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Warum man in Kambodscha die Füße besser unterm Po hat

Erlebnisse während eines Freiwilligendienst-Partnerworkshops in Thailand

Der Austausch über Erfahrungen und Herausforderungen mit dem Freiwilligendienst sowie das gegenseitige Kennenlernen standen im Mittelpunkt des Partner-Workshops in Hua Hin / Thailand.

Der Austausch über Erfahrungen und Herausforderungen mit dem Freiwilligendienst sowie das gegenseitige Kennenlernen standen im Mittelpunkt des Partner-Workshops in Hua Hin / Thailand.

Kambodscha, Thailand, Indien, Osttimor und die Philippinen:  Auf einem Partner-Workshop in Hua Hin in Thailand hatten wir jetzt die Gelegenheit unsere asiatischen Freiwilligendienst-Partnerinnen und -Partner aus diesen Ländern persönlich kennenzulernen. Gemeinsam arbeiteten wir eine Woche zu Fragen rund um den Freiwilligendienst.  Ob Unklarheiten, Herausforderungen oder einfach die alltäglichen Erfahrungen im und mit dem Freiwilligendienst: Ziel des Workshops war es, über alles einmal zu sprechen, um somit Verbesserungen oder Änderungen in unserer Arbeit zu erreichen. Das persönliche Kennenlernen, den direkten Austausch und das Einbeziehen aller beteiligten Akteure war dabei von großer Bedeutung.

Erfahrungen mit MISEREOR-Freiwilligen, die haben bereits alle 17 Workshopteilnehmer.  Ob als Mentoren oder einfach als Gesprächspartner: Sie sind da, wenn unsere Freiwilligen Hilfe benötigen. Der Workshop ist so konzipiert, dass die Teilnehmer ihre Themen und ihre Fragen zum Freiwilligendienst einbringen können. Für einige ist das eine ganz neue Erfahrung, da sie es gewohnt sind, einen vorgefertigten Ablauf oder „Timetable“ zu bekommen. Dass hier die Workshop-Agenda selbst bestimmt wird, ist neu, macht aber auch neugierig. Also sammeln wir Themen, die den Partnern unter den Nägeln brennen: Pflichten und Verantwortlichkeiten im Freiwilligendienst, verantwortungsvolle Begleitung der Freiwilligen vor Ort, Erleichterung der Phase des Ankommens, Krisensituationen… Aber auch die Frage, welche Talente die Freiwilligen mitbringen und wie diese eingebracht werden können, steht auf der Agenda. Und last but not least: Welche (kulturellen) Do’s and Dont‘s existieren in den einzelnen Ländern?

Do´s and Dont´s – Über kulturelle Besonderheiten

AustauschDer Austausch zu den kulturellen Besonderheiten ist besonders lebhaft und heiter. Und es wird schnell deutlich: Die Liste der möglichen Fettnäpfchen erscheint schier endlos… Fröhliches Pfeifen auf der Straße ist in Timor-Leste? Völlig verpönt. Dagegen sollte man in Kambodscha in einem Sitzkreis stets seitlich sitzen. Warum? Weil es als respektlos gilt auf andere Menschen mit den Füßen zu zeigen. Also, Füße immer unter den Po! Kritik äußern in Thailand? Ein heikles Thema. Doch es gibt verschiedene Strategien, sie dennoch los zu werden. Aber man braucht Geduld, sagen die Thais. Feedback in Indien? Was verstehen Sie unter Feedback? Oh, da gibt es völlig unterschiedliche Interpretationen. Interessant. Auf den Philippinen bereitet man anderen übrigens eine Freude, wenn man viel lächelt und sich selbst nicht zu ernst nimmt. Und was ist mit Deutschland?

Ja, was ist mit Deutschland?

Höhepunkt des Programms ist der kulturelle Abend mit einer echt kölschen Polonaise.

Einer der Höhepunkte: Der kulturelle Abend mit einer echt kölschen Polonaise.

Das Interesse der Partner ist groß: Wie wachsen junge Menschen in Deutschland auf? Was beschäftigt sie? Wie wichtig ist ihnen Familie, Religion, Selbstbestimmtheit? Wie leben sie Beziehung, was bedeutet Beziehung für sie und wie wird dies gesellschaftlich gesehen? Eine Workshop-Einheit widmen wir spontan dann diesem Thema. „Anfangs war ich oft genervt von den vielen Fragen, die deutsche Freiwillige stellen und ich empfand die Fragerei als unhöflich. Mir war nicht klar, dass Kinder in Deutschland schon frühzeitig dazu ermuntert werden Fragen zu stellen oder sich kritisch mit bestimmten Themen auseinanderzusetzen. Jetzt verstehe ich, dass dies auch mit der Vergangenheit Deutschlands zu tun hat. Ich denke, ich kann die vielen Fragen von Freiwilligen nun besser einschätzen, “ so Meding aus Kambodscha. Ein Partner aus Indien berichtet, dass er oft irritiert sei, wenn deutsche Freiwillige sich zurückzögen und einfach mal alleine sein möchten. „Das Konzept Alleine-Sein-Wollen kenne ich gar nicht. Ich bin immer unter Menschen. Aber der Freiwilligendienst ist eben ein Lerndienst, auch für uns. Wir lernen ja auch etwas über den Umgang mit anderen Menschen und die deutsche Kultur.“ Das gemeinsame Voneinander-Lernen während des Workshops steht für alle im Vordergrund. So werden neben vielen Erfahrungen auch praktische Hilfestellungen für den Alltag ausgetauscht. Nach Deutschland nehmen auch wir auf alle Fälle jede Menge Ideen und Anregungen mit.

Höhepunkt des Programms ist allerdings der kulturelle Abend mit einer echt kölschen Polonaise durch den Seminarraum. Diese Deutschen sind wirklich verrückt! 😉

Was bleibt

Eine Partnerin aus Delhi sagt zum Abschied: „Durch den Freiwilligendienst mit MISEREROR wurde unsere über 10-jährige Partnerschaft auf eine besondere, ganz neue Weise vertieft und intensiviert. Für das Vertrauen und die gegenseitige Wertschätzung sind wir dankbar. Die Zusammenarbeit hat unsere Beziehung zueinander gestärkt.“

Auch wir sind dankbar für den konstruktiven, intensiven Austausch und das ehrliche Miteinander während des Workshops. Und dankbar für die enger werdenden Beziehungen, die uns rund um den Globus verbinden.

Über die Autoren: Regina Hundt und Anna Steinacher leiten den Freiwilligendienst bei MISEREOR.

Finanziert wurde dieses Treffen durch das weltwärts-Programm.


Weitere Informationen…

…zum Freiwilligendienst mit MISEREOR.


 

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Anna und Regina,

    der Freiwilligendienst ist eine wichtige Sache in Sachen interkultureller Austausch. Das denke ich immer wieder, wenn die Freiwilligen von ihren Einsätzen berichten. Kein großer Trara auf politischer Ebene, der bei den meisten Menschen eh nicht ankommt, sondern kleine Schritte, die der alltäglichen Verständigung und des gegenseitigen Verstehens dienen. Toll, dass alles so gut geklappt hat.

    Noch ein nachträgliches Alaaf von mir zu eurer tollen Polonaise …

    Uta

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