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Baustellen in Doha: Kinder haften für ihre Eltern

Nachts erwachen die Baustellen in Doha zum Leben (Leider … aber mein Schlafdefizit soll hier kein Thema sein). Überall in Doha wird gebaut. Das wichtigste Projekt ist jedoch gerade der Bau eines umfassenden Klimavertrages.

Immer noch 3 Baustellen und kein Ende in Sicht

Gleich an drei Baustellen wird gearbeitet. Eine soll das Kyoto Protokoll in eine zweite Verpflichtungsperiode führen, eine zweite soll die Verhandlungen für ein umfassenderes Klimaabkommen ermöglichen. Die dritte soll schließlich einen erfolgreichen Abschluss des Klimavertrages im Jahr 2015 gewähren und die anderen beiden Baustellen verbinden und dann ersetzen. Ob die Baupläne wirklich in Doha zusammen geführt werden, ist nach wie vor offen.

Baupläne sind komplex und unübersichtlich

Die gleichen Bauteile (z.B. Klimaschutzziele, Finanzierungszusagen, Waldschutz, Emissionshandel) werden unter unterschiedlichen Namen mit fast immer denselben Teilnehmern – mal ist z.B. die USA dabei, mal nicht – verhandelt. Die Übersicht über die vielen sich dauernd ändernden und immer komplexer werdenden Baupläne traue ich allerhöchstens noch Christina Figueres zu, welche die Klimaverhandlungen seit Jahren koordiniert.

Limitierter Zugang… für die Betroffenen des Klimawandels

Demonstranten auf dem Gelände waren so gut wie nicht sichtbar, Aktionen klein und still. In einem Emirat demonstriert man einfach nicht. Gerade Journalisten dürften Bilder vermisst haben. Wirklich ärgern tut mich aber, dass auch den Entwicklungsländern der Zugang so schwerfällt. Ihnen fehlen Architekten, Zeit und Geld. Während Industrie- und Schwellenländer mit bis zu 70köpfigen Delegationen anreisen, haben kleine, besonders vom Klimawandel betroffene manchmal nur zwei, drei, vier Verhandler vor Ort, die über das Jahr noch tausend weitere Aufgabenfelder bearbeiten. So können sie kaum einen Überblick über die Baupläne wahren und schwerlich ihre Interessen in Details vertreten.

Bleib weg!

Dass in Doha keine Zivilgesellschaft zugelassen ist und symbolisch für die Konferenz fix eine Umweltorganisation gegründet worden ist (staatsnah und rein symbolisch) wurde ja auch in den allgemeinen Medien beschrieben. Doch auch die Klimaverhandlungen sind alles andere als transparent. Schon immer sind die wenigsten Besprechungs- und Verhandlungsrunden offen für Beobachter, aber so oft wie in Doha letzte Woche wurde ich nicht aus eigentlich als offen angekündigten Verhandlungen vertrieben. Interventionen der Zivilgesellschaft wurden gestrichen und – wenn überhaupt zugelassen – glatt auf 1 Minute reduziert. Da könne man es auch sofort lassen. Die Verhandler wissen schon, warum sie sich nicht mehr auf den Mund schauen lassen wollen. Es fehlt am politischen Willen, Richtfest zu feiern und das Bauwerk zu beenden. Wie soll aber umgekehrt Druck entstehen, wenn die Zivilgesellschaft nur aus zweiter Hand hört, wer das Bauende aufhält? Allein ein Aspekt fehlt dem obigen Baustellenschild aus Doha, um die Situation umfassend zu beschreiben; Kinder haften für ihre Eltern!

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

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