damit verbracht, uns zu überlegen, wie wir all das digitale Material, welches in der Digital Library zur Verfügung steht, sowohl für die Kollegen als auch für die Schülerinnen zugänglich machen können.

Ein normaler Arbeitstag sieht nun wie folgt für uns aus:

Wecker ca. um 5.50. Wenn wir duschen wollen, müssen wir noch etwas früher aufstehen, da es sonst passieren kann, dass der Wassertank leer ist, da die Mädchen natürlich auch duschen wollen. Im Moment ist nämlich eine der beiden Wasserpumpen hier auf dem Campus kaputt. So müssen wir immer gut kalkulieren, wann die beste Zeit ist, um fließendes Wasser genießen zu können. Mir ist es erst am Dienstag passiert, dass ich ganz normal Zähne putzen konnte und dann fünf Minuten später ohne einen Tropfen Wasser etwas frustriert unter der Dusche stand. Aber ich nehme es mit Humor.

Um 7 Uhr schließlich beginnt hier der Unterricht und auch wir fangen das Arbeiten an. Und zwar in dem von uns geliebten Computerraum, den ihr auf diesem Bild sehen könnt.

Computerraum an der St. Mary´s. Foto: privat

Im Computerraum sitzt dann meistens schon Kenneth der Library-Assistance der Schule. Er begrüßt uns stets mit einem strahlenden Lachen. Was für ein wunderschöner Start in den Tag.

Von links: Ich, Kenneth und Luna. Foto: privat

Wir sind schon richtige Freunde geworden. Er ist super interessiert an allem, was mit Computern zu tun hat. Wir lehren ihn verschiedene basale Computer Skills. Zum Beispiel wie man einen Ordner erstellt, Dokumente darin abspeichert und wie man einen Scanner bedient. Ein Zitat von ihm: „It´s all about copying and pasting.“ Damit bringt er das Wesentliche auf den Punkt. Er ist total begeistert bei der Sache und lernt super schnell. Er steckt uns jedes Mal mit seiner Motivation an. Er ließ uns spüren, dass das stundenlange Büchereinscannen, das uns irgendwann doch ziemlich auf die Nerven ging, gar keine so stupide und selbstverständliche Aufgabe ist, wie es sich für uns nach einiger Zeit angefühlt hat.

Im Computerraum scannen wir also Materialien und bereiten unsere Computerstunden vor. Die anderen Lehrer schauen in ihren Freistunden vorbei und wir führen sie in die Nutzung und die Vorteile von Computern und digitalen Medien ein. Gemeinsam überlegen wir dann, ob und wie der Unterricht durch digitale Medien sinnvoll ergänzt werden kann. Das macht mir natürlich super viel Spaß, da ich es einfach liebe, Unterricht zu planen und dabei verschiedene, auch „moderne“ Möglichkeiten einzubeziehen.

Von 9.40 bis 10.10 gibt es eine kleine Konferenz mit allen Lehrern im Lehrerzimmer. Dieses Treffen wird „Cocuss“ genannt. Ich habe dieses Wort vorher noch nie gehört. Aber mir gefällt es. Die Schulleiterin macht einige Ankündigungen darüber, was am Tag noch so ansteht und gibt sonstige Informationen. Mittlerweile haben wir die Erfahrung gemacht, dass manche Dinge etwas zerredet werden und so grinsen Luna und ich uns des Öfteren an, wenn mal wieder ewig um eigentlich banale Dinge diskutiert wird. Außerdem hat jeder Lehrer die Möglichkeit, Mitteilungen zu machen und Dinge zu klären, die ihm auf dem Herzen liegen. Es ist also einfach Zeit für einen gemeinsamen Austausch. Dabei gibt es stets Instantkaffee, Tee und frittierte Kochbananen. Was ich total schön und besonders dabei finde ist: Das Essen und die Getränke stehen zwar bereit, allerdingst geht niemand einfach so hin und bedient sich. Sobald die meisten Lehrer eingetrudelt sind, spricht eine Person (immer unterschiedlich) ein kurzes Dankesgebet. Danach starten alle gemeinsam, die Snacks zu genießen.

Nach der Pause ist vor der Pause 🙂 . Um 12.10 Uhr ziehen wir uns in unser Haus zurück und kochen Mittagessen. Um ca. 13.30 Uhr gehen wir dann wieder zu unserer Arbeitsstätte. Meistens so bis 15.00Uhr. Am Dienstag und Donnerstag haben die Mädels von 16-17 Uhr ein Sportprogramm, das wir mitbetreuen. Schließlich finden von Montag bis Freitag abends auch noch von 18-19 und von 19-20 Uhr die Computer Lessons statt. Jeweils eine Stunde pro Woche für jede Klasse.

Ihr merkt, es ist ein voller Tag. Für uns… und für die Mädels. Wir haben uns vorgenommen, den Mädchen in den Computerstunden viel Zeit zum Selbstentdecken und zum eigenständigen Recherchieren zu geben. Schließlich braucht man als junges Mädchen auch einfach mal die Möglichkeit, sich über Themen fern ab von jeglichem Unterrichtsstoff auszutauschen.

Luna hatte diese Woche noch eine besondere Aufgabe, sie war Teacher on Duty. Hier berichtet sie von dieser Erfahrung:
The Teacher on Duty zu sein, bedeutet, eine Woche lang Aufsicht zu haben, während die Schülerinnen selbstständig in ihren Klassenzimmern sitzen, um Unterrichtsstoff zu wiederholen und um zu lernen. Abgekürzt wird das Ganze mit TOD… wie passend. Diese Prep-lessons finden nämlich von 4 bis 5 Uhr morgens statt und abends von 6 bis 8 und so entging ich letzte Woche nur knapp dem Tod durch Schlafmangel. Nein, so schlimm war´s dann auch wieder nicht. Trotzdem ist diese Zeit am Morgen einfach viel zu früh und unserer Meinung nach auch nicht sinnvoll.  Aber auf alle Fälle war es eine interessante Erfahrung, um halb vier bei völliger Dunkelheit aufzustehen, aus dem Haus zu gehen und einige der 450 Mädchen, die alle aus ihren Hostels kommen, mit einem “Good morning!“ zu begrüßen, obwohl doch “Good night!“ viel passender wäre. Die Schülerinnen scheinen tatsächlich daran gewöhnt zu sein. Zumindest sitzen sie ohne einen Mucks in ihren Klassenzimmern und scheinen größtenteils auch wirklich zu lernen.

Bald habe ich auch das Vergnügen. Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich freue mich drauf. Aber ich bin auf jeden Fall gespannt.

Achso… ab dieser Woche unterrichten Luna und ich auch noch Physical Education, also Sport. Das haben die Schülerinnen unabhängig vom Sportprogramm am Nachmittag offiziell im Stundenplan. Die Sportstunden für alle neun Klassen sind Montags und Freitags. An diesen Tagen findet man uns dann natürlich nicht im Computerraum, sondern auf dem Sportplatz.

Burnout gibt´s nicht

Campus der Saint Mary´s. Foto: privat

Die Aula mit der lesenden St. Mary Statute. Foto: privat

Ja es ist schon ein tolles Leben hier auf dem Campus der St. Mary´s. Wir leben alle zusammen, arbeiten zusammen, machen Pause zusammen, verbringen auch Freizeit miteinander. Im Lehrerzimmer steht zum Beispiel ein Fernseher, sodass man sich dort abends auch mal zum Fußballschauen trifft. Ich finde das schön. Der Begriff Schulfamilie bekommt hier eine neue Bedeutung für mich.

Aber nicht, dass ihr denkt, dass wir uns hier völlig überarbeiten. Keine Sorge, wir sind nicht Burnout-gefährdet. 🙂 So eine Krankheit gibt es hier nicht, zumindest nicht offiziell. Wir können uns unsere Zeiten im Computerraum flexibel einteilen und sind grundsätzlich sehr frei in dem was wir tun. Die Schulleiterin gibt uns großen Spielraum für unsere Aufgaben und eben in dem, was wir für die Schule beitragen. Wir sollen zwar stets Präsenz zeigen, können uns Mittags aber auch mal eine halbe Stunde länger in unser Haus zurückziehen, während die Lehrer unterrichten. Wir dürfen auch immer gerne beim Unterrichten hospitieren und mithelfen. Davon profitiere ich natürlich ganz besonders. Es ist spannend, die unterschiedlichen Lehrerpersönlichkeiten und Herangehensweise hier zu beobachten. Eventuell übernehme ich bald auch eigene Stunden.

Aula der St. Mary’s. Foto: privat

Alle Lehrer arbeiten viel und lange. Manche haben Tage an denen sie von 7 bis 15 Uhr unterrichten, das Nachtmittagsprogramm mitbetreuen und abends bis 20 Uhr auch noch Aufsicht auf dem Campus haben. Ihre Arbeitsstelle ist gleich der Ort, an dem sie leben. Für viele in Deutschland wahrscheinlich unvorstellbar. Hier funktioniert es. Ich denke, weil die ganze Herangehensweise und Atmosphäre eine andere ist:

Was erledigt werden muss, wird erledigt…. aber im eigenen Tempo, nicht in vorgegebener Zeit, nicht mit vorgegebener Deadline. Ein Treffen endet dann, wenn alles gesagt wurde, nicht wenn die Zeit vorbei ist. Wenn man sich frühs im Lehrerzimmer trifft, grüßt man sich in Ruhe und hält ein nettes Pläuschchen. Es ist kein bloßes „Morgen“ und ab zum Kopierer, wie es in vielen Schulen in Deutschland abläuft. So kann es schon mal vorkommen, dass der ein oder andere Lehrer zu spät zu seiner Stunde kommt, aber man weiß zumindest über das Befinden aller Anderen Bescheid.

Der Stundenplan für die Klassen wurde im Laufe der ersten Schulwoche erst fertiggestellt, nicht in den Ferien. Trotzdem gibt es kein Chaos. Irgendwie klappt hier alles, auch wenn wir, Luna und ich, uns das manchmal nicht so recht erklären können. Das ist wohl eine unserer größten Schwächen, die wir hier bemerken: ohne fixe Pläne leben zu können.

Ich hoffe, ich kann euch die Atmosphäre mit diesen Vergleichen etwas nahebringen.

So, das war jetzt nochmal ein Blog mit sehr viel allgemeinen Infos über mein Leben hier. Mal schauen, ob ich es schaffe den nächsten Blog etwas schneller zu schreiben. Ich habe auf jeden Fall noch so einiges zu berichten. Zum Beispiel zum Thema Hautfarbe. Diese ist hier ein großes Thema. Aber zu 100 % anders als es das in Deutschland ist. Ich möchte gerne die Erfahrung teilen, die ich hier mache, wenn Menschen auf meine Hautfarbe reagieren.

Bis dahin, bleibt in Fahrt… like a vehicle. 🙂


05. September 2018

„Was der Mensch doch nicht alles erfährt, wenn er sich einmal hinterm Ofen hervormacht!“
(J. Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts, S. 42)

Seit ich mich hinter meinem Ofen hervorgemacht habe und nach Karonga in Malawi gereist bin, habe ich auch schon einiges entdeckt. Unter anderem natürlich viele neue Gerichte, Geschmäcker und Lebensmittel.

Typisch malawisch: Nsima und Chitenge

Hier in Malawi ist Nsima das sogenannte Stable Food. Das heißt, ein Gericht, welches zu jeder Mahlzeit dazugehört. Nsima ist ein polenta-ähnlicher Maisbrei, der ganz schlicht aus Wasser und Maismehl besteht. Er schmeckt sehr neutral und kann so mit allen möglichen Lebensmitteln serviert werden: Fleisch, Bohnen, Tomatensauce, usw.
Wir haben mittlerweile gelernt, wie man Nsima zubereitet. Das ist für Laien gar nicht so einfach. Uns wurde gezeigt, wann genau das Maismehl in das heiße Wasser hinein muss, wie lange der Brei köcheln muss und wie wir Klumpen im Brei vermeiden.

Bevor es aber überhaupt soweit ist, dass wir Nsima kochen können, müssen wir natürlich den noch ungemahlenen Mais auf dem Markt kaufen und danach zur Maismühle bringen.
Nachdem wir nun über alle Schritte zum Nsimakochen Bescheid wissen, steht auf unserem „deutschen Speiseplan“ natürlich auch recht häufig die typisch malawische Beilage. Und das Wichtigste: Nsima isst man mit den Händen. Dabei verbrennen Luna und ich uns regelmäßig die Finger. Aua.

Was wir bisher auch noch nicht können, ist die Säcke voller Mais, bzw. Mehl elegant auf dem Kopf balancierend nach Hause zu tragen. Ein Bild wie dieses beeindruckt uns immer wieder. Mal schauen, ob wir es im Laufe der zehn Monate lernen werden.

Was wir bisher auch noch nicht können, ist die Säcke voller Mais, bzw. Mehl elegant auf dem Kopf balancierend nach Hause zu tragen. Ein Bild wie dieses beeindruckt uns immer wieder. Mal schauen, ob wir es im Laufe der zehn Monate lernen werden. Foto: privat

Natürlich gibt es hier nicht ausschließlich Nsima zu essen. In Karonga haben wir vor kurzem auf dem Markt einen tollen Street-Food-Verkäufer getroffen. Auf eine kreative und praktische Weise hat er Spieße mit angebratenem Rindfleisch und gebratene Bananen angeboten. Wir haben gleich einen Spieß probiert. Es war ein perfekter kleiner Snack für zwischendurch.

Ja… so werden mit Stück für Stück immer mehr zu Malawiern

Mittlerweile haben wir uns auch unser erstes „Chitenge“-Tuch gekauft. Das ist ein bunt bedrucktes Baumwolltuch, welches die Frauen als Rock über ihre Kleidung gewickelt tragen. Fast alle Frauen haben mindestens eins. Es ist super praktisch für alles Mögliche: Um Sachen einzuwickeln, um sich abzutrocknen, als Sitzunterlage, als Strandtuch… Was auch immer einem einfällt.

Ich denke, an meinem Gesichtsausdruck seht ihr, wie es mir bisher hier gefällt. Ich finde das Leben, die Menschen, denen wir begegnet sind, den Lake Malawi, Nsima und natürlich mein neues Tuch einfach toll.

Ich denke, an meinem Gesichtsausdruck seht ihr, wie es mir bisher hier gefällt. Ich finde das Leben, die Menschen, denen wir begegnet sind, den Lake Malawi, Nsima und natürlich mein neues Tuch einfach toll. Foto: privat

Ich genieße die Zeit bisher wirklich sehr. Mir wurde so viel Freundlichkeit und ehrliches Interesse entgegengebracht, wie ich es bisher in Deutschland nur selten erlebt haben… oder ich habe es einfach nicht bemerkt in meinem Arbeits- und Unialltag. Es ist schon eine besondere Atmosphäre hier und versuche jede Sekunde aufzusaugen und in Erinnerung zu behalten.

Der Arbeitsalltag beginnt

Kurz bevor die Sommerferien enden und der Schulalltag hier an der St. Mary’s beginnt, haben wir auch nun auch unseren ersten Arbeitsauftrag erhalten, den wir mit vollem Eifer umsetzen. Wir sollen die vorhandenen Schulbücher einscannen, damit sie für alle Schüler in digitaler Form verfügbar sind. Die Bücher sind in Printform nämlich nicht ausreichend vorhanden. Die Schule hat einen recht gut ausgestatteten Computerraum, den die Schülerinnen zum Lernen benutzen dürfen. Mit Feuereifer widmen wir uns unserer Aufgabe, sodass Kenneth, der Beauftragte für die Schulbücherei, gar nicht hinterherkommt, uns immer wieder Büchernachschub zu liefern. Wir amüsieren uns gemeinsam mit ihm über unsere Arbeitseinstellung, alle Aufgaben immer mit Rekordgeschwindigkeit sofort zu erledigen. Die digitalen Bücher und andere Materialien werden in eine Digital Library hochgeladen. Dies ist eine Art Plattform mit verschiedenen Materialien und Websites, die auch offline zur Verfügung stehen.

Ein Internetzugang ist an der Schule zur Zeit noch nicht vorhanden. Das Projekt Digital Library wurde von einigen Schülern einer Partnerschule der Diözese Karonga aus Deutschland initiiert. Wer sich über das Projekt Digital Library näher interessiert, der kann sich auf folgender Homepage darüber informieren: nextgenerationafrica.org/project/das-hauptprojekt
Ist auf jeden Fall eine super Sache und wir freuen uns, dass wir das Projekt hier ein bisschen fortführen können.

Im nächsten Blog erfahrt ihr dann, wie der Schulalltag hier an der Schule abläuft. Am 10.9. geht die Schule los und wir freuen uns schon sehr die Schülerinnen kennenzulernen.
Ich bin gespannt, wie viel wir dann zu tun haben und wie wir unsere Arbeit planen und einteilen können. Schließlich nannte die Schulleiterin als eine ihrer Erwartungen an unsere Arbeit hier: „Show the girls some German work spirit“.
Mal schauen, ob wir diese Erwartung erfüllen, bzw. ob das überhaupt so eine gute Idee ist. Interessant auf jeden Fall und zum Nachdenken anregend, dass diese klischeeartige Charaktereigenschaft der Deutschen hier durchaus bekannt ist.

In diesem Sinne,
arbeitet fleißig und bis zum nächsten Mal! 🙂

 

16. August 2018

Wir öffnen unser Fenster zur Welt und sehen…
Mit diesem Motto wurden wir Misereor-Freiwilligen im Ausreise-Gottesdienst im Juli in Aachen für unseren zehnmonatigen Freiwilligendienst verabschiedet. Mein neues Abenteuer hat nun zusammen mit Luna, meiner Mitfreiwilligen, gestartet.
Mein Fenster ist weit offen…und ich möchte euch in diesem Blog daran teilhaben, was ich sehe!

Nach der Ankunft am Flughafen nehmen uns zwei unbeschreiblich liebe Menschen herzlichst in Empfang. Die beiden Mitarbeiter der Diözese Karonga, in der wir unseren Freiwilligendienst absolvieren, heißen uns herzlich in Malawi willkommen und bringen uns mit dem Auto nach Lilongwe, der Hauptstadt von Malawi. Ich schwebe so ein bisschen über dem Boden als wir im Auto sitzen und durch das Fenster nach draußen schauen: Ich kann es noch nicht glauben, dass wir da sind, in Malawi, the Warm Heart of Africa. Das Wetter ist angenehm: ca 23°, fast sogar ein bisschen kalt, im Vergleich zu den über 30 Grad die zu dieser Zeit in Deutschland herrschten. Vielen Menschen fahren mit dem Fahrrad über die hügeligen Straßen und Wege. Ich frage unsere Begleiter, ob Fahrradfahren wohl sehr verbreitet ist in Malawi und sie bestätigen dies. Ich freue mich sehr, da ich selbst ein großer Fahrradfan bin.

Unser Start in Malawi

Wir fahren nicht direkt weiter nach Karonga, wo wir die nächsten zehn Monate leben werden. Wir verbringen eine Nacht in Lilongwe und machen uns am nächsten Morgen auf in den Norden des Landes.
Ich kann diesen Weg nur so beschreiben: Auf dem Afrika-Panorama-Weg durch Malawi. Wunderschöne Ausblicke und viele viele Eindrücke. Ich habe noch nie in meinem Leben einen friedlicheren Ort erlebt wie hier. Wir fahren die Straße entlang durch kleinere Dörfer, vorbei an zahlreichen kleinen Kiosken und Ständen, an denen Bananen, Tomaten, Bohnen, Mais, und vieles mehr verkauft werden. Vorbei auch an vielen Frauen, die ihre Fracht elegant auf dem Kopf balancieren und vorbei natürlich an vielen Fahrradfahrern. Dabei ein wenig Reggae-Musik im Auto. Einfach herrlich.

Nach ca. neun Stunden Fahrt kommen wir in der St. Mary´s Secondary School in Karonga an und bekommen unsere Unterkunft für die nächsten zehn Monate präsentiert: Ein einfaches kleines Häuschen, nur für Luna und mich. Wir sind hin und weg. Wir lieben es schon jetzt.

Es ist schon dunkel als wir ankommen, sodass wir die Umgebung noch nicht sehen. Am nächsten Morgen dann: Wir öffnen die Türen unseres neuen Zuhauses und sehen…

Das Haus ist auf dem Campus der St. Mary´s Girls Secondary School. An dieser Schule, bzw. Internat werden wir unseren Freiwilligendienst absolvieren. Es ist ein großer Campus mit Aula, Klassenzimmern, Schlafräumen, Büros, und eben was so zu einem Internat dazu gehört.

Das Haus ist auf dem Campus der St. Mary´s Girls Secondary School. An dieser Schule, bzw. Internat werden wir unseren Freiwilligendienst absolvieren. Es ist ein großer Campus mit Aula, Klassenzimmern, Schlafräumen, Büros, und eben was so zu einem Internat dazu gehört. Foto: privat

Überall Begrüßungen mit den Worten „You´re most welcome“

Aber was viel wichtiger ist: Durch mein Fenster zur Welt sehe ich so viele liebe Menschen, die uns herzlichst empfangen, stets mit den Worten „You´re most welcome“. Es ist ein schönes Gefühl, so empfangen zu werden. Wir fühlen uns wirklich wohl hier. In den Gesichtern der Menschen, die uns so begrüßen, sehen wir, dass sie es ernst meinen.

Die großen Ferien hier in Malawi haben gerade erst begonnen, sodass auf dem Campus keine Schüler sind. Sie kommen erst im September wieder. Bis dahin haben wir genug Zeit, unsere zukünftigen Aufgabenfelder an der Schule mit der Schulleiterin und den Kollegen abzusprechen und uns auf die Arbeit vorzubereiten.

In den nächsten Tagen orientieren wir uns in der neuen Umgebung, lernen immer wieder neue Menschen kennen und können sehr schnell Kontakte knüpfen.
Bei Spaziergängen kommt es häufig vor, dass wir ein kurzes Pläuschchen mit Vorbeigehenden halten. So lernen wir zum Beispiel zwei nette Mädels kennen, die gerade mit der Schule fertig sind und nun die Ferien genießen. Sie wohnen in unserer Nachbarschaft. Wir machen einen langen Spaziergang mit ihnen. Sie zeigen uns viele sog. „Shortcuts“, d.h. schmale Pfade, die abseits der großen Straßen schneller zum Ziel führen. Wir verabreden einen Tag, an dem die beiden uns besuchen kommen und wir ihnen Bilder von unseren Familien und unserem Zuhause in Deutschland zeigen. An diesem Tag haben wir auch viel Spaß daran, uns über unsere Sprache auszutauschen. Zum Beispiel übersetzen wir folgenden Satz:

Chichewa (Landessprache in Malawi): Tikucheza kwa anzathu Luna ndi Nadja
Chitumbuka (regionale Sprache in Karonga): Tikuchezga kwa wanyithu Luna na Nadja
English: We are chatting to our friends Luna and Nadja
Deutsch: Wir reden mit unseren Freunden Annie und Myness.
Bayerisch: Mia schmatzma mid unsere Freind Annie und Myness.

Neben dieser entspannten Eingewöhnungszeit haben wir auch schon viel vom Leben hier mitbekommen. Zum Beispiel waren wir auf einer Priesterweihe, die einen vierstündigen Gottesdienst und ein feierliches Essen umfasste. Eine Woche später ging es dann direkt auf eine Hochzeit.

Für alle Hochzeitsfans: Meine erste malawische Hochzeit

Wir kannten das Brautpaar nicht persönlich, aber das war kein Problem. Die Hochzeit ist sozusagen öffentlich gewesen. Das ist wohl einer der größten Unterschiede zu den Hochzeiten, auf denen ich bisher eingeladen war. Denn bei diesen Hochzeiten war es so, dass nur geladene Gäste zum Essen und Feiern kamen. Zu dieser Hochzeit konnte jeder kommen, also ohne Einladung. Auch anders war, dass die Feier größtenteils darin bestand, dass Gäste vor der Bühne, auf der das Brautpaar sitzt, tanzen und Geld in große Körbe werfen. Auch ich habe getanzt und ein paar kleine Kwacha-Scheine in den Korb geworfen. Kwacha heißt die Währung in Malawi.
Ein schöner „Brauch“ wie ich finde ist folgender: Das Brautpaar sucht sich für ihre Ehe ein anderes Ehepaar, das schon lange verheiratet ist, als Vorbild aus. Dieses Ehepaar läuft dann, bevor die Feier beginnt, in den Festsaal ein.

Interessant neben diesen Unterschieden sind die vielen Gemeinsamkeiten, die es auf dieser Hochzeit mit den Hochzeiten, die ich bisher erlebt habe, gibt. (Und ich habe nicht nur Hochzeiten in Deutschland erlebt, sondern auch eine im Kosovo in Osteuropa 🙂 )
Die Braut im weißen Kleid, Braut und Bräutigam schneiden gemeinsam die Torte an, Blumenmädchen in hübschen Kleidchen, schöne, besondere Dekoration, alle jubeln, wenn Braut und Bräutigam sich küssen, ein geschmücktes Auto, in dem das Brautpaar gefahren wird. Wie schön, dass die Liebe überall auf der Welt so freudig gefeiert wird. Ich bin froh, dass ich die Freude über eine Hochzeit auch hier miterleben durfte.

Zum Abschluss meines ersten Blogs noch ein Erlebnis, das mir aufzeigt, wie viel ich in diesem Freiwilligendienst lernen kann:
Luna und ich sind an einem Montagnachmittag mit einer Mitarbeiterin der Schule in dem kleinen Städtchen Karonga unterwegs, welches ca. 11 km von unserer Unterkunft entfernt ist. Wir laufen über den Markt und zu verschiedenen Läden. Plötzlich sagt unsere Begleitung, ob wir nicht etwas langsamer laufen können. Wir würden sehr schnell laufen.
Ja, da merken wir, dass wir tatsächlich fast doppelt so schnell laufen wie alle anderen. Oh man…deutsches Klischee bestätigt. Wir hetzen von einem Ort zum anderen.
Vielleicht findet sich der ein oder andere in diesem Szenario wieder, wenn er an seine letzten Erledigungen in der Stadt denkt.

Meine Aufgabe also für die nächsten Wochen: Einfach mal ein bisschen langsamer laufen. Man schafft ja trotzdem alle Dinge, nur ist man währenddessen irgendwie entspannter.

In diesem Sinne, macht´s gut und bis zum nächsten Mal

Eure Nadja

Autor:

Nadja Pitter

Nadja macht ihren Freiwilligendienst in Karonga, Malawi. Die 24-jährige betreut dort den Computerraum der Schule, gibt Computerstunden und hilft beim Unterrichten mit. Nach ihrem Lehramtsstudium in Deutschland bietet der Freiwilligendienst ihr Chance, in das Schulleben eines anderen Landes einzutauchen.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. hallo nadija,
    habe heute bei Ralf deine Blogs gelesen, waren sehr aufschlussreich ich bin begeistert .
    weiterhin alles gute und viel freude
    deine oma martha

  2. Hallo Nadja,
    das klingt alles wunderbar! Viel Glück weiterhin!

  3. Danke für die lieben Kommentare.
    Wir erleben wirklich eine unglaublich tolle Zeit hier. Wie du es geschrieben hast, Uta, der Einsatzplatz ist ein 6er im Lotto 🙂

    Ich freue mich, wenn ich euch einige Einblicke mit diesem Blog geben kann…. und ihr die tolle Atmosphäre, die hier herrscht ein bisschen mitfühlen könnt.
    Liebe Grüße,
    Nadja

  4. Liebe Nadja,
    wow, das ist ein toller Blog. Ich weiß, dass wir hier in Deutschland uns nicht vorstellen können, wie das Leben in Karonga tatsächlich aussieht. Aber mit deinen großartigen Berichten öffnest du auch für uns hier das Fenster zur Welt ein bisschen weiter und ich erhasche ein paar Blicke nach Malawi.
    Danke dafür 🙂
    Viele Grüße, Maria (Timor-Leste)

  5. Liebe Nadja,
    vielen Dank für deinen Blogeintrag. Ich habe bis vor 2 Jahren auch im Freiwilligendienst mitgearbeitet und freue mich immer wieder, von euren Erfahrungen zu lesen.
    Du scheinst mit deinem Einsatzplatz ja wirklich einen 6er im Lotto gewonnen zu haben. Es hört sich toll an. Und es wird auch so weiter gehen. Jeden Tag neue Erfahrungen. Jeden Tag ein anderer Blick auf’s Leben. Ich wünsche euch beiden eine gute Zeit.
    LG aus Aachen, Uta

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