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„Mai Ita Hotu Han Hamutuk!“ – Ein Timor-Leste Treffen in Deutschland

Timor-Leste – wo ist das? „Klingt nach einer schlimmen Krankheit“, „soll sehr schön da sein“ und „das ist doch irgendwo in Afrika“- das sind Reaktionen, die man häufig hört, wenn man über das Land Timor-Leste (oder Osttimor) spricht. Selten hat ein Gesprächspartner schon einmal von dem kleinen Land in Südostasien gehört. Das ist seltsam, da es erst seit 2002 unabhängig ist und bis 1999 ein großer Völkermord stattgefunden hat. Wie dem auch sei, wir – das sind über 20 Freiwillige – haben 10-12 Monate dort gelebt. Ziel eines Freiwilligendienstes ist es auch, die Erfahrungen, die man im Ausland gemacht hat, zurück in Deutschland zu teilen, zu erzählen, sein Fenster zur Welt zu öffnen und es anschließend auch anderen Menschen zu öffnen. 

Relativ kurzfristig haben sich zurückgekehrte Freiwillige aus fünf Jahrgängen zu „Mai Ita Hotu Han Hamutuk“ (Tetum: „Kommt, wir essen alle zusammen“) getroffen. 2013 sind die ersten MISEREOR-Freiwilligen nach Timor-Leste gereist. Mittlerweile schicken auch andere weltwärts-Organisationen Freiwillige dort hin. So waren wir 15 Rückkehrer und Rückkehrerinnen von den Franziskanerinnen, den Salesianern Don Boscos und MISEREOR, die sich teilweise bei diesem Treffen das erste Mal begegneten. Und dennoch herrschte ein beeindruckendes Gefühl der Vertrautheit. Zudem erhielten wir Unterstützung von Inge Lempp, die schon viele Jahre in Timor lebt und arbeitet, unter anderem auch als Ansprechpartnerin für MISEREOR-Projekte.

Beeindruckend, wie viele ehemalige Timor-Freiwillige zusammen gekommen sind!

Zum einen war es eine einmalige Gelegenheit sich mit anderen Freiwilligen zu unterhalten, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, die das Land und teilweise sogar die gleichen Leute kennengelernt haben. Es sind viel tiefer gehende Unterhaltungen, als wenn man Freunden und Bekannten eine Geschichte aus dem Freiwilligendienst erzählt.

Zum anderen haben wir uns aber auch genau darüber ausgetauscht: wie erzählt man Menschen von Timor, die nicht dort waren? Wie schafft man es, den Fokus auf die Themen zu legen, die man anderen vermitteln möchte? Da stoßen viele zurückgekehrte Freiwillige auf Probleme, Unverständnis und Desinteresse. Dazu kommt, dass die wenigsten Menschen in Deutschland schon einmal von dem Land Timor-Leste gehört haben. Das wollen und müssen wir ändern. Viele von uns haben nach der direkten Rückkehr einen kleinen Vortrag oder Info-Abend in der Gemeinde gehalten, Zeitungsartikel geschrieben, dem Opa eine Kappe mitgebracht, die nun stolz durchs Dorf getragen wird oder der „Sendung mit der Maus“ angeboten, den Vorspann auf Tetum zu übersetzen. Manches war erfolgreicher als anderes, aber wir haben den Aktionismus, von Timor zu erzählen und unseren Freiwilligendienst nicht mit der Rückkehr nach Deutschland enden zu lassen.

Dafür haben wir uns zu „Mai Ita Hotu Han Hamutuk“ getroffen. Auf Deutsch: „Kommt, lasst uns alle zusammen essen.“

Das gemeinsame Essen und Kochen hat einen sehr hohen Stellenwert in der timoresischen Kultur. Jeder wird dazu eingeladen und aufgefordert, mitzuessen. Es ist die Gelegenheit, um mit Familie und Freunden zusammen zu kommen. So dauern manche Festessen inklusive Vorbereitung mehrere Tage lang. Soviel Zeit hatten wir leider nicht. Trotzdem haben wir uns die Zeit genommen, den Abend über ausgiebig zu kochen, zu essen und zu reden.  So wurden Kochteams gebildet und eine leckere timoresische Festtafel gezaubert. Getreu der ersten timoresischen Kochregel: man spart nicht an Öl – und Reis! Ein besonderer Moment war, als wir vor dem Essen alle gemeinsam das Vater unser auf Tetum gesungen haben. Es ist eine wunderschöne Melodie und dieser Moment lässt sich leider kaum für einen Blog in Worte fassen…

„Mai han hamutuk“ – unser timoresisches Festessen!

Nach einem Blick in die Vergangenheit, was also nach unserem Freiwilligendienst zurück in Deutschland schon passiert ist, haben wir auch in die Zukunft geschaut. Dabei wurden Ideen gesammelt und Kontakte ausgetauscht, was wir als ehemalige Timor-Freiwillige starten können. Beim Kochen kam schnell die Idee auf, eine Sammlung an Rezepten zu erstellen. Für uns, für Freunde, die von Katupa ganz begeistert waren, und vielleicht finden sich weitere Gelegenheiten. Außerdem haben wir uns über Möglichkeiten unterhalten, den Austausch zu vertiefen. Über das Reverse-Programm von weltwärts haben auch schon Timoresen einen Freiwilligendienst in Deutschland gemacht. Des Weiteren feiert Timor-Leste nächstes Jahr zum 20. Mal ihr Unabhängigkeitsreferendum. Vielleicht ergeben sich Gelegenheiten, in Deutschland das zu feiern. Denn vor 20 Jahren hat die westliche Welt sich äußerst wenig für die politische Situation im Land interessiert.

Austauschen von Erfahrungen in der großen Runde

Die Liste mit Ideen könnte noch eine Weile fortgeführt werden. Wir hätten gerne auch noch länger zusammen gearbeitet. Dieses Treffen war ein erster Versuch, und voller Erfolg! Bei den Ideen wird es nicht bleiben. Schließlich ist Timor-Leste ein tolles, interessantes Land, das es wert ist, in Deutschland und auf der Welt ein bisschen bekannter zu sein!

Dieses Plakat hängt in einem Büro im CTID. Wir hoffen, dass dieses Treffen ein kleiner Samen ist, aus dem noch großes wachsen wird!

 

Autor:

Maria

Meine Name ist Maria. Ich habe 2014/2015 einen Freiwilligendienst in Timor-Leste im CTID (Centro Treinamento Integral no Desenvolvimento) geleistet. Dort habe ich junge Frauen in Englisch und Sport unterrichtet.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo liebe Freiwillige
    Im letzten Jahr hatte ich das Glück Lea und Timor-Leste für ein paar Tage besuchen zu können. Die Zeit dort war zwar etwas kurz, aber sehr schön und intensiv und ich freue mich immer, wenn ich etwas über das schöne Land und die Menschen dort erfahren.

    Liebe Grüße Stefanie Zahnreich

  2. Liebe Maria,
    eine tolle Idee, die ihr da hattet. Und das Treffen scheint euch großen Spaß gemacht und zu haben und hat euch neue Impulse gebracht.
    Aus meiner Zeit im Freiwilligendienstteam kann ich mich gut daran erinnern, dass es bei den Kochabenden während der Rückkehrertreffen oft hieß: Egal, was es ist, es wird zuerst einmal frittiert ;-)))
    Schade, dass die Tradition des gemeinsamen Kochens und Essens bei uns in Deutschland so verloren gegangen ist. Zumindest in sehr weiten Teilen der Gesellschaft …
    LG aus der Mozartstraße!
    Uta

  3. Hallo liebe Maria,

    deine Erzählungen von dem Treffen hören sich wirklich sehr toll an.
    Man merkt irgendwie, dass ihr die Kultur in Timor wirklich gelebt und angenommen habt, woran Leonie und ich im Moment noch arbeiten 🙂
    Die Arbeitskolleginnen im CTID waren auch völlig begeistert von eurem Treffen, den Fotos und dass ihr echt-timoresisch gekocht und gespült habt!

    Liebe Grüße aus Baucau und ich wünsche euch schon mal alles Gute für die gesammelten Ideen…
    Lisa

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