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Amarigna: Lachen bricht Eis

„Ich komme nicht in die Vorlesung, ich habe Amharisch-Unterricht.“ – „Waaaas hast Du? Was ist denn Amhaaarisch?“

Vierzig Frauen und Kinder „helfen“ mir beim Zuckerrohrkauf

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Amharisch, oder auch Amarigna, ist der gemeinsame sprachliche Nenner der Völker Äthiopiens. So unterschiedlich wie ihre Kultur sind auch die Sprachen der Oromo, der Gurage, der Tigray, der Amharer; und auch wenn das Amharische mittlerweile offizielle Staatssprache ist, wird es noch lange nicht von allen Äthiopiern beherrscht.

Vor einem halben Jahr bin ich in Aachen auf die Suche gegangen, nach einem Menschen, der mir ein paar Brocken Amharisch beibringen könnte; am Ende hat mir dieser Mensch den Schlüssel zu seinem Volk geschenkt.

Ach!, gab das ein Hallo, als sie gemerkt haben, dass ich die Patienten auch korrekt aufrufe, wenn ihr Name in amharischen Schriftzeichen auf der Krankenakte steht. Einmal diesen Überraschungseffekt erkannt nutze ich ihn immer wieder: wenn sie mir ein neues Wort nennen, kritzel ich es schnell auf Amharisch in meine nackte Handfläche und frage dann ganz unschuldig, ob es so richtig geschrieben ist.

Und meine ersten wackeligen Schritte in der Konversation: innerhalb weniger Minuten hatte sich eine Menschentraube um mich gescharrt, aus Krankenschwestern, Technikern und Patienten, alle bemüht, irgendwie am Gespräch teilzunehmen, mir neue Wörter beizubringen und dabei immer wieder in neue Lachanfälle auszubrechen.

Ein gern gesehener Gast in den Hütten der Hebammenschülerinnen

Lachen ist tatsächlich die Reaktion, die ich am häufigsten auslöse, wenn ich Amharisch spreche. Ein Lachen, das Schenkelklopfen und Bauchhalten involviert, ein Lachen, das laut ist und mich teilweise verletzt, oft verunsichert, ein Lachen, auf das ich mich verlassen kann, und das ich gelernt habe, bewusst zu provozieren. Dieses Lachen macht mich weniger fremd, weniger unnahbar, weniger reich, weniger weiß. Dieses Lachen kommt von Herzen.

Nach fast drei Monaten in Äthiopien ist mein Amharisch immer noch grottenschlecht. Aber das ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass mein Versuch Amharisch zu sprechen jeden Tag von neuem das Eis bricht.

Autor:

Julia Cordes ist Medizinstudentin im 10. Semester und arbeitet für drei Monate im Attat-Hospital im Gurageland, Äthiopien.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo, ich verfolge mit Spannung jeden Deiner Beiträge und würde gerne einen „Report“ Deiner Arbeit in die neue Schülerzeitung des FGV „setzen“. Leider habe ich hier keine „Privatnachrichtenfunktion“ gefunden, deshalb schreibe ich alles in den Kommentar hier rein :).
    Es wäre schön wenn Du mir dafür ein(ige) weitere(s) bewegende Schicksale per Email schicken könntest und evtl. noch einige persönliche Meinungen, Ideen, Appelle etc.. und etwas über deinen Lebenslauf nach der Schule.
    Meine Mailaddresse: senta.kreischer@googlemail.com

    Vielen Dank schonmal, Senta

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