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Sulawesi nach dem Erdbeben und Tsunami: Traumatisiert und abgeschnitten

Sie ist Direktorin von Walhi, der größten Umweltorganisation Indonesiens, und hält sich gerade in Deutschland auf: Nur Hidayati. Im Interview berichtet sie über die aktuelle Lage im von Erdbeben und Tsunami-Wellen erschütterten Norden der Insel Sulawesi. Dort ist Walhi aktuell intensiv in die Unterstützung der Erdbebenopfer eingebunden. MISEREOR wird die Nothilfe der Organisation mit 50.000 Euro unterstützen. Walhi ist seit vielen Jahren ein verlässlicher Partner von MISEREOR.

Nur Hidayati ist Direktorin der indonesischen Umweltorganisation Walhi

Nur Hidayati ist Direktorin der indonesischen Umweltorganisation Walhi © Allgaier/MISEREOR



Wie ist aktuell die Situation in den Erdbebengebieten von Sulawesi?

Nur Hidayati: Die Lage entspannt sich gerade ein wenig, weil die Hilfe nun in größerem Stil anläuft. Nach Angaben der zuständigen Behörden liegt die Zahl der Todesopfer derzeit bei knapp 1800. Etwa 70.000 Menschen sind geflohen. Viele von ihnen sind in der Nähe des Katastrophengebietes geblieben, eine größere Zahl musste aber auch in andere Städte auf Sulawesi evakuiert werden – vor allem im Süden der Insel.

Unter welchen Bedingungen müssen diese Menschen leben?

Nur Hidayati: Die Menschen sind aktuell noch sehr schockiert oder sogar traumatisiert, weil ihre Häuser vollkommen zerstört wurden. Sie leben an ungefähr 140 verschiedenen Standorten nun in Zelten.

Gibt es davon genug?

Nur Hidayati: Ja, dank der Hilfe von außerhalb reichen die Zelte momentan aus. Logistische Hilfe, Essen, Kleidung, finanziert durch Spenden, kommen mittlerweile an, es sind sehr viele freiwillige Helfer im Einsatz. Das größte Problem besteht derzeit in der Bereitstellung von sauberem Wasser. Es gibt große Bemühungen, Grundwasser zu gewinnen. Ebenfalls knapp ist aktuell Treibstoff für Fahrzeuge und Gas zum Kochen.

Dennoch vermitteln die Fernsehbilder, dass es nach wie vor zu vielen chaotischen Situationen kommt.

Nur Hidayati: Ja, das ist richtig. Es liegt vor allem daran, dass viele vom Erdbeben betroffene Gebiete noch von der Außenwelt abgeschnitten sind, weil die Straßen dorthin zerstört wurden. Derzeit wird seitens der Regierung versucht, diese Regionen auf dem Wasserweg bzw. über das Meer zu erreichen. Wir müssen damit rechnen, dass es in einer solchen Notsituation zwei Wochen dauern kann, bis alle Menschen evakuiert, Verletzte versorgt und Betroffene in Notunterkünften untergebracht werden können.

Was braucht Indonesien nun vor allem von der internationalen Gemeinschaft?

Nur Hidayati: Die wichtigste Problematik, bei der wir Hilfe benötigen, ist der mangelnde Zugang zu allen von der Erdbebenkatastrophe betroffenen Menschen. Hierbei fehlt es an ausreichenden technischen Kapazitäten. Die Straßen sind nicht benutzbar, und auch viele Gebäudetrümmer versperren den Weg.

Gibt es zusätzliche Probleme durch den jüngsten Vulkan-Ausbruch?

Nur Hidayati: Im Norden von Sulawesi sind die Erdbebenopfer glücklicherweise nicht davon betroffen. Es besteht kein Grund zur Panik. Leider kursieren zu diesem Thema viele Falschmeldungen.

Wie bewerten Sie die Arbeit der Regierung im Katastrophengebiet?

Nur Hidayati: Es gibt hierzu sicher einiges zu kritisieren. Die Regierung hätte mehr aus den Erfahrungen der Tsunami-Katastrophe in Banda Aceh im Jahr 2004 lernen können. Die Tsunami-Frühwarnsysteme haben nicht ausreichend funktioniert oder waren gar nicht in Betrieb. Sie wurden nicht ausreichend instandgehalten. Dabei ist Indonesien aufgrund seiner geographischen Lage ausgesprochen gefährdet durch Erdbeben. Auch hierzu gibt es seitens der Regierung zu wenige Informationen, wie die Bevölkerung sich auf solche Katastrophen vorbereiten und im Ernstfall verhalten soll.

In welcher Weise ist Ihre Organisation im Katastrophengebiet aktuell aktiv?

Nur Hidayati: Wir haben sehr schnell nach Eintreten des Erdbebens uns mit anderen Hilfsorganisationen vernetzt und über verschiedene Stützpunkte Aktivitäten gestartet. Wir organisieren unter anderem logistische Hilfe und mobilisieren eine Vielzahl von freiwilligen Helfern. Wir unterstützen auch die Suche nach den Vermissten. Die Freiwilligen sind gut ausgebildet und trainiert auf solche Ernstfälle, es gibt viele Ärzte und Pflegekräfte unter ihnen, und sie bemühen sich, die abgeschnittenen Gebiete zu erreichen und den dortigen Menschen zu helfen. Wir bieten auch eine digitale Plattform mit zahlreichen Informationen und Hilfsangeboten für Betroffene.

Walhi ist die größte Umweltorganisation Indonesiens. Wie kommt es, dass Sie auch in der Nothilfe so aktiv sind?

Nur Hidayati: Nothilfe steht bei uns tatsächlich nicht in der ersten Reihe unserer Tätigkeiten. Wir haben aber viel Erfahrung in der Bewältigung von Umweltkatastrophen und Überflutungen nach Starkregen. Das kommt uns nun entgegen. Wir sind stark in der Arbeit unmittelbar nach solchen Ereignissen.


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Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

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