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Alomoti fühlt sich endlich sicher! – Teil 1

Die Frau, die vor mir sitzt, ist gerade mal acht Jahre älter als ich. Sie ist 55 Jahre alt, doch man sieht ihr an, wie hart das Leben einer landlosen Tagelöhnerin in Bangladesch ist. Ihre Haut ist gegerbt, ihre Hände von harter Arbeit gezeichnet, die Hornhaut an ihren Füßen spricht Bände. Schuhe trägt die Frau auch bei der Arbeit auf dem Feld nicht.

Alomoti fühlt sich sicher

Alomoti fühlt sich sicher

Bei meinen Besuchen in den Clusterhomes, der Barackensiedlung, die von der Regierung für Menschen gebaut wurde, die beim Wirbelsturm Aila 2009 alles verloren hatten, treffe ich Alomoti. Zunächst sitzen wir in ihrer Baracke. Ein tolles Haus, schwärmt sie. Endlich ein sicheres Haus mit festem Fundament und einem Wellblechdach. Sowas Gutes hatte sie noch nie in ihrem Leben. Hier kann ihr nichts mehr passieren. Wir sitzen in einem fensterlosen Haus mit genau einem Raum, der vorne und hinten eine Tür nach draußen hat. Zum Gespräch setzen wir uns nach draußen und sie erzählt mir, wie es war, als Aila ihr alles genommen hat.

Vor dem Wirbelsturm
Alomoti lebte vor dem Wirbelsturm Aila in einem Dorf ganz in der Nähe. Das Dorf wurde jedoch komplett zerstört und war danach nicht mehr bewohnbar. Manchmal geht sie dorthin zurück, in der Regenzeit kann man dort etwas Gemüse anpflanzen. Ansonsten ist der Boden nach den Überschwemmungen so versalzen, so dass zu Leben dort unmöglich ist. Vor der großen Überschwemmung durch Aila hat Alomoti als Tagelöhnerin für einen Landlord gearbeitet. Das Land, auf dem sie früher gearbeitet hat, ist unwiderbringlich zerstört. Heute werden dort auf einer Farm Shrimps gezüchtet. Wo früher 100 Tagelöhner Arbeit fanden, ist jetzt ein Wächter beschäftigt. Für eine Tagelöhnerin wie Alomoti ist das eine Katastrophe. Wo soll sie Arbeit finden?

Aila rast heran
Aila ereignete sich am 25. Mai 2009 um 10 Uhr morgens und dauerte etwa drei Stunden. Sie konnte regelrecht sehen, wie der Sturm heranraste: Ihr Haus war innerhalb von Minuten durch die rasende Geschwindigkeit des Windes und der Wassermassen zerstört. Aller Hausrat wurde mit dem Wasser weggerissen. Innerhalb einer Minute war das komplette Dorf zerstört und weggerissen und Alomoti stand bis zur Brust im Wasser. Sie ist ca. 5 Fuß groß. Gemeinsam mit einem ihrer Söhne hat sie vier Kinder auf den Schultern zur Highroad gebracht. Ihre Schwiegertochter hat noch vergeblich versucht, einigen Hausrat zu retten. Alle aus ihrem Dorf konnten sich retten, nur ein sehr alter Mann starb. Auch ein Teil ihrer Ziegen konnte geretten werden. Für die Tiere haben sie das vorbeischwimmende Heu und Stroh aus dem Wasser gefischt und getrocknet, um diese füttern zu können, erzählt sie.  Danach haben sie so schnell wie möglich versucht, auf alle möglichen Arten Trinkwasser zu sammeln, bevor weitere Brunnen zerstört werden konnten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Die Menschen helfen sich gegenseitig


 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Menschen in Bangladesch helfen sich
Als Alomoti zurück in ihr Dorf wollte, war sie völlig ratlos. Wie soll das Leben weitergehen? Wie soll sie die Familie ernähren und wovon das Haus aufbauen?. Wo das Holz für die Hütte herholen? Wo das Brennholz zum Kochen? Woher Steine? Lehm? Wie den fehlenden Hausrat wieder beschaffen?

Nur einen Tag nach Aila kam eine Gruppe von Schülern und Bewohnern aus anderen Dörfern. Sie haben ihnen geholfen und auch Hilfe aus Deutschland erhalten: 5 Kilo Reis pro Woche für die ganze Familie, Reismehl und Zucker. Die Flutopfer haben zwei Monate auf dem trockenen Damm gewohnt, dann weitere drei Monate in Notunterkünften in ihrem Dorf, das aber in der Monsunzeit nicht mehr sicher ist.

Unterschiedliche Sichtweisen
Seit November 2009 wohnt sie in einem Clusterhome, das die Regierung auf öffentlichem Land direkt neben dem Damm der Highroad gebaut hat. Hier fühlt  sich fAlomoti frei. Niemand wird sie hier vertreiben, auch kein Landlord. Endlich hat sie ein eigenes Haus! Ein Haus mit einem festen Fundament und einem Wellblechdach! Alomoti strahlt. Hier jenseits der Highroad wird auch niemals das Wasser kommen und alles zerstören. Ich schaue auf die Highroad. Eine schmale, ungeteerte Straße. Hier haben 600 Menschen campiert?! Auf der rechten Seite waren früher Reisfelder, heute sieht man nur noch Shrimp-Farmen. Die Bauern haben resigniert den Anbau von Reis aufgegeben, weil der Boden so versalzen ist.  Bis zur Highroad hat alles unter Wasser gestanden. Alomotis neue Heimat ist linker Hand. Hier fühlt sie sich sicher? Das ist doch nur die andere Seite des Damms! Aber Alomotis Vertrauen ist unerschütterlich: Hier wird ihr nichts passieren. Ihre Baracke und die Straße trennen max. 25 Meter.

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Autor:

Katrin Heidbüchel

Katrin Heidbüchel arbeitet als Referentin für Fundraising bei MISEREOR.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Ja die Armut und Unwissenheit ist sehr groß in Bangladesch. Wir in Deutschland können es uns gar nicht vorstellen. Wir haben vergessen zu beten, „gib unser täglich Brot“. In Bangladesch kriecht der Hunger aus allen Winkel der Häuser und was machen die Mächtigen bloß?
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