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Eleny

Eleny sitzt auf den Ziegeln, die vor ihrem neu gebauten Haus aufgestapelt sind. Erst vor kurzem haben ihr Mann und sie den Neubau bezogen. Es ist ein schönes Haus – geräumig, mit schönen Fliesen auf dem Boden. Elenys Mann hat die rustikalen Holzmöbel selbst gebaut.

Eleny erzählt vom Leben mit der Uranmine

Eleny erzählt vom Leben mit der Uranmine

Im Haus stehen die Türen zu allen Zimmern offen – überall ist es aufgeräumt, die Räume strahlen etwas Freundliches aus.

Ich zähle drei Schlafzimmer, und denke: „Da sind wohl zwei Kinderzimmer vorgesehen“. Es ist erst ein Jahr her, dass Eleny und ihr Mann geheiratet haben.

Eleny blickt freundlich in die Kamera. Sie gibt ein Interview. Hinter ihr, in etwa zwei Kilometern Entfernung, sieht man große Erdbewegungen. Hier liegt die Uranmine des brasilianischen Betreibers „Indústrias Nucleares do Brasil“ (INB). Das Unternehmen baut seit gut 10 Jahren Uran in der Gegend ab. Seitdem hat sich das Leben in den umliegenden Gemeinden sehr verändert.

Jede Familie hat einen Krebskranken

Eleny’s Augen werden traurig, wenn sie von den vielen kranken Menschen in der Gegend spricht. Viele haben Krebs. Leukämie und Hirntumore sind besonders häufig. Offizielle Studien, die diese Beobachtung beweisen, gibt es nicht. Aber – sagt Eleny, und deutet auf die Häuser in der Nachbarschaft – hier hat fast jede Familie einen Krebskranken. Die Ursache? Radioaktive Strahlung. Vor drei Jahren untersuchte ‚Greenpeace‘ mehrere Brunnen im Umfeld der Mine: Der Urangehalt im Wasser ist höchst besorgniserregend. Die Werte lagen ein Vielfaches über den von der Weltgesundheitsorganisation festgelegten Höchstwerten. Aufgeschreckt von der Greenpeace-Studie, kamen dann auch staatliche Behörden und untersuchten das Wasser. Eine ganze Reihe von Brunnen musste geschlossen werden. Doch da die Menschen in der Region keine Alternative zu den Brunnen hatten, entfernten sie nach einiger Zeit die Siegel der staatlichen Wasserbehörde und fingen wieder an, das Wasser zu konsumieren.

„Niemand will mein verstrahltes Land kaufen“

Die staatlichen Behörden haben darauf nicht reagiert. Niemand klärt die Menschen über die Gefahren auf, die vom Uranbergbau ausgehen. „Die Regierung lässt uns mit dem Problem alleine“, beklagt Eleny. „Nur Pater Osvaldino setzt sich für unsere Belange ein, kämpft für unsere Rechte und legt den Finger immer wieder in die Wunde. Das gefällt den Behörden und dem Betreiber der Mine natürlich nicht.“Auf die Frage, warum sie und ihr Mann ihr Haus an dieser Stelle gebaut haben und nicht weggezogen sind, antwortet sie: „Ich habe hier meine Arbeit. Dort drüben ist das Haus meiner Eltern. Auf der anderen Seite lebt meine Schwester. Meine Familie lebt hier, unsere Toten sind hier begraben. Wo soll ich hingehen? Niemand will mein verstrahltes Land kaufen. Uns bleibt keine andere Wahl.“

Aber natürlich hat sie Angst. Angst vor der unsichtbaren Strahlung, die so viel Schaden anrichten kann. Beim Bauern nebenan steht ein missgebildetes Kalb im Stall. Zeigen will er es uns nicht. Er befürchtet, dass er Druck bekommt, wenn er schlecht über das Unternehmen spricht. Eleny sagt, das sei bei fast allen so. Warum sie selbst sich dann in der Umweltkommission des Paters engagiert und auch im Gespräch mit uns vor die Kamera tritt: „Wir müssen für unsere Rechte kämpfen. Wenn wir schon nicht wegziehen können, dann müssen wir sehen, dass sich unsere Situation hier verbessert, dass wir Informationen bekommen, dass wir so weit wie möglich vor den Gefahren der Uranmine geschützt werden. Ich tue das nicht nur für mich, sondern auch für die Kinder, die mein Mann und ich haben werden.“

Über die Autorin
Susanne Friess ist Beraterin für Bergbau und Entwicklung. Im März begleitete sie ein deutsches Kamerateam nach Brasilien, um dort einen Dokumentarfilm über die Problematik des Uranbergbaus zu drehen. Misereor unterstützt die Umweltkommission des katholischen Priesters Osvaldino Barboso. Dort kämpft man für Aufklärung, für die Achtung der Menschenrechte, für sauberes Wasser und eine gesunde Umwelt.

Autor:

Susanne Friess arbeitet seit 2004 für Misereor. Von 2005 bis 2008 war sie Leiterin der Misereor Dialog- und Verbindungsstelle in Lima, Peru. Seit 2009 ist sie als Beraterin mit dem Schwerpunkt Bergbau und Entwicklung für die Lateinamerika-Abteilung tätig.

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