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Sozial gerechte Städte und das „Recht auf Wohnen“

Städtische Siedlung in Lima: Immer mehr Menschen leben in Städten – damit sind Chancen und Herausforderungen verbunden. Foto: Susanne Friess/MISEREOR

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Städten. Tendenz stark steigend. Unsere Partnerorganisationen in Peru rufen dazu auf, das „Recht auf Wohnen“ für alle in der Verfassung zu verankern und lernen von Erfahrungen aus Chile und Mexiko.

In Lateinamerika kämpfen MISEREOR-Partnerorganisationen für das „Recht auf Stadt“ und ein würdiges Leben für alle in ihren Städten. Ein Ziel ist es dabei, dass das Menschenrecht auf Wohnen respektiert und umgesetzt wird. Denn damit verbunden sind auch viele weitere Rechte, wie das Recht auf Wasser, saubere Umwelt, Gesundheit, Bildung und demokratische Teilhabe.

Im Vorfeld des Welttags der Städte haben Netzwerke und Organisationen aus Peru, Chile und Mexiko zu einem internationalen Online-Forum eingeladen, um Kräfte zu bündeln und politische Entscheidungsträger*innen zu überzeugen. Ihr Ziel ist es, eine Verfassungsänderung auf nationaler Ebene in Peru und Chile zu erreichen.

„Wir gehören zu den 1,8 Millionen Familien in Peru, die einem Wohndefizit ausgesetzt sind. Doch wir sind nicht prioritär für die Regierung, die im Sinne der Interessen der Immobilienwirtschaft handelt und vor allem die Nachfrage der Mittel- und Oberschicht bedient.“

Vilma Tiburcio, Kollektiv der organisierten Bewohner*innen des historischen Stadtzentrums von Lima/Peru

Obwohl sich alle Staaten Lateinamerikas – außer Kuba – im UN Sozialpakt dazu verpflichtet haben das Menschenrecht auf Wohnen für die Bevölkerung sicherzustellen, leben auf dem Kontinent noch immer mehr als 110 Millionen Menschen in sogenannten informellen Siedlungen, meist unter unwürdigen Bedingungen.

Neben Chile ist Peru das einzige Land in Lateinamerika, in dem dieses Menschenrecht nicht (mehr) in der Verfassung festgeschrieben ist. Daher setzen sich Bewohner*innen und soziale Organisationen wie die MISEREOR-Partnerorganisation CIDAP für eine Verfassungsänderung ein, damit sich die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort nachhaltig verbessern können. In der letzten Wahlrunde im peruanischen Kongress ist die Initiative einer Verfassungsänderung aufgrund von nur drei fehlenden Stimmen gescheitert.

Das „Recht auf Wohnen“ in die Verfassung aufnehmen – um unwürdige Wohnbedingungen zu verbessern

Trotzdem geben CIDAP und die Bewohner*innen nicht auf: „Wir, die Bewohnerinnen und Bewohner, erwarten, dass die Regierung für unser Wohlergehen sorgt“, richtet sich MISEREOR-Partnerin Vilma Tiburcio direkt an die Kongressabgeordneten. Sie fordert auch, dass in Lima ein runder Tisch zur städtischen Erneuerung einberufen wird, an dem die Stadtbewohner*innen beteiligt werden. Denn schließlich kennen sie die Realität ihrer Wohnsituation am besten.

Demonstration in Lima gegen Vertreibungen von Stadtbewohner*innen. Foto: Silvia de los Ríos/CIDAP
In Lateinamerika leben viele Stadtbewohner*innen unter unwürdigen Bedingungen und ihre Menschenrechte werden missachtet. MISEREOR-Partnerorganisationen setzen sich für das Recht auf Wohnen ein. Foto: Silvia de los Ríos/CIDAP

Für ihre Initiative bekommen sie Unterstützung vom UN-Sonderberichterstatter für das „Recht auf Wohnen“, Balakrishnan Rajagopal, der sich in einer Videobotschaft an die Teilnehmenden richtet: „Es würde mich mehr als erfreuen, wenn ich die UN Generalversammlung während meiner Amtszeit darüber informieren könnte, dass Chile und Peru das Recht auf Wohnen in ihre Verfassungen aufgenommen haben.“ Denn dann sei es auch bedeutend einfacher Rechtsvorschriften zu erlassen, die die Wohnbedingungen für die Bevölkerung verbessern, die keinen Zugang zum formalen Wohnungsmarkt haben.

Vernetzung und Austausch: In Chile wird eine neue Verfassung formuliert

In Chile haben soziale Bewegungen nach Protesten im Jahr 2019 erreicht, dass eine neue Verfassung unter Beteiligung der Bevölkerung erarbeitet wird. Das berichten Aktivist*innen aus Chile. Auch hier soll das „Recht auf Wohnen“ eingebracht werden, wobei es nun auf die richtige Formulierung ankommt. Der Fokus soll auf besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen gelegt werden.

Das „Menschenrecht auf Wohnen“ bedeutet mehr als ein Dach über dem Kopf. Nur wenn Wohnraum keine Ware mehr ist, können Städte wieder sozial gerecht und nachhaltig gestaltet werden. Der erste notwendige Schritt ist die Anerkennung dieses Rechts in der Verfassung. Schlussendlich wird es aber darauf ankommen, dass dieses Recht auch umgesetzt wird.


31.Oktober – Welttag der Städte

Die Vereinten Nationen haben den 31. Oktober zum „Welttag der Städte“ erklärt, um auf die Möglichkeiten und Schwierigkeiten der globalen Urbanisierung aufmerksam zu machen.

Das Online-Forum wurde von den MISEREOR-Partnerorganisationen CIDAP (Peru) und dem Regionalbüro Lateinamerikas der Habitat International Coalition (HIC) sowie der International Alliance for Inhabitants (IAI) organisiert und mit Unterstützung von MISEREOR und CAFOD umgesetzt. Unter diesem Link kann die Veranstaltung (auf Spanisch) angesehen werden: https://fb.watch/8XlC7tOKqn/

Zahlen und Fakten: World Urbanization Prospects – Population Division – United Nations

Geschrieben von:

Clara-Luisa Weichelt arbeitet als Referentin für Zukunftsfähige Städte bei MISEREOR in der Abteilung Lateinamerika und Karibik.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Los vecinos organizados del Centro Histórico de Lima con el apoyo de la ong Cidap seguimos en la lucha por una vivienda digna, la cual hasta el momento el gobierno peruano no lo hace posible.

    Die organisierten Bewohner*innen des historischen Zentrums von Lima kämpfen mit Unterstützung der Nichtregierungsorganisation CIDAP weiterhin für angemessenen Wohnraum, den die peruanische Regierung bisher nicht zur Verfügung gestellt hat.

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