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Vom Traum der solidarischen Wirtschaft

Dieser Beitrag ist Teil 2 der Serie „Amazonien“.
Den Einstieg lesen Sie hier.
Teil 1: Ribeirinhos: Leben am und mit dem Wasser lesen Sie hier.

Wie gesagt, Limonen gibt es hier nicht viele. Neben hunderten von Obstsorten bestimmt vor allem Acai seit jeher die Wirtschaft des Dorfes. Die brasilianische Mittelschicht und Kosmetikfirmen haben die Frucht entdeckt. Dank Margaridas Engagement für eine Acai Kooperative ist die Gemeinde eigentlich bestens gewappnet, um daraus Kapital zu schlagen. Aber mit dem kooperativen Denken ist das so eine Sache…

Was ist lila, klein rund und schmeckt metallisch?

Feld mit Acaipalmen am Rande des Lago Grande

Feld mit Acaipalmen am Rande des Lago Grande

Acai: Eine Frucht, die in bis zu 40 Meter Höhe an Palmen wächst. Die Palme wächst in den Wäldern und Feldern im Überschwemmungsgebiet. Hier spendet sie Schatten und schützt den Boden vor Erosion – Und schafft Einkommen für Sammler wilder Früchte, für Kleinbauern und vor allem für Zwischenhändler.

 

 

 

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Die Kooperative: „Green Economy“ at its´best?

Acaifrüchte kurz vor ihrer Pressung in der Kooperative

Acaifrüchte kurz vor ihrer Pressung in der Kooperative

In Lago do Limao sollten die Zwischenhändler ausgeschaltet werden: Vor acht Jahren erlebte ich die Gründung einer Kooperative mit. Heute steht da tatsächlich ein kleines Haus mit Büro und Arbeitsflächen und zwei kleinen Fruchtpressen zur Saftgewinnung. Margarida steht an den Pressen und bearbeitet Acai-Früchte, die Robevaldo gerade im Wald gesammelt hat. In Tüten abgefüllt erzielt das Fruchtmark einen guten Preis. Die Brücke, die seit kurzem den Rio Negro auf 3,5 km überspannt und somit eine direkte Strassenverbindung mit Manaus ermöglicht, bringt viele Kunden in den Ort.  Im Stundentakt fahren Fahrzeuge vor und erfragen Acai. Ein perfektes Modell der Green Economy, welche den Menschen in das Zentrum stellt: Der stehende Wald schafft Einkommen für die Bevölkerung, die kleinen Agrarflächen der Bewohner werden gewinnbringend und nachhaltig bewirtschaftet. Die Mitglieder haben sich fortgebildet, sich polititisiert und kämpfen erfolgreich für bessere Bildung, Wasser, Strom und selbst ein Postamt haben sie nun erhalten, das ehrenamtlich geführt wird.

Der steinige Weg zur Utopie

Margarida in der Kooperative

Margarida in der Kooperative

Viele hatten aber Angst, dass die anderen in der Kooperative zu viel profitieren und man selber insgesamt zu wenig, klagt Margarida. Auch fehlten Leute, die das Acai verarbeiten würden: Jeder wolle nur verkaufen, nicht aber selber pressen.  „So verarbeiten wir viel weniger als wir könnten. Die Leute hier sind dran gewöhnt worden, dass ihnen alles hinterhergetragen wird. Dauernd haben Politiker Geschenke gemacht. Nun selber an etwas dran zu bleiben, fällt noch schwer.“

Trotzdem ist Margarida zuversichtlich: Neun Familien seien noch engagiert und sicher lassen sich noch weitere gewinnen. „Ich will, dass mein Traum einer solidarischen Ökonomie im Einklang mit der Natur möglich wird. Zu viel habe ich schon investiert und zu Viele haben uns dabei unterstützt. Nun stehen wir in der Bringschuld.“

Fussballspiel im Dorfzentrum

Die Aussichten stehen gut. Jedoch stelle ich mir die Frage, wie lange noch: Denn die Jugend scheint mit dem bäuerlichen Leben nicht mehr viel anfangen zu können: Fussball statt Feldarbeit, Punkfrisuren und schicke Mobiltelefone die andauernd Musik abspielen zeigen mir deutlich an, dass die Jugend bereits ganz anderen Leitbildern folgt. Die Strasse hat also auch neue Herausforderungen in die Dorfgemeinschaft gebracht.

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. „Jeder wolle nur verkaufen, nicht aber selber pressen“ – das stimmt. Die Zahl der Händler auf der ganzen Welt nimmt schnell zu. Jeder möchte Geld verdienen, ohne aber auf eigene Faust herstellen zu müssen. Diese Idee finde ich einerseits nicht so schlimm, denn so eine Lösung kurbelt Wirtschaft und Konjunktur an, andererseits trägt Sie jedoch dazu bei, dass die Preise für bestimmte Produkte immer höher werden.

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