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Gemeinschaft: 1 – Corona: 0

(Fasten)essen hält Leib und Seele zusammen!

Suppe macht selig. Vor allem, wenn sie liebevoll zubereitet wird, mit freundlichem Lächeln aufgetan, zusammen genossen. Das traditionelle Fastenessen in der Gruppe oder Gemeinde ist in diesem Jahr ein echtes Sinnbild für alles, was wir schmerzlich vermissen.

Schon das Kartoffelschälen eine Freude, die Arbeit Hand in Hand. Dann die gemeinsame Mahlzeit in der ganz großen Runde. Die frohe Gewissheit, dass hier jede und jeder willkommen ist und heute niemand allein bleibt. Genuss, Gemeinschaft – und das gute Gefühl, Menschen zu helfen, für die tägliche Mahlzeiten nicht selbstverständlich sind. Fastenessen sind keine glamourösen Events. Sie sind für alle da, gemütlich und verlässlich, in vielen Gemeinden seit Jahrzehnten.

Zwei Frauen verteilen Fastenessen
Die Gemeinde St. Antonius in Recklinghausen veranstaltete dieses Jahr ein
„Fastenessen to go“. © Voß

Zu gut, um auszusetzen

Dieses Jahr hat sich jedoch schon früh abgezeichnet, dass es die lieb gewonnene Tradition schwer haben würde. Wie soll „gemeinsam genießen“ funktionieren, wenn sich kaum zwei Haushalte um einen Tisch versammeln dürfen? „Es geht! Anders.“, sagte dazu das Leitwort unserer Fastenaktion. Damit haben wir Gruppen in ganz Deutschland eingeladen, einmal neue Wege zu gehen. Das Resultat begeistert uns wie eine Extraportion Nachtisch – wir feiern die Vielfalt der großartigen Ideen und freuen uns, sie hier zu teilen.

Getrennt gekocht, in Gedanken verbunden

Viele Gruppen setzten auf den verbindenden Charakter unserer Fastenaktion und darauf, dass es Menschen selbst auf Abstand zusammenschweißt, wenn sie sich gemeinsam für eine gute Sache stark machen. Liebevoll haben die Gruppen virtuelle Päckchen fürs Fastenessen im Netz geschnürt. Wer mitmachen wollte, konnte sich – zum Beispiel bei der Gemeinde St. Martin im Idsteiner Land – Rezepte, Gebete, Lieder und Filme zur jeweiligen Aktion herunterladen. Am 5. Fastensonntag wurde parallel gekocht, anschließend gab es einen kurzen Austausch über Zoom. Auch die Weltgruppe in Osterburken hielt Rezepte mit fair gehandelten Zutaten bereit, lud zum zeitgleichen Kochen am MISEREOR-Sonntag ein und bat um Spenden in die digitale Spendendose.

Aus der Tüte auf den Tisch

Andere Gruppen ließen sich vom derzeit starken Kochbox-Trend inspirieren. Eine Kochbox ist ein Paket mit Rezepten und den nötigen Zutaten, das auf Bestellung geliefert wird. Zum Beispiel als Fastensuppe. Wie in Recklinghausen, wo uns die Dimensionen beeindruckt haben. 205 Kohlrabi, 10 Kilo Zwiebeln, 18 Kilo Möhren, sage und schreibe 30 Kilo Kartoffeln und noch viel mehr haben Maria Voß und ihre Mitstreiterinnen von St. Antonius auf insgesamt 100 Tüten verteilt.

Gemüse für das Fastenessen
Mit einer bunten Vielfalt an Gemüsesorten füllten die Engagierten der Gemeinde in Recklinghausen alle Tüten für das „Fastenessen to go“. © Voß

Im erzgebirgischen Zwönitz gingen eine sächsische Kartoffelsuppe sowie ein Apfel-Hirse-Dessert an die Gemeindemitglieder – roh und in Einzelteilen. Weil Vorbestellung nicht vorgesehen war, wurde es am MISEREOR-Sonntag spannend: Wie würde die Aktion ankommen? Am Schluss waren alle 40 Tüten vergriffen. Später tauschten die begeisterten Abnehmerinnen und Abnehmer Fotos ihrer Köstlichkeiten aus. Auch in Rhede im Münsterland zog man ein rundum positives Fazit. Hier genossen 130 Familien eine asiatische Tomatensuppe, nachdem sie über ihr Pfarrbüro eine Kochbox mit allen Zutaten dafür bestellt hatten.

Zwei Rezeptblätter für das Fastenessen
Liebevoll gestaltete Rezepte helfen bei der Zubereitung der Speisen. © Ginzel

Profis als Partner

Fastenessen ohne Zwischenstopp in der Küche? Dazu braucht es etwas Hilfe von außen, wie etwa in Oberwesel. Hier war ein Caterer mit im Boot. Der bot beim „Fastenessen XXL“ zwei Gerichte zur Auswahl an, die hygienisch abgepackt geliefert wurden. Ein Team der Pfarreiengemeinschaft brachte sie den Familien, die vorbestellt hatten, pünktlich zum 5. Fastenwochenende samt MISEREOR-Tischsets ins Haus. Im Hillesheimer Land schloss eine ganz besondere „Woche der Solidarität“ gleich mehrere Gastro-Betriebe ein. Während dieser Woche konnten Interessierte mit freiwilligem Aufschlag für MISEREOR bei den Restaurants und Cafés im Programm ein Essen oder einen Gutschein dafür bestellen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, auch für die Partnerbetriebe, denen die Pandemie seit einem Jahr nicht unerheblich zusetzt.

Solidarität in schwieriger Situation

Überhaupt haben viele Gastronomiebetriebe eine ganz besondere Solidarität bewiesen, selbst in diesen harten Zeiten. Zum Beispiel bei einer Gemeinschaftsaktion in Schönsee: Kartoffeln, gespendet von einem Bauern vor Ort, wurden von einer Pizzeria zu 73 Portionen Suppe verarbeitet und in Weckgläser gefüllt. Ein Hotelgasthof in Ergoldsbach ging mit seiner Kartoffelsuppe ebenfalls in die Serienproduktion und bediente ganze 174 Vorbestellungen. In Kooperation mit der Dompfarrkita St. Michael setzte ein Bamberger Traditionsgasthaus zugunsten von MISEREOR eine bolivianische Erdnusssuppe auf die Mitnahme-Speisekarte.

Drei Personen in einer Küche stoßen mit Gläsern zum Fastenessen an
Fastessen mal anders: Gemeinsam mit Sternekoch Björn Freitag bereitete MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel ein Drei-Gänge-Menü zu.

Premiere: Pirmin Spiegel in der Sterneküche

Das Netz bietet die Möglichkeit, Menschen von überall her virtuell an einen Tisch zu bringen. Deshalb hat in diesem Jahr auch MISEREOR einmal zum Fastenessen eingeladen, und zwar online. Sternekoch Björn Freitag hieß Pirmin Spiegel in seiner Restaurant-Küche willkommen. Begleitet von Moderatorin Yvonne Willicks bereiteten die beiden ein köstliches Drei-Gänge-Menü zu und ließen per YouTube-Stream das Netz live teilhaben. Wer dabei sein wollte, konnte im Vorfeld die Rezepte herunterladen, sich dann beim Profi ein paar Tricks abschauen oder einfach Fragen stellen. Rezepte und Aufzeichnung dieser denkwürdigen Premiere sind übrigens unter misereor.de/kochen noch verfügbar.

Gemeinsam genießen tut immer gut…

Wir könnten in diesem Beitrag noch viele weitere Häppchen reichen. Was unsere engagierten Haupt- und Ehrenamtlichen zum MISEREOR-Sonntag serviert haben, hat unsere Vorstellungen übertroffen und uns Mut gemacht: Nicht einmal diese Pandemie kann einem so wertvollen Gemeinschaftserlebnis etwas anhaben! Und weil wir gerade jetzt Gemeinschaft ganz besonders brauchen, hier ein Vorschlag. Wie wäre es mit etwas Nachschlag, zum Beispiel einem Erntedank-Essen, ob virtuell oder hybrid? Wir haben weiterhin Appetit auf gute Ideen – und helfen gern, wenn’s an die Planung geht.


Weitere Informationen

Engagieren Sie sich mit uns für Menschen, die in Armut leben – in der Schule, in der Gemeinde, im Unternehmen oder im Freundeskreis.
Alles rund um unsere Spendenaktionen finden Sie hier.

Geschrieben von:

Als Referentin für Spenderkommunikation berät und motiviert Suzanne Lemken Gruppen, Schulen und Gemeinden bei ihrem Engagement für MISEREOR-Projekte.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Danke für diese Einblicke in so viele engagierte Aktionen! Noch mehr Dank gilt all den Frauen und Männern, Mädchen und Jungen, die an verschiedensten Orten in Deutschland unter Beweis gestellt haben: #esgehtanders
    Das macht mir Mut.

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