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Zu gut für die Tonne

Verbraucherministerin Ilse Aigner stellt in Berlin neue Kampagne zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen vor. Das ist gut. Aber:

Heute Morgen habe ich den Abfall unseres Vier-Personen-Haushalts weggeworfen –  zwei Säcke voll mit was auch immer nach nur zwei Tagen – und mich an eine Zahl erinnert, die das Verbraucherministerium vor Kurzem veröffentlicht hat: 82 Kilogramm Lebensmittel werfe ich als Bundesbürgerin jährlich im Durchschnitt auf den Müll. Und trage damit zu den 11 Millionen Tonnen Lebensmittelabfällen in Deutschland bei. 11  Millionen Tonnen. Was für eine Zahl!  Unser Anteil an den über 30 Prozent, der weltweit produzierten Lebensmittel, die so wie unsere zwei Säcke heute Morgen auf dem Müll landen. Was sagt man dazu?

„Lebensmittelverschwendung!“

 

„Wegwerfgesellschaft“

So liest man gerade überall. Auch dank dem Vorstoß von Frau Aigner, die der Verschwendung nun zusammen mit Wirtschaft, Verbraucherschützern, NGOs und Verbänden den Kampf angesagt hat. Die unnötige Menge an Lebensmittelabfällen soll jetzt bis 2020 halbiert werden. Endlich!

MISEREOR macht schon seit langem auf diese Schieflage aufmerksam: Während weltweit eine Milliarde Menschen hungert, werfen wir Berge von Lebensmitteln weg. Und das, obwohl vieles davon noch genießbar wäre. Und obwohl laut Forsa 95 Prozent der deutschen Verbraucher finden, dass es wichtig ist, dass es nicht mehr so viele unnötige Abfälle gibt.

„Es ist Zeit für einen Bewusstseinswandel und für mehr Wertschätzung für unsere Lebensmittel“, sagte Aigner bei der Pressekonferenz in Berlin. Die unnötigen Abfallberge liegen ihr am Herzen, so wie mir auch. Das ist gut. Noch besser wäre es, wenn es konkrete Vorschläge zu deren Beseitigung geben würde. Auch MISEREOR fordert, dass keine Lebensmittel verschwendet werden. Es ist daher sehr zu begrüßen, dass sich Politik, Gastronomie und Landwirtschaft endlich zusammensetzen und nach Lösungen suchen. Allerdings greift es zu kurz, wenn man sich nur die Abfälle anschaut. Wir müssen uns auch fragen, wie denn die ganzen Lebensmittel erst einmal in die Kühlschränke gekommen sind.

Die Lebensmittelindustrie setzt auf immer billigere Lebensmittel und wird dabei von der Politik unterstützt. Die EU Agrarpolitik wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehrfach mit dem Ziel reformiert, auf Weltmarktpreisniveau zu produzieren. Es  kann auch nur deshalb so billig Fleisch und Milch produziert werden, weil die intensive Massentierhaltung auf importierte Futtermittel beruht. Die EU importiert Soja als Futtermittel und verbraucht dafür rechnerisch eine Fläche von 22 Millionen ha außerhalb Europas. Das ist ein Kreislauf, der durchbrochen werden muss.

Jeder muss sich an die eigene Nase packen und den eigenen Konsum hinterfragen. Aber das reicht nicht: Ohne ordnungspolitisches Umsteuern geht es nicht!

 

Autor:

Daniela Singhal ist bei politischen Aktionen in der Hauptstadt vor Ort, trifft internationale Partner und ist im In- und Ausland für MISEREOR unterwegs.

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