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Haiti: „Mein Sohn war von den MISEREOR-Projekten überzeugt“

Seit über 30 Jahren unterstützt Ouest-France Solidarité, die Stiftung der Regionalzeitung Ouest France mit Sitz in Rennes, Projekte im In- und Ausland – darunter auch ein Projekt von MISEREOR in Haiti. Francois Régis Hutin, Präsident und Generaldirektor von Ouest France, spricht im Interview über das Engagement der Leser und die Gründe, weshalb eine französische Regionalzeitung ein deutsches Hilfswerk unterstützt.

Wie kommt es, dass eine französische Regionalzeitung weltweit hilft

Francois Régis Hutin: Wir sind die auflagenstärkste Zeitung Frankreichs. Das gibt uns eine gewisse Verantwortung. Wir sehen es als unsere Aufgabe an, unsere Leser darüber zu informieren, was auf der Welt geschieht – und zu Solidarität aufzurufen.

Wie reagieren Ihre Leser auf diese Solidaritätsaufrufe?

Francois Régis Hutin: Sehr positiv. Mittlerweile ist es schon so weit, dass sich unsere Leser wundern, wenn Ouest France bei humanitären Krisen nicht zu Spenden aufruft. Unsere Stiftung Ouest-France Solidarité erhält überwiegend kleinere bis mittlere Spendenbeiträge, die aber aufgrund der großen Auflage der Zeitung zu beachtlichen Summen führen. Gelegentlich fördern auch anonyme Einzelspender die Arbeit der Stiftung: Erst vor kurzem hat jemand zwei Goldbarren anonym an den Verlag geschickt. Mit deren Erlös soll die Arbeit von Ouest-France Solidarité unterstützt werden.

Seit Jahren unterstützen Sie auch ein Projekt von MISEREOR. Warum sammelt eine französische Zeitung Spenden für die Projektarbeit eines deutschenEntwicklungshilfswerks?

Francois Régis Hutin: Während des ersten Weltkriegs wurde mein Vater verwundet. Im Lazarett freundete er sich mit einem deutschen Soldaten an. Meine Familie versorgte die beiden mit Lebensmitteln und besuchte sie regelmäßig. Später trennten sich ihre Wege. Mein Vater wollte seinen Kameraden unbedingt wiedersehen, was ihm auch nach vielen Jahren gelang. Seitdem hat meine Familie Interesse an und eine große Offenheit für Deutschland – bis heute.

Und wie kamen Sie in Kontakt mit MISEREOR?

Francois Régis Hutin: Mein Sohn Paul hat nach der Hochschule seinen Zivildienst in Haiti geleistet, wo er in einem Projekt für kleinbäuerliche Familien arbeitete. Durch Zufall lernte er einen belgischen Berater kennen, der mit seiner Familie vor Ort lebte. Paul war oft bei der Familie und schätzte auch das fachliche Wissen des Beraters, der wie sich herausstellte, für MISEREOR arbeitete. Es ist eine intensive Freundschaft entstanden, die bis heute anhält. Das war der persönliche Teil. Fachlich war mein Sohn von den MISEREOR-Projekten überzeugt. Sie fördern die Eigeninitiative der Kleinbauern, vermitteln Wissen und Kenntnisse, bieten tatsächlich Hilfe zur Selbsthilfe.

Heute arbeitet Ihr Sohn in der Stiftung Ouest-France Solidarité mit.

Francois Régis Hutin: Genau. Und da er die Arbeit von MISEREOR in Haiti sehr gut kennt, lag es nahe, nach dem schweren Erdbeben im Januar 2010 in unserer Zeitung zu Spenden für die Opfer der Katastrophe aufzurufen. In Absprache mit dem befreundeten MISEREOR-Berater fördern wir seitdem gemeinsam mit unseren Lesern ein Projekt, in dem kleinbäuerliche Familien neue Häuser aus lokalen Materialien bauen. Gleichzeitig erhalten Jugendliche und junge Erwachsene eine Ausbildung zu Schreinern, Maurern und Tischlern.

Wieso engagieren Sie sich gerade für dieses Projekt?

Francois Régis Hutin: Uns hat überzeugt, dass die Häuser nicht für die Bauern gebaut werden, sondern gemeinsam mit ihnen. Die Betroffenen bauen ihre Häuser aus lokalen Baumaterialien und unter großem Einsatz selbst. Die Tatsache, dass Menschen vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe erhalten und nicht nach einer einmaligen Hilfsaktion mit ihren Sorgen und Nöten wieder alleine gelassen werden, halten wir für sehr unterstützungswürdig.

Das Interview führte Barbara Küpper, Länderreferentin Haiti


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… zu Ouest-Franc

Ouest-Franc ist die größte Zeitung Frankreichs. Gegründet wurde das Blatt am 2. August 1899 unter dem Namen Ouest-Eclair, um sich gegen konservative ideologische Strömungen und für eine sozialere Republik auszusprechen. Während des 2. Weltkriegs kooperierte die Verlagsleitung mit dem Vichy-Regime. Deshalb wurde die Zeitung im Sommer 1944 verboten. Doch schon am 7. August 1944 erschien die Zeitung erneut, von nun an unter dem neuen Namen Ouest France. Geleitet wurde sie von Francis Régis Hutins Vater, Paul-Hutin Desgrées, und dessen Schwager Francois Desgrées du Loû, Sohn des Gründers von Ouest-Eclair.

… zu Ouest-France Solidarité

Ouest-France hat eine lange Tradition sozialen Engagements. Schon vor dem 1. Weltkrieg hatte Ouest-Eclair als Vorgängerin der Zeitung Ouest-France zu Spenden für Fischer aufgerufen, die in der Bretagne wegen der schweren Wirtschaftskrise in Not geraten waren. Nach einer Hilfsaktion für Leprakranken in Ägypten, gründete die Zeitung 1981 die Stiftung „Ouest-France Solidarité“. Die Spendengelder der Leser kommen komplett in den Hilfsprojekten an, denn der Verlag übernimmt sämtliche Verwaltungskosten der Stiftung. Die größten Sammelaktionen gab es bisher für Polen, Äthiopien, Somalia,  Rumänien und Haiti sowie für die Opfer des Tsunamis in Asien. Derzeit laufen Spendenaufrufe für syrische Flüchtlinge.

… zur MISEREOR-Projektarbeit auf Haiti

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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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