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Mit ökologischer Landwirtschaft gegen Hunger und Armut

Nita Barkate (34) ist Kleinbäuerin aus Jawala, Osmanabad im indischen Bundesstaat Maharashtra. Mit Unterstützung des MISEREOR-Partners „Swayam Shikshan Prayog“ (SSP) ist sie auf ökologische Landwirtschaft umgestiegen. Im Beitrag gibt sie einen Einblick in ihren Alltag und berichtet, wie sich das Leben ihrer Familie seitdem verbessert hat.

„Das Dorf Jawala, in dem ich mit meinem Mann und meinen beiden Kindern lebe, ist meine Heimat. Hier bin ich geboren und aufgewachsen. Mein Vater war Bauer, wir hatten einen kleinen Hof, als Kind habe ich ihm bei der Feldarbeit geholfen. Mit 19 Jahren habe ich geheiratet, mein Mann ist auch Bauer wie fast alle Männer hier im Dorf.

Mehr als zehn Jahre lang haben wir cash crops angebaut, allein für den Verkauf bestimmte Feldfrüchte. Vor allem Baumwolle und Soja, dazu ein bisschen Kichererbsen. Einen kleinen Teil der Soja- und Kichererbsenernte haben wir als Lebensmittel behalten, den Großteil jedoch an einen Händler verkauft. Um zuverlässig gute Erträge zu erzielen, mussten wir sehr viel chemische Dünge- und Pflanzenschutzmittel einsetzen. Für Dünger und Pestizide gaben wir gut die Hälfte unseres Einkommens aus. Andere Bauern sind sogar hoch verschuldet, unsere Region ist eine der trockensten Gegenden Indiens. Tausende Männer auf dem Land haben in den vergangenen Jahren aus Verzweiflung Selbstmord begangen.

2014 hörte ich von SSP und ihrem Angebot für Bäuerinnen, ihren Trainings und den Krediten. Mein Mann war zuerst skeptisch, er wollte nicht, dass ich bei etwas mitmache, dass eine Konkurrenz zu meinen Aufgaben und meiner Arbeit im Haushalt sein würde. Aber die Tatsache, dass SSP Kredite an Frauen vergibt, hat ihn überzeugt. SSP-Mitarbeiter haben uns in Workshops beigebracht wie man sein eigenes Saatgut produziert, wie man Düngemittel und Pestizide selbst herstellt. Wir verwenden dafür bestimmte Pflanzen, außerdem die Blätter und die Rinde von Bäumen und den Urin von Kühen. Zwei Mal pro Monat treffen wir uns in einer Arbeitsgruppe mit SSP-Mitarbeitern. Sie bringen uns neue Anbau- und Erntetechniken bei, sie vermitteln uns weiteres Wissen über Saatgut, Pflanzenschutz und Düngemittel.

Die Kleinbäuerinnen treffen sich regelmäßig, um Wissen und Saatgut auszutauschen oder sich gegenseitig bei der Ernte zu unterstützen.

Die Philosophie und die Methoden von SSP haben mich von Anfang an ermutigt und inspiriert. Ich will meine Farm ganz nach ihren Prinzipien führen. Ökolandwirtschaft zu betreiben, das ist zwar eine sehr mühsame und aufwändige Arbeit. Doch das Gute und Besondere der Arbeit mit SSP ist das durch sie geschaffene Netzwerk. Hier im Dorf sind etwa 100 Frauen bei SSP aktiv. Früher hat jede von uns für sich gearbeitet. Heute arbeiten wir gemeinsam. Das geht vom Tausch von Saatgut über das Produzieren von Pflanzenschutz und Dünger bis zur gegenseitigen Hilfe bei der Ernte. Für mich ist es einer der positivsten Aspekte der Arbeit mit SSP: Man arbeitet nie allein, man hat immer Unterstützung, man gehört zu einer großen Gemeinschaft. Seit kurzem arbeite ich nebenbei für SSP und gebe mein Wissen aus den Trainings an andere Frauen im Dorf weiter.

Inzwischen haben sich rund 100 Frauen aus dem Dorf Jawala dem Netzwerk aus Kleinbäuerinnen angeschlossen.

Zusammen mit meinem Mann bewirtschafte ich heute gut 14 Hektar Land. Nach wie vor bauen wir vor allem Soja an, dazu jedoch eine Reihe anderer Feldfrüchte wie Tomaten, Zwiebeln, Chili, Kichererbsen und Jowar (die Hirseart Sorghum). Nach dem Umstellen auf Ökoanbau hatten wir anfangs geringere Ernten. Doch das hat sich gedreht, heute ernten wir sogar bis zu 50 Prozent mehr. Von dem was wir anbauen, können wir uns als Familie ernähren, ich muss kein Gemüse und Getreide mehr auf dem Markt kaufen. Und das Einkommen aus dem Verkauf unserer Ernte bleibt komplett bei uns, denn wir geben nichts mehr für Pflanzenschutz- und Düngemittel aus – wir stellen alles selbst her.

Der Lebensstil meiner Familie hat sich in den vergangenen Jahren sehr verbessert. Wir ernähren uns abwechslungsreicher, wir sind kaum mehr krank, auch meine Eisenwerte sind wieder in Ordnung.  Um auch in Zukunft so gut leben zu können und um meinen beiden Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen, müssen wir jedoch über unseren Hof hinaus denken. Denn die Dürreperioden werden immer länger und härter, dann regnet es mehrere Monate nicht. Wer Wasser hat, der nutzt es nur für den Anbau von Gemüse zum Selbstverzehr. Ackerbau betreiben, das ist daher als Einkommensquelle zu wenig und zu riskant. Ich will nun eine Hühnerfarm bauen und künftig Eier und Fleisch verkaufen. SSP will mich dabei mit einem Kredit unterstützen. 

Auf ihrem Hof baut Nita Barkate verschiedene Gemüsesorten und Getreide an. Zukünftig möchte sie auch eine Hühnerzucht aufbauen. Unterstützt wird sie dabei von MISEREOR-Partnerorganisation SSP.

Mein Arbeitstag beginnt morgens um fünf Uhr. Ich mache das Frühstück, bereite das Mittagessen vor, putze und erledige die Wäsche. Abends gegen elf gehe ich ins Bett. Auch wenn das Leben als Bäuerin nicht immer einfach ist – ich liebe es. Samen aussäen, Pflanzen wachsen sehen, sie pflegen, schließlich die Früchte meiner eigenen Arbeit ernten, das alles macht mich glücklich. Ich bin sehr stolz darauf eine Bäuerin zu sein. Und ich bin froh, dass ich auf dem Land lebe. Hier ist nicht so ein Stress und Dreck wie in der Stadt. Hier kennen die Menschen einander und sie helfen einander.“

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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