Suche
Suche Menü

Entwickelt Euch! – Protokoll eines Podiums

Noch ein weiter Weg – das ist das Fazit der spannenden Diskussion um die Frage, ob Kirche ein wirklich wichtiger Player ist, den öko-sozialen Wandel voranzutreiben. Zuerst kommt ein Impuls bei der Diskussion „Kirche als Treiber des ökosozialen Wandels?“

"Wir im Norden nehmen den Ländern des Südens zunächst für unsere eigene Entwicklung ihre Ressourcen. Und wenn diese Länder dann unserem Beispiel folgen wollen, sagen wir ihnen, bitte nicht in unsere Richtung, weil gar nicht alle Menschen auf der Welt so ein Leben voller Überfluss leben können."

„Wir im Norden nehmen den Ländern des Südens zunächst für unsere eigene Entwicklung ihre Ressourcen. Und wenn diese Länder dann unserem Beispiel folgen wollen, sagen wir ihnen, bitte nicht in unsere Richtung, weil gar nicht alle Menschen auf der Welt so ein Leben voller Überfluss leben können.“, sagt Georg Stoll.

Die Diskussionsteilnehmer um Kardinal Reinhard Marx nicken zu den Worten von Inge Paulini, der Generalsekretärin des wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung. Leider bewegten sich alle globalen Megatrends seit Jahren in die falsche Richtung, erläutert sie, egal, ob es ums Klima und Rohstoffgewinnung oder um das „richtige“ Konsumverhalten gehe. Wir bräuchten daher einen breiten Konsens in unserer Gesellschaft über die Frage, wie wir die Lebensgrundlagen für uns selbst, aber auch für zukünftige Generationen bewahren wollten. Dazu bräuchte es jedoch nicht nur eine staatliche Rahmensetzung, sondern auch die großen zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie jede und jeder einzelne müssten daran nach besten Möglichkeiten mitwirken. Das Publikum applaudiert.

Die Kirche sei genau dazu bestens geeignet, folgert daraus Prof. Hubert Weiger, BUND-Vorsitzender, denn in diesem übergreifenden Transformationsprozess spiele sie deshalb eine große Rolle, weil sie wie kein anderer die Möglichkeiten habe, Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schaffen: Mit jeder Predigt, mit jeder offiziellen Verlautbarung könne man das Thema kommunizieren.  Das passiere ja schon, bestätigt Kardinal Marx, im Kleinen, z.B. bei einem Pfarrfest, genauso wie im Großen, wie z.B. beim Katholikentag, der ja sogar klimaneutral organisiert sei. Das Publikum applaudiert.

So weit herrschte also Einigkeit bei diesem Podiumsgespräch. Die wird dann aufgemischt, als der Sozialethiker Prof. Markus Vogt einen organisatorischen Rahmen verlangt, und sich damit an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz wendet.  So habe die Kirche vor 50 Jahren mit der Enzyklika Populorum progressio die Armut in den Blick genommen, und dann innerhalb weniger Jahre mit Partnerschaften mit der Kirche im Süden etwas ganz Neues gestaltet. Dabei sei viel investiert worden, personell und finanziell. So etwas fehle bei der Kirche zum Thema Nachhaltigkeit jetzt noch völlig, also den Hilfswerken vergleichbare Institute, die für diesen Transformationsprozess arbeiten. Das Publikum applaudiert.

Der Kardinal widerspricht nicht – der Papst arbeite ja bereits an einer Umweltenzyklika, merkt er an. Jetzt meldet sich Georg Stoll zu Wort, der bei MISEREOR das Projekt „Entwicklung im Dienst der Armen“ gestaltet. Die Ortskirchen in Afrika, Asien oder Lateinamerika lebten in einer doppelten Spannung: „Wir im Norden nehmen den Ländern des Südens zunächst für unsere eigene Entwicklung ihre Ressourcen. Und wenn diese Länder dann unserem Beispiel folgen wollen, sagen wir ihnen, bitte nicht in unsere Richtung, weil gar nicht alle Menschen auf der Welt so ein Leben voller Überfluss leben können.“ Das Publikum applaudiert.

Ja, bestätigt der Kardinal, wir brauchen einen roten Faden bei der Frage: Wie wollen wir leben, heute und in 20 oder 30 Jahren? Und genau für diese Frage brauchen wir dringend eine Aufwertung durch die Bischöfe, fordert jetzt Georg Stoll, denn die Bischöfe prägten nun einmal das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit. Nur so gewänne das Anliegen Aufmerksamkeit. Das Publikum applaudiert.

„Bitte jetzt nicht uns Bischöfe zu Politikern machen“, bittet da der Kardinal. „Wir haben zum Beispiel schon sehr gute Texte zum ökosozialen Wandel geschrieben.“ Aber leider sei es nun mal so: Die Kirche sei zwar weltweit aktiv, aber leider im organisatorischen Sinne nun mal kein Weltkonzern.  Die Umsetzung dieses öko-sozialen Wandels  könne deshalb nur in sehr vielen sehr kleinen Schritten vor Ort erfolgen. Wir stünden also erst am Anfang eines noch langen Weges. Das Publikum applaudiert.

Mein Sitznachbar schimpft. „Das ist doch alles butterweiche Sauce“, klagt er. „Ein langer Weg, wenn ich das schon höre! Das dauert doch ewig, bis sich da etwas ändert.“  Niemand applaudiert.
Außer mir hat es niemand gehört.

Autor:

Gottfried Baumann

Gottfried Baumann arbeitet als Medienreferent bei MISEREOR.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Sichherheitsüberprüfung * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.