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Der Amazonas brennt – doch was kann ich tun?

Bilder wie dieses beherrschen die Schlagzeilen der vergangenen Tage – der brennende Amazonas Regenwald.


© NASA Goddard Space Flight Center from Greenbelt, MD, USA

An die grüne Lunge der Welt wird seit Januar 2019 an über 37.000 Stellen Feuer gelegt, in ganz Brasilien sind es mehr als 70.000 Stellen. Dahinter stehen vor allem Landwirte, die mehr Acker- und Weideland wollen, um Soja, Mais und Rindfleisch zu erzeugen. Befeuert von einem Präsidenten Bolsonaro, der den Wald als große, noch fast unerschlossene Ressource ansieht, die es möglichst schnell auszubeuten gilt.

Das macht hoffnungslos. Und ich frage mich: Was kann ich als Einzelner in Deutschland schon tun, wenn so etwas geschieht? Das Problem wirkt so riesig und ich bin gefühlt ohnmächtig.

Doch hinter dem Wunsch, mehr Land für Soja und Rinder zu haben, steht eine konkrete Nachfrage nach Soja – und zwar aus den Ländern, in denen die Erzeugung von Milch und Fleisch vorwiegend auf Sojafuttermitteln beruht – und dazu gehört Deutschland. Schweine, Legehennen, Mastgeflügel und immer noch Milchkühe bekommen als Eiweißanteil in der Fütterung vielfach Sojafuttermittel. Somit spielen in der Tierernährung Sojafuttermittel eine entscheidende Rolle, da es qualitativ hochwertiges Eiweiß liefert. Nutztiere werden, grob gesagt, mit Energie- und Eiweiß gefüttert.

Warum bauen wir dann nicht auch die Eiweißkomponente selber an?

Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland mit besonders eiweißhaltigen Futtermitteln wie Soja beträgt nur etwa 35 Prozent. Zentraler Dreh- und Angelpunkt ist dabei der Preis. Soja ist relativ gesehen günstig und daher gibt es, sehr holzschnittartig dargestellt, eine globale Arbeitsteilung: In Deutschland und Europa bauen wir für den Welthandel Getreiden an, in Nord- und Südamerika Soja, vor allem als Futtermittel. Und das ist da wo derzeit der Wald besonders oft brennt.

Was können wir tun?

Die Nachfrage entscheidet hier als auch in Brasilien, was in welcher Art und Weise angebaut wird. Konkret heißt das, dass wir die Menge an Sojafuttermitteln, die für die deutsche Tierhaltung benötigt wird, reduzieren müssen – sprich, weniger Fleisch und Eier essen. Das ist neben dem, dass es den Druck auf den Amazonas und andere lateinamerikanische Ökosysteme reduziert, gleich noch gut für die Gesundheit, da wir im Schnitt derzeit etwa doppelt so viel Fleisch essen, wie uns laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DLG) gut tut.

Nichts spricht gegen den guten, alten Sonntagsbraten und eine Wertschätzung für das wertvolle Lebensmittel Fleisch. Der Sonntagsbraten sollte dann optimalerweise von Tieren stammen, die in ihrem Leben kein Soja aus Lateinamerika gefressen haben.

Beim Einkauf kannst du dann sicher sein, wenn du Bio-Flesich oder noch besser das Fleisch von Bio-Anbauverbänden kaufst, die sehr strenge Kriterien bezüglich des Anbaus der Futtermittel und auch der Haltung haben.

Außerdem gibt es Fleischereien und Höfe auch in deiner Nähe, die sich um möglichst regionale Fütterung ohne Einsatz von Soja aus Südamerika kümmern.

„Everybody matters!“

Jeder ist wichtig und nicht ohnmächtig und kann dazu beitragen, dass unsere Welt, auch der Amazonas-Regenwald in unserem gemeinsam bewohnten Welthaus doch noch eine Chance hat, auch wenn es noch so weit weg und noch so groß wirkt.

 

Autor:

Markus Wolter

Ich bin studierter Agrarwissenschaftler und selber Bioland-Landwirt mit Schwerpunkt Schweinehaltung gewesen. Bei MISEREOR arbeite ich zu den Themen Landwirtschaft, Agrarpolitik und Zugang zu natürlichen Ressourcen wie Land und Saatgut.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ein kurzer und „knackiger“ Beitrag zum Abbrennen der Regenwälder, der gut zeigt, wo unsere persönlichen Möglichkeiten zum Handeln liegen! Ich werde ihn nutzen, um in unserer Pfarrei auf dieses Thema aufmermsam zu machen.

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