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Kolumbien: Maria Jara Gutierrez – Eine mutige Richterin

Die Liste der kolumbianischen Menschenrechtsorganisation FASOL mit den Namen ermorderter Mitarbeiter der Justizbehörden ist lang. Sie ist eine Dokumentation des Schreckens mit einer klaren Botschaft insbesondere an Richter und Staatsanwälte: Je nachdem, mit welchem Angeklagten sie es vor Gericht zu tun haben, können Urteile nach Recht und Gesetz für die verantwortlichen Justizbeamten gefährlich werden. Diese Erfahrung musste auch Maria Stella Jara Gutierrez machen.

Maria Gutierrez

Maria Gutierrez

Sie ist Richterin der 3. Abteilung für Strafsachen am Oberlandesgericht der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá. Gutierrez hatte den pensionierten Militär-Oberst Luis Alfonso Plazas Vega zu 30 Jahren Haft verurteilt: Schuldig des gewaltsamen Verschwindenlassens von elf Zivilisten. Das Verbrechen geschah vor 25 Jahren bei der Erstürmung des Justizpalastes in Bogotá. Damals hatten linke Rebellen das zentrale Justizgebäude besetzt und etwa 350 Menschen als Geiseln genommen.

Einladung zur eigenen Trauerfeier

„Kurz nach dem Urteil bekam ich zwei Todesanzeigen in mein Büro geschickt“, erzählt die Richterin bei einem Gespräch bei MISEREOR. „Mit einer Einladung zu einer Messe, bei der für die ewige Ruhe meiner Seele gebetet werden sollte“. Es folgen anonyme Schreiben mit konkreten Todesdrohungen. Schon während des laufenden Gerichtsverfahrens fahren auffällige Geländewagen mit abgedunkelten Scheiben vor der Wohnung von Gutierrez herum.

Verfolgung und Verleumdung

Bedrohliche Männer verfolgen sie zum Mittagessen oder Friseur. Unbekannte versuchen, gewaltsam in ihre Wohnung einzudringen. Ein gefälschter Geheimdienstbericht bringt die Richterin mit Drogenkartellen in Verbindung. „Auch mein Sohn wurde so sehr bedroht, dass ich beschloss, ihn zu seinem Vater zu schicken. Der lebt in einer anderen Region Kolumbiens“, erzählt Maria Gutierrez. Aber auch dort kann der 13-Jährige die Schule nur unter Polizeischutz besuchen. Medien diffamieren die Richterin als „Feindin der Streitkräfte“.  Am Tag der Verurteilung des einstigen Obersts tritt der damalige Präsident Alvaro Uribe vor die Fensehkameras, live kritisiert er die Richterin und ihr Urteil: ungerecht und für die kolumbianischen Militärangehörigen „demotivierend“. Bald darauf erfährt Maria Gutierrez von konkreten Attentatsplänen auf sie.

Kurze Verschnaufpause

MISEREOR setzt sich seit vielen Jahren für die Einhaltung der Menschenrechte in Kolumbien ein und unterstützt FASOL. Die Nichtregierungsorganisation bittet MISEREOR um Unterstützung für Maria Gutierrez. Mit Hilfe MISEREORs und Unterstützung der deutschen Behörden kommt die Richterin mit ihrem Sohn im Juni 2010 nach Deutschland: Ein halbes Jahr Sicherheit und Erholung von den Strapazen der vergangenen Jahre. Der deutsche Richterbund setzt sich beim kolumbianischen Außenministerium schriftlich für den Schutz von Gutierrez ein. Zu einer Veranstaltung im Aachener Justizzentrum kommen 60 Personen – Richterinnen, Richter und Staatsanwälte -, ein Zeichen von Interesse und Solidarität.

Ende Dezember 2010 kehrt Maria Stella Jara Gutierrez wieder in ihre Heimat zurück – früher als geplant. „Ich vermisse mein Vaterland, meine Familie und meine Beruf. Ich will weiterkämpfen“, sagte die couragierte Juristin vor ihrer Heimreise. „Durch die Hilfe aus Deutschland fühle ich mich bestärkt, mich als Richterin weiter für rechtmäßige Urteile und die Menschenrechte einzusetzen.“

Maria Gutierrez über die Justiz in Kolumbien

  • Drogenhändler, Paramilitärs, Guerilla und andere Gruppierungen bedrohen Justizangestellte so sehr, dass in Kolumbien in großem Umfang Straflosigkeit herrscht.
  • Die Justiz ist unterfinanziert, die Gehälter niedrig, die technischen Möglichkeiten mangelhaft, das Personal zu wenig.
  • Die Regierung Uribes verfolgte einen extrem konfrontativen Kurs gegen die Justiz. Und warf Richtern vor, sich „in den Dienst des Terrorismus“ zu stellen.
  •  Die Mehrheit der Richter und Staatsanwälte kämpft engagiert für Gerechtigkeit, obwohl sie die damit verbundenen Risiken kennen.

Bedrohte Gesetzeshüter

Drei Beispiele von vielen:

Jose_Fernando_Patino_LeanoJosé Fernando Patiño Leaño, Richter, wurde am 1. März 2010 in Bogotá umgebracht. Auftragskiller töteten ihn als er sein Haus verließ. Herr Patiño Leaño arbeitete seit 36 Jahren für die Justiz. Obwohl er keinerlei Drohungen erhalten hatte, kann die Tat in Zusammenhang gebracht werden mit Fällen des Paramilitarismus, des Drogenhandels und der Guerilla, die er bearbeitete.

 

 

 

Mary_Luz_Lopez_RomeroMary Luz López Romero wurde am 1. Dezember 2009 umgebracht. Sie war die Koordinatorin des technischen Ermittlungsdienstes der Staatsanwaltschaft – CTI – im Bezirk Planeta Rica im Departement Cordoba. Der Mord wird als Antwort auf eine durch den CTI koordinierte Operation gesehen, bei der mehrere Mitglieder krimineller Banden – Nachfolgeorganisationen der Paramilitärs – festgenommen wurden.

 

 

 

Jesus_Eugenio_Valencia_ValderramaDer Staatsanwalt Jesús Eugenio Valencia Valderrama, wurde durch Auftragskiller am 17. November 2010 in der Gemeinde Sevilla im Departement Valle del Cauca umgebracht. Die zuständigen Ermittler bringen das Verbrechen in Verbindung mit Untersuchungen gegen den Bürgermeister von Sevilla, die Herr Valencia Valderrama leitete.

 

 

 

Hintergrund…

… mehr über den Konflikt in Kolumbien

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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