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„Afrika hat genug Platz“

Es gibt Menschen, die gar nichts sagen müssen und trotzdem alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auma Obama ist so ein Mensch. Als Gast auf dem Katholikentag in Mannheim schauen die Besucher schon allein zu ihr auf, weil sie die Schwester des amerikanischen Präsidenten ist.

Das ist natürlich ein Vorteil, kann aber auch zum Problem werden. Deshalb hat sie einmal gesagt: „Es ist mir wichtig, dass mir die Leute nicht zuhören, weil ich die Schwester von Barack Obama bin. Sondern weil das, was ich sage, Relevanz und Substanz hat.“

Daran kann in der Tat kein Zweifel bestehen. Auma Obama ist eine beeindruckende, redegewandte Persönlichkeit, die in Nairobi lebt, aber dank ihres Studiums in Städten wie Saarbrücken, Heidelberg und Berlin exzellent Deutsch spricht und wirklich etwas zu sagen hat. In der von MISEREOR organisierten Podiumsveranstaltung unter dem Titel „Tank, Trog, Teller“ tritt sie recht streitbar auf und wendet sich gegen die These, Afrikas Hungerproblem sei in besonderer Weise  durch das starke Bevölkerungswachstum zu erklären. „Afrika hat genug Platz für seine Landwirtschaft und könnte sich selbst ernähren. Und die enorme Zunahme der Zahl an Menschen ist vor allem ein Bildungsproblem. Gebildete Frauen wollen weniger Kinder, sie suchen vor allem nach Arbeit.“ Und an die Adresse der europäischen Regierungen sagt die 52-Jährige: „Sie können Afrika nicht retten. Was wir brauchen, ist ein echter Dialog.“

Niederländisches Hühnerfleisch in Afrika

In einer Kontroverse mit Peter Bleser, Staatssekretär im Bundesagrarministerium, prangert Obama an, dass trotz der deutlich reduzierten EU-Exportsubventionen der Verkauf von Waren aus der EU – Obama nennt etwa niederländische Hühnerfleisch  – die Märkte afrikanischer Länder für bestimmte Produkte wegen Preisdumpings zuungunsten der heimischen Landwirte beeinflusse. Bleser erwidert, afrikanische Länder hätten durchaus das Recht, ihre Grenzen gegen ausländische, oft subventionierte Billigware zu schützen. Dem widerspricht jedoch Karin Kortmann, ehemalige Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium: „Gerade das ist durch die strengen Bedingungen für Entwicklungshilfe von Organisationen wie IWF und Weltbank meist nicht möglich.“ Sie wünsche sich sehr, so Kortmann, dass bei einer Fortschreibung der UN-Millenniumsziele nach 2015 auch ökonomische Aspekte berücksichtigt werden. „Die hat man im Jahr 2000 nämlich bewusst ausgespart.“

Bezüglich des im Titel der Veranstaltung angedeuteten zunehmenden Flächenbedarfs in der Landwirtschaft liefert Horst Fehrenberg vom Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg interessante Zahlen: „30 Prozent der Weltflächen dienen der Produktion von Viehfutter. 26 Prozent davon auf Wiesen- und Weidenflächen, vier Prozent für den direkten Futtermittelanbau.“ Demgegenüber werden nur sechs Prozent der Flächen zur unmittelbaren Erzeugung von Nahrungsmitteln  eingesetzt. Darüber hinaus werde derzeit als langfristiges Ziel die Nutzung von weltweit zehn Prozent der Böden für die Erzeugung von Agrotreibstoffen angestrebt. Und dies bei gleichzeitigem Verlust von Boden etwa durch Versteppung, Verwüstung oder zu intensive Monokultur, ergänzt Fehrenbach.

Die Zeit von 90 Minuten war zu kurz, um wirklich ausführlich zu diskutieren, wie diese Gesamtentwicklung auf Dauer in einer gesunden Balance gehalten werden kann. Einig war sich die Versammlung freilich in der Ablehnung großflächiger Landnahmen ausländischer Investoren in Entwicklungsländern. Kortmann nannte hierzu ein Beispiel, das sie bei einer Indien-Reise kennenlernte: Dort verdient eine einheimische Firma viel Geld damit, den Anbau der energiereichen Jatrophapflanze  in Afrika zu forcieren, mit deren Hilfe Agrardiesel hergestellt werden kann. Auch solche Entwicklungen, zeigte sich Kortmann überzeugt, trügen ihren Teil dazu bei, dass derzeit in dürrregeplagten Ländern Westafrikas viele Menschen an Hunger litten.

Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

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