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Kochen mit Kohlrabiblättern

Wie verschwenderisch unsere Gesellschaft mit Nahrungsmitteln umgeht, lässt sich beim Fleisch besonders gut verdeutlichen. „Was nach dem Schlachten zum Beispiel eines Rindes von den Kunden beim Metzger nachgefragt wird, sind vor allem das Filet und das Roastbeef“, sagt Arpad Dobriban, Künstler und Hochschuldozent aus Düsseldorf. Der Rest werde zu Hackfleisch zerkleinert, verwurstet oder – weggeworfen. Dobriban ist jemand, den das nicht ruhen lässt. Er möchte, dass die Menschen die Bedeutung all dessen wieder schätzen lernen, was heute vielfach in der Tonne landet, aber mit Genuss gegessen werden könnte.

 Arpad Dobriban, Künstler und Hochschuldozent aus Düsseldorf.

Arpad Dobriban, Künstler und Hochschuldozent aus Düsseldorf.

Auf dem Katholikentag in Regensburg steht er auf Einladung von MISEREOR auf der Bühne und kocht live. In den Topf kommen: Möhrengrün, die dunkelgrünen, meist nicht mitverarbeiteten Teile einer Porreestange, Kohlrabiblätter, Kräuter und Semmelbrösel. Daraus entsteht ein veganes Gericht. Und auf einer anderen Herdplatte wird aus Fleischknochen, Möhren, Porree und Sellerie eine kräftige Brühe zubereitet. Von Moderator Jörg Nottebaum gefragt, warum es so wenig populär ist, mit Zutaten etwas zuzubereiten, die heutzutage eher als zu entsorgende Reste gelten, meint Dobriban, viele Menschen nähmen sich nicht mehr die Zeit, in Ruhe etwas zu kochen. Seine Gerichte müssen lange auf dem Herd stehen. Und immer weniger Leute wüssten, was sie mit solchen Lebensmitteln machen können. Dabei sei die Vorbereitung solchen Essens selten aufwendig, und während dieses  kocht, könne man anderes tun. „Gerade lange gekochte Speisen erzeugen ein besonderes Wohlgefühl“, ist Dobriban überzeugt. Etwa  jene Art von Fleischbrühe, die neben dem veganen Gericht auf der Bühne entsteht und von Michael Kleine, dem Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei MISEREOR gekocht wird, sei von früheren Generationen gerne dazu eingesetzt worden, um Kranke wieder aufzupäppeln.

Michael Kleine, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei MISEREOR, ist leidenschaftlicher Hobbykoch und probiert gerne neues aus.

Michael Kleine, Leiter der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei MISEREOR, ist leidenschaftlicher Hobbykoch und probiert gerne neues aus.

Dobriban hält weder ein Plädoyer für vegetarische/vegane Kost, noch verteidigt er den Hang zum regelmäßigen Fleischessen. Er fordert mehr Wertschätzung für alle Nahrungsmittel ein, macht aber auch deutlich, dass die industrielle Produktion von Obst und Gemüse aus seiner Sicht ebenso wenig ethisch vertretbar ist wie Massentierhaltung. Mit dem Einsatz von Chemikalien und Hormonen werde Nahrungspflanzen ähnliches Leid angetan wie nicht artgerecht gehaltenen Schlachttieren.

Benjamin Luig, Experte für Ernährung und Landwirtschaft bei MISEREOR, betrachtet die Thematik differenziert. "Es gibt Länder und Kulturen, in denen Tierhaltung und der Verzehr von Fleisch und Milch ein wichtiger Teil des Ernährungssystems sind."

Benjamin Luig, Experte für Ernährung und Landwirtschaft bei MISEREOR, betrachtet die Thematik differenziert. „Es gibt Länder und Kulturen, in denen Tierhaltung und der Verzehr von Fleisch und Milch ein wichtiger Teil des Ernährungssystems sind.“

Auch Benjamin Luig, Experte für Ernährung und Landwirtschaft bei MISEREOR, betrachtet die Thematik differenziert. „Es gibt Länder und Kulturen, in denen Tierhaltung und der Verzehr von Fleisch und Milch ein wichtiger Teil des Ernährungssystems sind.“ Auf der anderen Seite habe der hohe Fleischkonsum in Europa massive Folgen für arme Bevölkerungsgruppen etwa in Argentinien und Paraguay. Dort werde in immer größerem Maße Soja in Monokultur angebaut, das zur Herstellung von eiweißreichem Mischfutter für die Fleischindustrie auf unserem Kontinent nötig ist. In der Folge würden Kleinbauern von ihren Feldern vertrieben oder litten unter exorbitantem Pestizideinsatz.

Während Luig erläutert, dass der Welthunger mit fairen Preisen für die Produzenten von Nahrungsmitteln und dem besseren Zugang zu Land und Ressourcen eingedämmt werden könnte, wird das Essen aus Resten langsam fertig. Und Dobriban sowie MISEREOR als Organisator des Kochevents auf  dem Regensburger St. Kassians-Platz können zufrieden sein. Die Zuschauer haben die Vorführung aufmerksam verfolgt  und wollen jetzt auch kosten. Die Reaktion nahezu aller: „Schmeckt!“

 

Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Herr Rüssel,

    anbei finden Sie eine grobe Fassung des Rezeptes, so wie wir es notiert haben: Hauptbestandteil ist das feine Grünzeug von den Möhren, das abgezupft und kleingeschnitten wird. Die Stiele werden nicht verwendet, das gilt auch für die anderen Stiele, die sorgfältig rausgeschnitten werden, dazu Mangold-Blätter, Spinatblätter, Kohlrabieblätter und sehr viele Salbeiblätter. Alle ohne Stiele. Das ganze wird 3 Stunden lang in einem Topf gedünstet, zunächst mit sehr viel Öl und dann immer unter Zugabe von etwas Wasser weitergedünstet. Es darf nicht anbrennen. Gewürzt wird es mit Salz und Pfeffer und überstreut mit in Öl geröstetem, gemahlenen und gewürzten Brot.
    Viele Grüße
    Ralph Allgaier und Michael Kleine

  2. Das kochen mit Kohlrabiblättern kenne ich noch von meiner Oma 😉 Ich denke wir sind in der Hinsicht auch einfach etwas verwöhnt. Es wird nur das gegessen was wir kennen, alles andere, wie zum Beispiel andere ebenfalls leckere Teile vom Rind kennen wir nicht, essen wir nicht.

    Ich sehe mir auch gerne Reportagen über Afrika an und was die dort aus „Müll“ würden wir hier sagen zaubern ist wirklich beeindruckend.

  3. Sehr geehrter Herr Allgaier,

    ich war mit meiner Familie auch bei der Show und es war echt lecker. Rinderbrühe koche ich auch immer so, aber das vegetarische Essen war eine Neuheit für uns.

    Gibt es hierzu auch ein genaueres Rezept? Wir haben wegen unseres kleinen Sohnes leider nicht mitgeschrieben.

    Freundliche Grüße

    Oliver Rüssel

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