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Wasserräuber – „Bottled Life“: Ein Film auf den Spuren von Nestlés schmutzigen Geschäften

Der Lebensmittelkonzern Nestlé wirbt mit sozialem Engagement in Entwicklungsländern und produziert gleichzeitig Wasser auf Kosten der Ärmsten der Armen.

"Bottled Life": Ein Film auf den Spuren von Nestlés schmutzigen Geschäften

„Bottled Life“: Ein Film auf den Spuren von Nestlés schmutzigen Geschäften © bottledlifefilm.com

„Unser Report zur unternehmerischen  Selbstverantwortung ist genauso dick wie unser Finanzbericht“, sagt Peter Brabeck. Das sind schöne Worte aus dem Mund eines Mannes, der als Verwaltungspräsident von Nestlé über den größten Nahrungsmittelkonzern der Welt bestimmt. Zu schön, um wahr zu sein?

Dieser Frage stellen sich auch Regisseur Urs Schnell und Reporter Res Gehringer: Ihr Dokumentarfilm „Bottled Life – Nestlés Geschäfte mit dem Wasser“, der in diesen Tagen erstmals in deutschen Kinos ausgestrahlt wird, liest zwischen den Zeilen der großzügig gestreuten PR-Phrasen des Schweizer Weltkonzerns. Und seine Bilder sprechen eine andere Sprache als die des Lebensmittelriesen, der sich in der Öffentlichkeit gern als fortschrittlicher Heilsbringer in Sachen Wasserversorgung inszeniert. Sie enthüllen skrupellose Geschäftspraktiken, die zugunsten des eigenen Profits auch vor der Ausbeutung der Ärmsten dieser Welt nicht zurückschrecken.

Das Öl der Zukunft

Noch immer gehört die globale Wasserkrise zu den größten ökologischen Herausforderungen für die Menschheit. Wasser ist auf der Erde ein kostbares Gut,  stellt für manche gar das „Öl der Zukunft“ dar. Laut Berichten der UNO haben rund 900 Millionen Menschen auf der Erde keinen Zugang zu sauberem Wasser. „Jedes Jahr sterben mehr Kinder an verschmutztem Wasser als an Aids, Verkehrsunfällen und Kriegen zusammen“, erzählt so auch die Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation dem Reporter Gehringer in „Bottled Life“. Ganz zu schweigen von den aktuellen Weltwasserreporten der Nichtregierungsorganisationen, die teils noch düstere Prognosen offenbaren.

Nestlé-Verwaltungspräsident Peter Brabeck

Nestlé-Verwaltungspräsident Peter Brabeck
© bottledlifefilm.com

Nestlé macht mit diesem kostbaren Gut rund 7,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Wer mit dem Lebensmittelkonzern heute noch in erster Linie Kakaopulver assoziiert, täuscht sich nämlich gewaltig. Nahezu unangefochten herrscht Nestlé inzwischen auch über die lukrative Flaschenwasserbranche, vertreibt rund 70 verschiedene Marken Trinkwasser. Darunter Kassenschlager wie San Pellegrino, Perrier oder Vittel. Der Konzern hat einen Jahresumsatz von über 83 Milliarden Euro und über 280 000 Angestellte.

 

Pure Life – „Pures Leben“ aus der Flasche

Nach dem amerikanischen und europäischen Getränkemarkt will der Schweizer Konzern mit der Wassermarke „Pure Life“ die Entwicklungsländer erobern – und tut das bereits mit – wenn auch umstrittenem – Erfolg.  „Es ist eine unglaubliche Geschichte: Die Marke startete bei 0, heute ist sie eine der wichtigsten für Nestlé“, schwärmt John Harris, Präsident von Nestlé Waters, in „Bottled Life“.  Genauso unglaublich ist jedoch, auf welche Weise Nestlé sein angebliches Vorzeigeprodukt in Ländern wie Pakistan produziert und an den Mann bringt.

"Das Mineralwasser zum Familienpreis" - nur nicht in Pakistan

„Das Mineralwasser zum Familienpreis“
– nur nicht in Pakistan
© bottledlifefilm.com

Um das zu dokumentieren, geht Reporter Res Gehringer auf Spurensuche in Lahore, der zweitgrößten Stadt des Schwellenlandes. Was er findet, sind riesige Pumpstationen, in denen Nestlé das Grundwasser abpumpen lässt, um es anschließend – gereinigt und  angereichert mit künstlichen Mineralien – als „Pure Life“-Hochglanzflasche für fünfzehn Rupien, umgerechnet zehn Cent, zu verkaufen. Nur an die urbane Oberschicht versteht sich, denn der pakistanische Durchschnittsbürger, der im Jahr weniger als 517 Euro verdient, kann sich das Luxusprodukt kaum leisten.

 

Wem gehört das Wasser?

In Lahore trifft Reporter Gehringer auch auf  den dort aufgewachsenen Rechtsanwalt Ahmad Alam. Alam macht sich große Sorgen um die Zukunft seiner Heimatstadt, sollte alles so weitergehen wie bisher: „Was ich in den letzten 15 Jahren erlebt habe, ist die Verdrängung des normalen Trinkwassers, die Umwandlung von Trinkwasser in eine Ware. Unser Grundwasserspiegel fällt. Darum beginnen wir, die Brunnen tiefer und tiefer zu graben, um an Wasser heranzukommen. Der Zeitpunkt wird kommen, da das Wasser ausgeht.“

Betender Lastwagenfahrer in Lahore

Betender Lastwagenfahrer in Lahore
© bottledlifefilm.com

Den Trinkwassergiganten Nestlé stören solche Sorgen derweil wenig. Sein „Pure Life“ überschwemmt in der Zwischenzeit munter den internationalen Markt: In 27 Ländern wird die Marke derzeit verkauft und auf fünf Kontinenten hergestellt. „Pure Life“ ist das meistverkaufte Flaschenwasser der Welt. Und mit der Herstellung handelt Nestlé nicht einmal illegal, da es keine Regeln gibt, wem das Grundwasser in einem Land gehört. Doch ethisch vertretbar ist es nicht, wenn in Ländern wie Pakistan solange sauberes Grundwasser abgepumpt und teuer verkauft wird, bis die Ärmeren überhaupt nichts mehr zu trinken haben.

Wir als Kunden entscheiden mit dem Kauf der Produkte mit darüber, inwieweit wir die unmenschlichen Geschäftspraktiken von solchen Konzernen unterstützen wollen.

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MISEREOR setzt sich mit der Unterstützung verschiedener Partnerprojekte für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasserressourcen– insbesondere in der Landwirtschaft – ein: Im brasilianischen Sertão fördert MISEREOR die Kleinbauernschule IRPAA, die ein Gesamtkonzept zur Wassergewinnung und -aufbewahrung entwickelt hat. In Nigeria  ermöglicht die Diözese Maiduguri mit Unterstützung von MISEREOR Familien den Zugang zu sauberem Trinkwasser.

 

Autor:

Julia Nadenau schreibt nach einem Praktikum in der MISEREOR-Presseabteilung weiterhin für den MISEREOR-Blog. Sie stellt interessante Filme und TV-Beiträge mit Bezug zu MISEREOR-Themen vor.

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