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Taifun Haiyan: Ein Weckruf für die Klimapolitik

Wie ging es Ihnen an diesem Wochenende?

Millionen stehen vor den Trümmern ihres Lebens. www.misereor.de/nothilfe

Millionen stehen vor den Trümmern ihres Lebens. www.misereor.de/nothilfe

Ich saß schockstarr vorm Fernseher. Musste mich immer wieder vergewissern, dass ich Nachrichten und keinen Hollywood-Katastrophenfilm sah. Der stärkste je über Land gemessene Wirbelsturm ist über die Philippinen gefegt und hat eine Schneise der Verwüstung bisher unbekannten Ausmaßes hinterlassen. Haben Sie sich auch gefragt, wen Sie selbst dort kennen? Wie Sie selber helfen können? An wen Sie spenden? Mich jedenfalls hat die Katastrophe berührt. Darüber hinaus haben mich noch folgende Fragen bewegt:

Ist Haiyan Folge der Globalen Erwärmung?

Ob dieser Sturm selbst Folge des Klimawandels ist, kann nicht beantwortet werden. Fakt ist aber, dass die Anzahl der besonders starken Wirbelstürme in den letzten Jahrzehnten zugenommen hat: Die Tropenstürme werden also nicht häufiger, aber heftiger. Haiyan schreibt diesen Trend fort.

Werden wir in Zukunft so einen Supersturm als Standard wahrnehmen?

Gerade in dieser Frage ist die Klimawissenschaft noch unsicher. Vieles deutet allerdings darauf hin, dass sich der Trend fortschreiben wird. Fast genauso wichtig für die Zerstörungskraft eines Wirbelsturms sind die in Folge des Sturms auftretenden Starkregen und Sturmfluten. Diese Nachwehen nehmen in Zukunft durch den Klimawandel zu: Denn wärmere Luft transportiert mehr Regen und Sturmfluten steigen in ihrem Zerstörungspotenzial mit dem zunehmenden Anstieg des Meeresspiegels.

Ist es schon zu spät?

Dass wir den Klimawandel nur noch begrenzen, nicht aber ganz aufhalten können, ist lange bekannt. Das ändert nichts daran, dass die Begrenzung der Emissionen mit jedem Tag dringlicher wird. Und mit jedem Tag der Nicht-Vorsorge erhöht sich der Bedarf an Nachsorge: Gesellschaften und insbesondere die in Armut lebenden Bevölkerungsgruppen müssen bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels unterstützt werden und Schäden und Verluste müssen ausgeglichen werden. Wie das geschehen kann und wer die Kosten tragen muss, wird international längst verhandelt, während der politische Wille für mehr Klimaschutz hingegen keineswegs ansteigt.

Ich habe gezögert, dies zu schreiben. Warum?

Ich habe gezögert, weil es den Opfern derzeit egal ist, warum sie Eltern, Kinder, Verwandte und ihr Haus verloren haben. Ich habe gezögert, weil ich ihr Leiden nicht politisch instrumentalisieren wollte. Die Opfer brauchen jetzt Hilfe. Aber sie haben eben auch ein Recht, dass ihre Bemühungen zum Wiederaufbau nicht von zukünftigen, vielleicht noch stärkeren Stürmen zerstört werden.

In den Koalitionsverhandlungen wird derzeit über die Energiewende verhandelt. In Warschau beginnt gerade die internationale Klimakonferenz, welche den internationalen Klimaschutzvertrag aushandelt, der 2015 beschlossen werden soll. Es ist Zeit, dass dieser Weckruf mit politischem Willen zum Klimaschutz und nicht erneut mit dem Drücken der  „Snooze“-Taste beantwortet wird.

Ich berichte Ende der Woche aus Warschau, ob der Weckruf gelungen ist.

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

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