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Ohne Watte, Wäscheklammer und grauer Brille

Zwei Wochen ist es nun her, dass wir in Dar es Salaam angekommen sind. Zwei Wochen, in denen wir täglich von neuen Geräuschen, Gerüchen und Bildern geradezu überschüttet wurden. Zwei Wochen, in denen wir das Gefühl hatten, dass wir in Deutschland in den Flieger gestiegen und auf einem anderen Planeten ausgestiegen sind. Karibu Tansania!

Bssssssrrr, arr, bababeng, miauuu, huuuup, wauu, grrrrr – So hört es sich ungefähr an, wenn wir versuchen, abends im Bett einzuschlafen. Hupende Autos, jaulende Hunde, surrende Moskitos und lachende Tansanier musizieren unser tägliches Einschlaflied. Ein Lied, dass Doro und ich nun schon fast auswendig mitsingen können und das sich langsam, aber sicher, vom nervigen Ohrwurm zur gewohnten Hintergrundmelodie wandelt. Und trotzdem hat man das Gefühl, als würde man direkt neben einem Lautsprecher stehen. Fast so, als hätten wir Watte aus den Ohren genommen.

„Das riecht nach Zimt. Nein, nach Kardamom oder hab ich das überhaupt schon mal gerochen?“ Gerüche einzuordnen, die man kennt, ist nicht allzu schwer. Werden sie aber dann mit neuen, exotischen oder auch für die eigene Nase unangenehmen Gerüchen vermischt, dann hat man bald überhaupt keine Ahnung mehr, worum es sich handelt. Dieses Problem begleitete uns, als wir im Stadtviertel Kariakoo mitten in einen tansanischen Markt eintauchten. Selbst Altbekanntes wie Bohnen bekommt hier plötzlich einen neuen, aufregenden Geruch. Fast so, als hätten wir die Wäscheklammer von der Nase gezogen.

Egal ob der Stoffladen an der Hausecke, der durch die buntesten Stoffe, Farben und Muster alle Blicke auf sich lenkt oder der Mond, der von oben nach untenhin abnimmt. Unsere neue Heimat ist bunt, fröhlich und experimentierfreudig. Alles leuchtet plötzlich viel intensiver, wie ein Regenbogen, der standhaft versucht, die Wolke aus Autoabgasen zu durchbrechen. Wenn wir durch unser Wohnviertel spazieren, entdecken wir immer wieder diese Farbenpracht. Fast so, als hätten wir die graue Brille abgesetzt.

Autor:

Ich bin Maleen, 19 Jahre alt und habe seit diesem Sommer mein Abitur in der Tasche. Mit einem großen Koffer voller Hoffnungen, Erwartungen und Abenteuerlust geht es im August für mich „Weltwärts“: Von Schwäblishausen, einer 110-Seelengemeinde in der Nähe des Bodensees, mitten hinein nach Daressalam, der größten Stadt Tansanias. Dort werde ich zusammen mit indischen Nonnen der Ordensgemeinschaft Daughters Mary Immaculate (DMI) leben und arbeiten.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Unglaublich schön geschrieben. Ich habe zwar irgendwie Kampala im Kopf bei deinen Beschreibungen, aber egal 😉

  2. Liebe Maleen,
    woow ein wunderschöner und sehr treffend beschriebener Bericht! Ich rieche, höre, schmecke und sehe alles wieder richtig vor mir, wenn ich das lese 🙂
    Viel Freude bei weiteren Geschmackserkundungen und was das Leben dort sonst noch mit sich bringt!
    Liebe Grüße aus deiner alten Heimat, wo es übrigens grade auch schön sonnig ist!

  3. Liebe Maleen,

    das hast du sehr schön beschrieben, euer Eintauschen in eine neue Kultur und Umgebung. Ich wünsche dir und Doro weiterhin viel Spaß bei der Erkundung der vielen neuen Eindrücke, die noch auf euch warten!!! Und viele Grüße an Sister Thianes!

    Liebe Grüße aus Aachen, Uta

  4. Liebe Maleen,
    farbenfroh und fröhlich, ich denke, da hast du ein Land gefunden was sehr gut zu dir passt! Gut zu wissen, dass es dir gut geht und du dich in Tansania nicht unterkriegen lässt. Liebe Grüße aus Thailand!

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