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Henryk M. Broder tut MISEREOR unrecht

Henryk M. Broder tut MISEREOR unrecht. Dass er sich auf unzulässig zynische Weise über die Unterstützung unseres Hilfswerks für Flüchtlinge lustig macht, indem er unser Plakat „Mut ist, dahin zu gehen, wo andere fliehen“ zu einem Tipp „für Ferien in Krisengebieten“ erklärt, ist allein schon ein starkes Stück. Dass er aber gleichzeitig behauptet, MISEREOR und die Kirchen würden im Stile von „Betroffenheitsschlümpfen“ jeglichen Militäreinsätzen eine Absage erteilen und sich auf die ach so bequeme „wohlfeile Friedensliebe“ beschränken, entspricht schlicht und ergreifend nicht der Wahrheit. Und es zeigt, dass er die auf dem Plakat zu findende Erklärung nicht wahrgenommen hat.

Mut ist da hin zu gehen, wo andere fliehen.

Mut ist, dahin zu gehen, wo andere fliehen.

Erst vor wenigen Tagen hat MISEREOR-Geschäftsführer Martin Bröckelmann-Simon in einem KNA-Interview zu einer möglichen Militärintervention in Mali erklärt, MISEREOR betrachte den Einsatz von Waffengewalt zwar mit großer Skepsis, doch könne ein Militäreinsatz zum Schutz der Bevölkerung als letztes Mittel gerechtfertigt sein. Diese Haltung unseres Hilfswerks ist nicht neu: Schon im Sommer des Jahres 2003 veröffentlichte MISEREOR zusammen mit den Hilfswerken Brot für die Welt und Evangelischer Entwicklungsdienst ein Positionspapier, in dem es heißt: „Wir halten an dem Vorrang der Prävention von gewaltsam ausgetragenen Konflikten fest, sehen aber zugleich, dass nach Auffassung vieler, auch in den eigenen Reihen, die Zahl der Gewaltsituationen zunimmt, in denen nur durch multilaterale militärische Interven­tionen Menschenleben gerettet werden können.“ Gleichwohl hat MISEREOR stets energisch eingefordert, dass vor einem Militäreinsatz alles dafür getan wird, eine sich zuspitzende Situation mit den Mitteln der Diplomatie, der humanitären Hilfe oder der wirtschaftlichen Unterstützung zu entschärfen. Zudem müssen die tiefer liegenden Ursachen einer solchen Krise bekämpft werden.

Mut ist Waffen mit Worten zu bekämpfen.

Mut ist, Waffen mit Worten zu bekämpfen.

Henryk M. Broder argumentiert nicht fair, wenn er das MISEREOR-Plakat „Mut ist, Waffen mit Worten zu bekämpfen“ als Beleg dafür anführt, unser Hilfswerk fröne als „Trittbrettfahrer des Zeitgeistes“ einem undifferenzierten und wirklichkeitsfremden Radikal-Pazifismus. Tatsächlich bezieht sich das Plakat ja konkret auf die Bemühungen der MISEREOR-Partnerorganisationen im Sudan, der dortigen Bevölkerung nach 50 Jahren blutigen Bürgerkriegs mit umfassender Bildung neue, friedliche Zukunftsperspektiven zu ermöglichen. Wie kann es sein, dass Herr Broder diesen Zusammenhang, der auf dem von ihm fotografierten Plakat erläutert wird, in seiner Polemik einfach ignoriert?

Diese Projekte haben es ebenso wenig verdient, von Herrn Broder polemisch diffamiert zu werden wie die umfassende Hilfe von MISEREOR in Syrien und seinen Nachbarstaaten. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Partnerorganisationen unseres Hilfswerks setzen sich in Aleppo und Homs, Damaskus und Kouseir für die Opfer des Bürgerkriegs ein. Bomben abfangen, wie Herr Broder beklagt, können sie in der Tat nicht. Aber sie verteilen Care Pakete, organisieren Unterkünfte und stehen den Menschen bei. Jeden Tag und unter Lebensgefahr.


Zum Artikel von Henryk M. Broder: Pazifisten gehen fürs reine Gewissen über Leichen (Die WELT, 04.02.2014)


Erfahren Sie mehr…

zur „Mut zu Taten“- Kampagne von MISEREOR:  www.misereor.de/mut-zu-taten


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Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

9 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Dieser Kommentar wurde entfernt.
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    Die Redaktion

  2. Leider hat Herr Allgaier die Botschaft von Broders Kommentar nicht begriffen. Exemplarisch: „Tatsächlich bezieht sich das Plakat ja konkret auf die Bemühungen der MISEREOR-Partnerorganisationen im Sudan, der dortigen Bevölkerung nach 50 Jahren blutigen Bürgerkriegs mit umfassender Bildung neue, friedliche Zukunftsperspektiven zu ermöglichen.“ Nach 50 Jahren blutigen Bürgerkrieges Herr Allgaier, können Sie das nicht erkennen was Broder da anmahnt? Oder wollen Sie nicht? 50 Jahre tatenlos zusehen – um dann zu helfen – den Glücklichen die noch leben. Seine traurigen Beispiele und Parallelen die er im Artikel aufführt kann doch jeder nachvollziehen, also vielleicht sollten Sie mal überdenken, ob ihre Plakataktion die richtigen Botschaften vermittelt? Überzeugt hat mich ihre Replik jedenfalls nicht.

  3. Lieber Herr Allgaier,

    Ich weiß ja, dass es ebenso schwierig wie unbequem ist, Texte gründlich zu lesen und deren Inhalt zu erfassen. Und gerade Herr Broder macht’s es dem flüchtigen Leser nicht immer leicht. Aber es bleibt einem halt leider nicht erspart, wenn man auf die Polemik von Broder angemessen reagieren will. Andernfalls steht man am Ende als intellektuelles Leichtgewicht da, das sich allenfalls an Meinungsartikeln der Bildzeitung abarbeiten kann.
    Sollten Sie sich in der Tat der Mühe unterziehen,sich den Text noch einmal vorzunehmen, würde ich Ihnen empfehlen den Versuch zu unternehmen Broders Kernaussage herauszuarbeiten. (Leitfrage: Hätten Sie in Ihrem Dorf, wenn es von e.g. eIner Bande Al Quaida Terroristen angegriffen wird, lieber einen Zug US Marines oder einen Haufen Gutmenschen von Misereor?)

  4. Ja was wollen Sie denn mit Ihrer Plakataktion erreichen? Vielleicht dass sich nicht massenweise Deutsche ins Kampfgetümmel stürzen? Oder was? Das sind doch schlichte Glückskekssprüche. Copyright by Kässman oder Dalai Lama, je nach Belieben. Ich war 8 Jahre lang Berufssoldat in einer französischen Einheit und ich glaube, dass ich und meine Kameraden ein Vielfaches für die betroffenen Menschen und den Frieden geleistet haben, als jeder Misereorfuzzi, der sich ganz toll fühlt, wenn er sein Plakat sieht.

  5. Das Plakat hat mich auch auch nur geärgert!
    Da werden Christen in fast allen Islamischen Ländern geschlachtet, entrechtet und misshandelt, und sollen dann bleiben? Oder da hin gehen? Ich will das nicht an den Symptomen gearbeitet wird, sondern mal klargestellt wird, was da läuft. Der Genozid an den Armeniern hat keine Lobby und vergessen ist er eigentlich auch. In Syrien werden die Christen vertrieben und getötet und die Verbrecher (beide Seiten!) werden aber auf der einen Seite als „Rebellen“ dargestellt. Diese Plakataktionen klären nicht auf und sind zynisch, so einfach ist das.

  6. Für einen Katholiken scheint er ziemlich bibelfest zu sein, Ihr Brökelmann-Simon:

    „MISEREOR betrachte den Einsatz von Waffengewalt zwar mit großer Skepsis, doch könne ein Militäreinsatz zum Schutz der Bevölkerung als letztes Mittel gerechtfertigt sein“

    „Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Übel.“
    Matthäus, 5,37

    Ich denke Broder meint:
    Kohelet 3,1-8

  7. Naja,

    Herr Broder hat schon ein wenig recht. MUT ist der völlig falsche Begriff. Mit MUT hat die Arbeit von Misereor nichts zu tun. GUT wäre das bessere Wort dafür.

  8. Mal von außen – als Laie – betrachtet:
    Das Thema ist unglaublich schwierig als „Werbung“ umzusetzen. Ich kenne die Plakatkampagne und empfinde sie als einer der bestumgesetzen dieser Art! Sie zeichnet kein weinerliches Mitleidsbild, sondern überzeugt mit Mut und Entschlossenheit. *Das* finde ich stark.

  9. Herr Broder sollte als Medienmensch der Kunst des kompletten Zitierens mächtig sein: „Wir unterstützen die Mutigen im Sudan, die nach 50 Jahren Bürgerkrieg neue Schulen bauen.“ Das steht gut lesbar unter dem Titel des Plakats.

    Muss ich mir Sorgen machen? Ist er wirklich so „weitsichtig“, dass er selbst kurze Botschaften auf Plakaten nicht mehr bis zu Ende liest? Oder will er es einfach nicht?! Oder ist sein Beitrag nur Polemik um der Polemik willen?

    Kindern und Jugendlichen den Schulbesuch zu ermöglichen, erscheint mir für ein Hilfswerk die passende Hilfe für den Aufbau einer friedlichen Nach-Bürgerkriegsgesellschaft wie im Sudan zu sein. (Waffen sollte MISEREOR vermutlich selbst in den Augen von Herrn Broder nicht liefern, oder?) Und Bildung ist ganz sicher vernünftiger, als Kinder und Jugendliche sich selbst zu überlassen. Dort, wo junge Menschen keine Perspektiven für sich sehen, kommt es nur allzu oft zu einer politischen Radikalisierung und Fanatismus.Wie brüchig der Frieden im Südsudan ist, haben doch die letzten Wochen gezeigt. Mit welchen Waffen wollen Sie da eingreifen, Herr Broder? Oder wollen Sie die Menschen dort sich selbst überlassen?

    Nein, nicht jede politische Spannung lässt sich mit Schulbänken lösen, genauso wenig wie Waffeneinsatz eine Patentlösung ist. Und gerade bei Syrien stellt sich ja durchaus die Frage: Wen unterstützen wir denn im Zweifelsfall mit Waffen? Haben Sie da den Überblick, Herr Broder? Polemik ist mindestens so leicht daher geredet wie der von Ihnen so gescholtene naive Pazifismus.

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