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Erste Eindrücke von den Philippinen nach dem Taifun Haiyan

Seit Mittwoch sind die MISEREOR- Mitarbeiter Brigitte Mandelartz und Elmar Noé auf der philippinischen Insel Panay unterwegs. Nach dem Einbruch des Taifun Haiyan machen sie sich von der Situation vor Ort ein Bild und bringen erste Hilfsaktionen, unter anderem mit Mitarbeitern des  MISEREOR-Philippine-Partnership-Netzwerkes auf den Weg.

Ein Beitrag von Brigitte Mandelartz und Elmar Noé

Millionen stehen vor den Trümmern ihres Lebens. www.misereor.de/nothilfe

Millionen stehen vor den Trümmern ihres Lebens. www.misereor.de/nothilfe

Wir  fahren mit dem Van von der Stadt Iloilo im Süden der Insel Panay hoch zur Küste. Je weiter wir in den Norden vordringen, um so offensichtlicher werden die Schäden an Gebäuden und Landschaft sichtbar, die der Taifun Haiyan hinterlassen hatte. In der Ortschaft Estancia, in der ca. 45.000 Menschen leben, machen wir Halt und besuchen die Houseowner Association „Sumana“, die aus etwa 82 Familien besteht. Von den 82 Häusern sind nur etwa 8 – 10 Steinhäuser weitgehend intakt geblieben, allerdings nun ohne Dächer. Alle anderen aus Bambusholz gebauten Häuser wurden durch den Taifun komplett zerstört.

Versorgungsengpässe auf Panay

Problematisch ist ebenfalls die Stromversorgung in weiten Teilen Nord-Ost-Panays, überall an den Straßen sieht man umgeknickte Strommasten.

Problematisch ist ebenfalls die Stromversorgung in weiten Teilen Nord-Ost-Panays, überall an den Straßen sieht man umgeknickte Strommasten.

Wir erfahren, dass eine erste Ladung mit Lebensmitteln aus einer privaten Spende mittlerweile in der Community angekommen ist. Das Paket enthielt Reis, Sardinen, Nudeln und Wasser, reichte aber pro Familie nur etwa für 1 Tag.  Die meisten Familien leben bisher von Lebensmittelvorräte, bzw. werden von Familienangehörigen aus der Umgebung unterstützt, die nicht vom Taifun betroffen wurden. Vor dem Taifun lebten viele Familienvom Fischfang, jedoch wurden sehr viele Boote zerstört. Außerdem trauen die Fischer sich auch derzeit noch nicht wieder zu fischen aus Befürchtungen, dass  noch Leichen der durch die im Taifun umgekommenen Menschen im Wasser schwimmen könnten. Auch landwirtschaftliche Flächen und Obstbäume wurden zerstört. Problematisch ist ebenfalls die Stromversorgung in weiten Teilen Nord-Ost-Panays, überall an den Straßen sieht man umgeknickte Strommasten.

Während des Taifuns und danach

Durch starke Regenfälle können die wenigen Möbel und Kleidungsstücke, die den Taifun unbeschadet überstanden haben, nicht trocknen.

Durch starke Regenfälle können die wenigen Möbel und Kleidungsstücke, die den Taifun unbeschadet überstanden haben, nicht trocknen.

Man berichtet uns, dass während des Taifuns die Frauen und Kinder in die wenigen stabilen Steinhäuser der Community flüchteten, um nicht von umherfliegenden Dachteilen getroffen zu werden. Die meisten Männer versuchten derweil so viel Material wie möglich zu retten, um damit den Wiederaufbau schneller beginnen zu können. Ein Mann wurde jedoch von einem großen Dachwellblech getroffen und starb noch an der Unfallstelle. Seine Frau schildert uns verzweifelt, dass sie nicht wüsste, wie es weitergehen sollte und dass sie ihren Kindern nichts mehr zu essen geben könnte.  Alle Menschen, mit denen wir in der Community sprechen, berichten uns, dass Lebensmittel und erste Hilfe beim Wiederaufbau der Häuser am nötigsten wären. Verstärkt wird die dramatische Situation dadurch, dass es seit sechs  Tagen tagaus tagein regnet,  so dass die wenigen Möbel und Kleidungsstücke, die den Taifun unbeschadet überstanden haben, nicht trocknen können.

Später fahren wir weiter nach Roxas City, wo ebenfalls etliche Ortschaften städtischer Armer vom Taifun getroffen wurden. Von dem, was wir bei diesem kurzen Besuch sehen, scheinen die Zerstörungen an den Häusern jedoch nicht ganz so schlimm zu sein wie in der Kleinstadt Estancia. Aber auch hier sind die Behausungen der städtischen Armen weitgehend zerstört. Das Social Action Center der Diözese verteilt auch hier erste Lebensmittelrationen an die Bedürftigen.

Hilfe dringend benötigt!

In weiteren Gesprächen im Laufe des Tagen gewinnen wir den Eindruck, dass  die internationale Hilfe sich auf die am stärksten betroffene Krisenregion Leyte, v.a. die Provinzhauptstadt Tacloban City, konzentriert, da von dort die höchste Todesrate gemeldet wurde. In den von uns bereisten Gebieten auf der Insel Panay ist bisher kaum Hilfe von staatlicher oder internationaler Seite angekommen. Der Flughafen in Iloilo war gespenstisch leer.  Die meisten Hilfen hier vor Ort sind derzeit eher sporadisch und häufig von Privatleuten initiiert. Unsere Partner aber sind hoch motiviert zu helfen und „stehen in den Startlöchern“ .

 

Autor:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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