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Asado argentino und wildes Affengeschrei!

Mein zweites Wochenende in Resisitencia hielt für mich gleich mehrere Highlights bereit. Es hinterlässt tolle Eindrücke aus Gaucho-Traditionen und Natur pur. Freitag fuhr ich zum ersten Mal mit aufs Land, um dort ein Forstprojekt kennenzulernen, das INCUPO zusammen mit Indígenas durchführt. Am Sonntag wurde ich zu einem traditionellen Asado eingeladen und kam in den Genuss der berühmten argentinischen Grillkunst.

Ein Projekt für Nachhaltigkeit und langfristige Sicherheit

Landschaft auf der Fahrt nach La Leonesa

Landschaft auf der Fahrt nach La Leonesa

Nach rund anderthalb Stunden Autofahrt durch weite Landschaft erreichen wir La Leonesa, eine kleine Stadt nordöstlich von Resisitencia. Unweit davon befindet sich das Gelände einer ehemaligen Zuckerfabrik und der dazugehörigen Ländereien. Die Schliessung der 110 Jahre laufenden Fabrik hatte gravierende Auswirkungen auf die überwiegend indigenen Arbeiter in der Region, denn seither fehlt es an Arbeit und immer mehr Indígenas müssen in die Städte ziehen. Die ansässigen Kommunen konnten vom Staat 2.000 Hektar Land für sich einfordern, was für sie die Hoffnung auf eine Zukunft in der Heimat bedeutet. INCUPO arbeitet hier zusammen mit einer Índingena-Kommune daran, den Wald nach den Folgen unkontrollierter Jagd und industriellem Einfluss wieder „aufzupäppeln“ und eine nachhaltige Forst-und Landwirtschaft einzuführen. So soll der Wald wieder zur langfristigen Lebensgrundlage der Indígenas werden.

Vom Black Forest in einen etwas anderen Wald

Reinstes Dschungel-Feeling :)

Reinstes Dschungel-Feeling.

Für mich wird die erste Begehung des Gebietes zum reinsten Abenteuer! Dichter Wald aus Palmen, Laubbäumen und Lianen, wilde Orchideen hängen von den Ästen. Und dann – ein tiefes Grollen und wenig später erblicken wir die ersten Affen auf den Palmen in unserer Nähe! Nach zwei Wochen in der Stadt und im Büro bin ich total überwältigt von so viel geballter Natur, einfach Wahnsinn.

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Blick auf die Laguna Patos.

Wir erreichen die Lagune in der Mitte des Gebiets, die den Vorrat an leckerem Fisch garantiert. Unweit von hier „ernten“ die Indígenas wilden Honig- den muss ich unbedingt bald probieren:) Auch für stabiles Baumaterial ist gesorgt, denn Stall und Scheune bestehen aus Palmenstämmen.

Alberto Hug liefert frische Yucca-Pflanzen

Alberto Hug liefert Yucca-Pflanzen.

Als wir in der Dämmerung zurück zum Haus des Vorsitzenden kommen, empfängt uns seine Frau mit warmen, hausgemachten „Tortas fritas“, einer Art fritierter Teigfladen. Man spürt das Vertrauen und die Sympathie zwischen den Indígenas und unserem Projektleiter Alberto Hug, der schon seit 30 Jahren mit verschiedenen Kommunen arbeitet. Als wir beim Mate zusammensitzen, erzählt der Vorsitzende, dass sie hier vor einigen Wochen Besuch von einem Alligator hatten, doch das will ich gar nicht so genau wissen…

Fleischgenuss mit Stil

Zurück in Resisitencia fühle ich mich wie in einer anderen Welt: Autolärm, Supermärkte und Leute, die neben der vierspurigen Strasse joggen. Man merkt: hier sind wieder andere Dinge wichtig.

Frisches Ziegenfleisch in seiner schönsten Form

Frisches Ziegenfleisch.

Am Sonntag begleite ich einen Freund meiner Vorgängerin Netty zum Asado an die Küste des Flusses Paraná in der Nachbarstadt Corrientes. Es wird ein Geburstag gefeiert und es ist Tradition, dass das Geburtstagskind das Fleisch mitbringt. Heute gibt es „chivo“, Ziege vom Hof des Vaters – also top Biofleisch, eine Seltenheit hier ;). Schnell merke ich, dass man nicht mit Hunger kommen sollte, denn die Ziege schmort als ganzes Stück ca. drei Stunden auf dem Grill.

Dann beginnt endlich der grosse Schmaus! Noch nie habe ich an einem Tag so viel Fleisch gegessen, doch es ist unglaublich lecker und hat nichts mit dem deutschen Grillen zu tun. Dazu gibt es ein bescheidenens Stückchen Brot und ein paar Blätter Salat. Ich bin mir nun sicher: eine gewisse Vorliebe für Fleisch sollte zu einem zentralen Bewerbungskriterium für den Freiwilligendienst in Argentinien werden :)! Danach wird die Gitarre ausgepackt und einer der Jungs spielt eine traditionelle Chamamé-Melodie. Einige fangen an, dazu zu singen. Ich muss grinsen vor lauter bestätigter Argentinien-Klischees um mich herum, doch die Stimmung ist wirklich wunderschön.

 

 

Autor:

Meine Name ist Claudia, ich bin 23 und komme aus dem schönen Nöggenschwiel im Südschwarzwald. Meinen Freiwilligendienst verbringe ich im Nordosten von Argentinien bei der Organisation IN.CU.PO. Die Organisation unterstützt Kleinbauern und indigene Gruppen dabei, ihren Grundbesitz zu verteidigen und bietet ihnen Bildungsangebote. Im Juni diesen Jahres habe ich mein Studium in internationaler BWL abgeschlossen und freue mich jetzt schon sehr auf Argentinien, auf die vielseitige Kultur und vor allem auf die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort!

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Claudia,

    vielen Dank für deinen schönen Eintrag. Diesen Dschungel würde ich als großer Orchideen-Fan gerne einmal sehen. Allerdings könnte mir der Alligator auch gestohlen bleiben … ;-)) Ja, die Klischees. Die kommen nicht von ungefähr und haben doch alle so ihren Funken Wahrheit. Trotz andersartigem Grillen ist bestimmt allen Grillfans das Wasser im Munde zusammen gelaufen … :-)))

    Weiterhin alles Gute aus Aachen, Uta

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