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Wasser – ein rares und so wichtiges Gut

Wasser, das wissen alle, ist lebensnotwenig. Doch erst seit ich hier in Tansania bin, merke ich, wie wichtig und kostbar es ist. Vor allem, wenn es nicht oder nur wenig vorhanden ist. Vieles, was Wasser betrifft, ist hier anders.

Einmal duschen bitte! Hier ist dein Wassereimer.

Den ersten Unterschied, den ich direkt am Anfang kennengelernt habe, ist, dass man mit einem Eimer duscht. In Deutschland konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie das funktionieren soll. Am ersten Tag dann habe ich gesehen, was damit gemeint ist, als da ein erst einmal völlig ungewohnter Eimer im Bad stand. Es gab zwar auch eine Dusche, aber aus der kommt, wenn überhaupt, ganz selten und dann nur wenig Wasser. Also bleibt dann nur der Eimer zum Duschen. Das läuft dann so ab, dass man den Eimer mit Wasser aus dem Wasserhahn füllt und es dann mit einem kleinen Eimer aus dem großen Eimer schöpft und über sich drüber kippt. So lange, bis man einmal ganz nass ist. Um das Shampoo dann wieder aus den Haaren zu kriegen, braucht man dann schon ein paar mehr Schöpfeimer. Und am Ende sieht man, wie viel Wasser man gebraucht hat. Das kam mir ganz komisch vor. In Deutschland kann man so lange unter der Dusche stehen, wie man möchte und denkt nicht darüber nach, wie viel Wasser über einen drüber läuft. Erst hier ist mir das zum ersten Mal bewusst geworden und ich konnte mir die Wassermenge vorstellen, die ich verbrauche, denn ich weiß ja, wie viel Wasser in den Eimer reingeht: 20 l. Jetzt könnte ich den Eimer natürlich nochmal füllen und mich abduschen, aber dann wären dass ja noch einmal 20 l. Und die Anderen, 22 Kinder, meine Mitfreiwillige und noch ein paar andere Mitbewohner, die alle zusammen denselben 2000 l Wassertank nutzen, wollen auch noch duschen…

Unser 2000l Wassertank. Die meisten der anderen größeren Hauhalte besitzen auch einen.

…Und natürlich noch alles Mögliche Andere mit dem Wasser machen: Kochen, Putzen, Blumen gießen, Geschirr spülen, Klo abspülen, Hände waschen, Wäsche waschen und trinken. Da kommt schon eine ziemliche Wassermenge zusammen. Und immer wenn der Wassertank leer ist, weiß man: jetzt sind wieder 2000 Liter weg. Das passiert ungefähr alle ein bis anderthalb Tage. Und es muss neues Wasser aus der öffentlichen Wasserleitung in den Tank gepumpt werden. Das geht nur, wenn sie Wasser führt und es Strom gibt, um das Wasser hochzupumpen. Wenn nicht, gibt es noch einen anderen Wassertank, den in den Boden eingelassen ist. Aus demkann man sich dann Wasser mit Eimer und Seil hochziehen. Das ist eigentlich nicht so schlimm, wie es sich anhört, nur ungewohnt, denn normalerweise muss man nicht so viel Kraft einsetzten, um an Wasser zu kommen. Und das Wasser ganz unten ist leider auch etwas schmutzig. Da muss man halt beim Duschen die Augen zumachen und sich vorstellen, es wäre klares Wasser.

Eigentlich sind das noch die einfachsten Möglichkeiten, um an Wasser zu kommen. Denn die meisten Menschen hier müssen, selbst auch in einer großen Stadt wie Dar es Salaam, in der es in den meisten Teilen Wasserleitungen gibt, mit ihren Eimer erst einmal lange laufen bis sie an eine Wasserquelle kommen. Und dann müssen sie das Wasser den ganzen Weg zurückschleppen. Und das mehrmals am Tag. Obwohl meine Wasserversorgung schon ungewohnt ist, bin ich froh, dass ich nicht jeden Tag Wasser schleppen muss. Trotzdem freue ich mich auch immer, wenn wirklich Wasser aus meinem Wasserhahn kommt.

Auch viele andere Sachen, die mit Wasser zu tun haben, funktionieren hier anders. Zum Beispiel Wäsche waschen. Dazu braucht man auch wieder den Allzweckgegenstand Eimer. Und es geht natürlich nur per Hand. In einem Eimer weicht man seine Wäsche in Waschmittel ein und dann heißt es Reiben. Das ist ziemlich viel Arbeit, funktioniert aber ganz gut. Danach kommt die Wäsche noch in mehrere andere Eimer mit normalem Wasser und wird ausgewaschen. Alles wie bei einer richtigen Waschmaschine, nur vielleicht nicht ganz so gut. Dabei kann man auch wieder ganz klar sehen, wie viel Wasser man verbraucht hat. Bei einer Waschmaschine steht es zwar auch drauf, aber man ist es sich nicht so bewusst, weil man es nicht genau sieht.

Eine 6 Liter Trinkwasserflasche.

Zuletzt das Wichtigste: Trinkwasser. Das bekommt man entweder in verschieden großen Flaschen bis zu 10 Litern im Laden, aus einem Filter, der aber ziemlich teuer ist, oder man kocht es sich ab. Mittlerweile bin ich dran gewöhnt, aber am Anfang war es schon komisch, dass ich nichts aus dem Wasserhahn trinken sollte, da es kein Trinkwasser ist.

Alles, was mit Wasser zu tun hat, scheint hier viel komplizierter, doch irgendwann gewöhnt man sich dran. Zurück in Deutschland wird es aber, glaube ich, schon ein komisches Gefühl sein, Wasser ohne Einschränkungen wie Stromausfall oder einem leeren Wassertank zu haben. Und vor allem zu wissen, dass man meistens eigentlich viel zu viel verbraucht.

Autor:

Ich bin Dorothea, 18 Jahre alt, und habe in diesem Sommer mein Abitur gemacht. In den nächsten 10 Monaten werde ich in Dar es Salaam bei den indischen Schwestern der "Daughters of Mary Immaculate DMI“ leben und sie bei ihrer Arbeit begleiten. Sie leiten ein Kinderheim für Mädchen, mit denen ich ihre Freizeit gestalten werde.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Das Stimmt.
    Wir haben hier den vollen Luxus und anderen Menschen auf der Welt geht es deswegen sehr schlecht. Vielleicht sollten wir uns das alles mal überlegen und etwas besseres tun, als das so kostbare Wasser zu verschwenden.

  2. Tja, so ist es wohl. Wir leben im Überfluss. Aber es ist uns nicht bewusst. Ich probiere aber, Wasser zu sparen, weil ich weiß, dass es ein kostbares Gut ist. Aber trotzdem habe ich natürlich eine Dusche, eine Spülmaschine, eine Waschmaschine … Eine wirkliche Notwendigkeit zum Wassersparen gibt es bei uns nicht. Und solange das so ist, wird sich wohl leider auch nichts daran ändern!

    LG, Uta

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