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Die Schuldenkrise wird verschärft

Geld für Gläubiger oder zur Bewältigung der Pandemie? Viele Länder im Süden stecken im Dilemma. Sie brauchen Schuldenerlasse.

Das Jahr 2020 hat viele ohnehin bereits kritisch verschuldete Länder im Globalen Süden tiefer in die Schuldenkrise geführt. Dafür verantwortlich ist der durch die Corona-Pandemie ausgelöste globale Einbruch der Wirtschaft.

Infolge der drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens durch die Lockdowns brach die Wirtschaft in vielen Staaten des Südens dramatisch ein: Sinkende Rohstoffpreise führten zu Einnahmeausfällen besonders in Argentinien, Mosambik und Angola. Der Tourismus als wichtige Einnahmequelle sowie für den Export bedeutende Lieferketten kamen nahezu zum Stillstand.

21 Länder sind zahlungsunfähig

Vor allem in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, die vorher schon in einer wirtschaftlich instabilen Situation waren, hat sich die Schuldensituation deutlich verschärft. Allerdings wuchsen die Schuldenberge schon vor der Corona-Pandemie in den Himmel – mit allen negativen Folgen. Analysen im Schuldenreport 2021 zeigen, dass 132 von 148 untersuchten Ländern im Globalen Süden kritisch verschuldet sind, acht mehr als im Vorjahr. Und 21 Länder sind zahlungsunfähig, weitere könnten folgen.

Die hohen staatlichen Ausgaben für die Bewältigung dieser Krise haben viele Entwicklungsländer vor ein kaum zu lösendes Dilemma gestellt: Entweder die Forderungen der internationalen Gläubiger bedienen oder die knappen Finanzmittel für den Kampf gegen Corona und die Stärkung der öffentlichen Gesundheitssysteme verwenden. Denn ärmere Länder haben weniger haushaltspolitische Spielräume, die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufangen.

G20-Finanzminister müssen reagieren

Gerade jetzt ist es nötig, dass alle hoch verschuldeten Länder eine Chance auf echte Schuldenerlasse erhalten. Die G20-Finanzminister treffen sich Anfang Juli. Dort können sie entscheiden, den Staaten im Globalen Süden, die besonders hart von der coronabedingten Rezession getroffen wurden, ihre Verbindlichkeiten ganz oder teilweise zu erlassen. Nur so können diese langfristig gegen die Folgen der Pandemie handlungsfähig sein.

Während Deutschland und andere reiche Länder Corona-Hilfen in Milliardenhöhe mobilisieren, fahren wir bei der Lösung der Schuldenkrise im Globalen Süden mit angezogener Handbremse. Das ist angesichts der Not vieler Menschen, die damit einhergeht, ein unhaltbarer Zustand.


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Geschrieben von:

Dr. Klaus Schilder ist Referent für Entwicklungspolitik mit dem Schwerpunkt Verantwortliches Wirtschaften bei MISEREOR.

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