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MISEREOR-Jahrestagung: Komplexe Fragen – vernetzte Lösungen

60 Jahre MISEREOR und noch immer gibt es Hunger und Not in der Welt? Mit diesem – zunächst deprimierend wirkenden – Ergebnis kamen am 5. und 6.Oktober die Teilnehmenden der diesjährigen MISEREOR-Jahrestagung zusammen. Das zweite Ziel der Sustainable Development Goals der UN „Zero Hunger“ umzusetzen, das wirft komplexe Fragen auf.

Die 17 Entwicklungsziele der UN werfen komplexe Fragen auf, ganz besonders das 2. Ziel: „Kein Hunger!“, welches im Zentrum der MISEREOR-Jahrestagung stand. Foto: MISEREOR

Über 800 Millionen Menschen weltweit leiden Hunger, jedes vierte Kind unter fünf Jahren ist unterernährt – warum haben diese Menschen keinen Zugang zu Lebensmitteln? Wie wirken sich Umweltzerstörung, unfruchtbare Böden und versiegende Wasserquellen auf den Nahrungsmittelanbau aus? Warum geht rund ein Drittel der globalen Ernte verloren? Und was haben internationale Handelsbedingungen damit zu tun? Diese komplexen Fragen genauer unter die Lupe zu nehmen und vernetzte Lösungen zu suchen, das war Ziel der Jahrestagung 2018.

Blick zurück und Blick nach vorne

Ein Rückblick auf die vergangenen 60 Jahre war auch Ausgangspunkt einer Podiumsdiskussion mit Dr. Claudia Lücking-Michel, Geschäftsführerin der AGEH, Susanne Breyer, Vorsitzende des Entwicklungspolitischen Ausschusses des BDKJ und Mitglied des MISEREOR-Beirats sowie MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Msgr. Pirmin Spiegel. Claudia Lücking-Michel bekräftigte, dass der Auftrag MISEREORs heute immer noch aktuell ist: „Unsere Verantwortung endet nicht an den deutschen Grenzen, unser Nächster ist auch der ferne Nächste“. Heute steht der Grundauftrag MISEREORs in neuen Betrachtungszusammenhängen, er muss lebendig gehalten und an die Zeichen der Zeit angepasst werden.

Denn dem Leiden der Anderen gegenüber nicht gleichgültig zu werden, das war schon eine der zentralen Perspektiven bei der Gründung des Werkes vor 60 Jahren, wie MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel es in einem kurzen historischen Abriss während der Podiumsdiskussion mit (v.l.) Claudia Lücking-Michel und Susanne Breyer wiedergab. Foto: MISEREOR

Projekte gegen den Hunger

Dass ganzheitliches Denken gefordert ist, wenn Hunger bekämpft wird, machte Raoul Bagopha in seinem Workshop deutlich, schließlich ist mit Ernährung Kultur, Identität, Wirtschaft und Ökologie eng verknüpft. Am Beispiel der Projekte in Burkina Faso stellte er die Potenziale dortiger Partner in den Mittelpunkt: Mithilfe einer innovativen Methode werden Zwiebeln gepflanzt und gelagert, die Ernte der Bauern wird so nicht nur ergiebiger, sondern lässt sich auch zu höheren Preisen verkaufen und verbessert so die Einkommens- und Lebenssituation.
Zwei ebenso beispielhafte Projekte aus Brasilien und Haiti, die Johannes Schaaf den Teilnehmenden vorstellte, zeigen, wie die jeweilige kleinbäuerliche Bevölkerung unter den gegebenen klimatischen und topographischen Bedingungen eine sichere Landwirtschaft betreiben und dabei gleichzeitig ihre Umwelt erhalten kann. In Haiti beispielsweise knüpfen diözesane agrarökologische Organisationen an vergessene Anbaumethoden aus der vorkolonialen Zeit an: in kleinen Nutzgärten im Wald werden Nahrungsmittel angebaut. Dafür müssen die bis auf kaum mehr als zwei Prozent abgeholzten Flächen wieder aufgeforstet werden, um in den neu entstandenen Waldstücken Gärten anlegen und den Wald selbst forstwirtschaftlich nutzen zu können. An diesem Beispiel wurde deutlich, wie Projektarbeit konkret funktioniert und welche Schritte in der Zusammenarbeit gegangen werden.

Komplexe Fragen? Vernetzte Lösungen!

Zwei Workshops befassten sich mit der Frage, wie sich die komplexen Ansätze der MISEREOR-Arbeit Menschen zugänglich machen lassen. Sophie Duhn aus der Abteilung Politik und globale Zukunftsfragen arbeitete mit den Teilnehmenden an Ideen dazu, wie sich globale Zusammenhänge rund um den Themenkomplex Hunger erklären lassen. Ein Filmausschnitt aus „10 Milliarden – wie werden alle satt“ berührte die Teilnehmenden und hatte spannende Diskussionen zur Folge.

Mit dem Fazit „neugierig zu bleiben, auch auf andere Getreidesorten“ gab eine Teilnehmerin eine Ermutigung mit, wie jede und jeder sich auch auf lokaler Ebene mit der Problematik abnehmender Artenvielfalt auseinandersetzen kann. Foto: MISEREOR

Julia Frielinghausen aus der Kommunikationsabteilung stellt den Ehrenamtlichen vor, wie Inhalte aufbereitet werden können, um verschiedene Zielgruppen anzusprechen. Gefragt war dann die Kreativität der Teilnehmenden, dafür Ideen zu entwickeln.

Mit dem Prinzip der Personas versuchten die Teilnehmenden Inhalte für verschiedene Zielgruppen jeweils passend aufzubereiten. Foto: MISEREOR

 Die Jahrestagung

Die MISEREOR-Jahrestagung bietet immer wieder Möglichkeiten ins Gespräch zu kommen, sich zu vernetzen und gemeinsam Neues anzugehen. Einmal im Jahr kommen rund 80 Ehrenamtliche und MISEREOR-Freunde zusammen, um sich zu einem aktuellen Thema inspirieren zu lassen und andere Engagierte kennenzulernen. Denn, so betont es Primin Spiegel auf dem Podium: „Mut ist zu zweit leichter als allein.“ Zeit für gemütliches Beisammensein und ein buntes Rahmenprogramm aus leckerem veganen Essen, gemeinsamem Gottesdienst und Highlights wie dem Auftritt des Kabarettisten Wendelin Haverkamp runden die Tagung ab.

Autor:

Marie Fath begleitete die MISEREOR-Jahrestagung 2018 als Praktikantin in der Bildungsabteilung MISEREORs.

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