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Ebola: Ein Krankenhaus im Slum wappnet sich

Im Slum Westpoint der liberianischen Hauptstadt Monrovia könnte sich der Ebola-Virus wie ein Buschfeuer verbreiten. Wie durch ein Wunder ist das bisher noch nicht geschehen. Dr. Klemens Ochel vom Missionsärztlichen Institut in Würzburg berät dort für MISEREOR eine Klinik. Hier berichtet er.

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Der Slum Westpoint wurde berühmt, als die liberianische Regierung versuchte, ihn unter Quarantäne zu stellen und die einzige Ausfahrt sperrte. Fotos: Klemens Ochel

Tag 6 (…): Westpoint ist ein Slum von Monrovia auf einer Halbinsel. Es herrscht eine unvorstellbare Enge und ein Gedränge von Menschen. Hier trifft man Menschen, die geprägt sind vom täglichen Kampf ums Überleben. Sie haben von außen bisher wenig Gutes bekommen. Der Überlebenskampf hat die Menschen zusammengeschweißt. Ebola hat das sogar noch verstärkt. Wir treffen eine Selbsthilfegruppe, die von Haus zu Haus geht. Die jungen Männer und Frauen klären über Ebola auf und raten den Bewohnern, sich regelmäßig mit chloriertem Wasser die Hände zu waschen. Trifft die Gruppe mögliche Ebola-Patienten an, dann rufen sie die Ambulanz. Jasper (Name geändert) ist einer von ihnen. „Wenn wir nicht rasch reagieren, dann kann sich Ebola hier wie ein Buschfeuer ausbreiten,“ sagt er. Wie durch ein Wunder ist das bisher noch nicht passiert, obwohl es natürlich schon viele Fälle gegeben hat.

Mitten im Slum liegt die Klinik „Star of the Sea“. Die Regierung hat die Klinik vor einigen Jahren  an die katholische Kirche abgegeben. „In normalen Zeiten kommen 150 bis 200 Patienten am Tag in die Sprechstunde, 30 Kinder werden pro Tag geimpft und 2 bis 3 Entbindungen finden statt,“ berichtet ein Arzt. Er kommt aus Guinea, arbeitet aber schon seit dreißig Jahren hier.

Ein Mikrobiologe der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ein Infektiologe und ich treffen uns mit den leitenden Fachkräften der Klinik, um über die Errichtung eines sogenannten „Triage-Systems“ zu sprechen.

Treffen in Westpoint

Ein Mitarbeiter der WHO sowie weitere Experten im Auftrag von MISEREOR beraten die Klinik im Slum Westpoint.

Bei unserem Treffen werden einfache, konkrete Umbau-Maßnahmen besprochen und sobald ein Geldgeber gefunden ist, bekommt die Klinik einen kleinen Wartebereich, in dem verdächtige Patienten stabilisiert werden können, bis sie in eine Ebola-Behandlungseinrichtung verlegt werden. Mathiew, der dienstälteste Pfleger der Klinik, ist froh über die Schulungen zum Infektionsschutz, die er bekommen hat. „Wie sie sehen, ist unsere Ausrüstung noch nicht perfekt,“ erklärt er mir. Aber ein Anfang sei gemacht. Ob er denn keine Angst habe? Er arbeite eben mit ’no touch‘ Technik und beim Abnehmen von Blut mit Handschuhen. Er sei aber froh, dass wir kommen, weil die Isolierung von Verdachtsfällen am Klinikeingang bisher nicht sicher genug sei.

Die Statistiken belegen, dass die kirchlichen Gesundheitseinrichtungen dreimal mehr Patienten versorgen, als eigentlich in ihrem Einzugsbereich liegen. Sie genießen das Vertrauen der Menschen. Wir sollten versuchen, dass dies so bleibt.

Tag 7: (…): Warum konnte so ein gravierender Ausbruch von Ebola in Westafrika passieren? Sicher hat es auch soziale Ursachen gegeben. Doch einen Grund kann ich sicher aus meiner Perspektive benennen: Die Gesundheitsdienste in den betroffenen Ländern waren zu schwach und schlecht aufgestellt, um eine solch gefährliche Epidemie rechtzeitig zu erkennen und diese einzudämmen. Sie sind es immer noch! 30% der Bevölkerung haben erst gar keinen Zugang zu Gesundheitsdiensten!

Tabelle aus einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 2012

Liberia hat dramatisch weniger Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen als andere Länder in Westafrika.

Dafür mag als Sinnbild die Krise des Gesundheitspersonals stehen. Sie soll durch die Tabelle verdeutlicht werden. Sie ist einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation von 2012 entnommen. Liberia hatte dramatisch weniger Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen als durchschnittlich in Westafrika. Dieses Problem war der WHO schon lange bekannt. Aber nichts geschah und geschieht von Seiten der Weltgemeinschaft, um dem entgegenzusteuern. Die katholische Kirche in Liberia hat reagiert: Pro Jahr werden im Mother Patern College of Health Sciences bis zu 500 Krankenschwestern ausgebildet. Aber Krankenschwestern sind wegen der schlechten Arbeitsbedingungen in dem durch Bürgerkrieg geschädigten Gesundheitsdiensten ausgewandert (oder sogar aktiv abgeworben worden.)
International wurde in den letzten 15 Jahren viel in Bezug auf HIV/AIDS, Tuberkulose und Malaria getan. Das hat leider dazu geführt, dass man Infektionskrankheiten grundsätzlich für beherrschbar gehalten hat. Keiner wollte in die Personalressourcen investieren. Für diese Sorglosigkeit müssen die Menschen hier jetzt bitter bezahlen. Hoffentlich machen wir jetzt ernst damit, den Gesundheitssektor in armen Ländern nicht mehr so verkommen zu lassen. Es ist leicht, den politschen Entscheidungsträgern hier die Schuld zuzuweisen. Es stimmt, dass es Korruption gibt. Aber es stimmt auch, dass die Gesundheitsdienste hier ohne unsere Technologie aus Industriestaaten nicht funktionieren können.

Ein nicht-funktionsfähiger Dampfautoklav in einem liberianischen Krankenhaus

Grundlegend wichtig: Ohne Sterilisation und Desinfektion kann ein Krankenhaus nicht hygienisch arbeiten.

Ein Beispiel dafür, wie nötig Technologie aus den Industriestaaten ist: Der kaputte Autoklav, der mir heute im Sankt Jospeph’s Krankenhaus gezeigt wurde. In Liberia werden keine Dampfautoklaven gebaut. Das Gerät stammt aus Deutschland und hat über 10 Jahre wunderbar funktioniert. Aber zu allem Unglück ging im August die Pumpe kaputt. Die Firma gibt es nicht mehr. Wenn wir nicht helfen, wie soll das Krankenhaus an solch eine komplexe, aufwendige, aber überlebensnotwendige Technologie kommen?

Wenn es uns egal ist, dass ein Krankenhaus ohne angemessen qualifiziertes Personal oder ohne Steri arbeitet, dann dürfen wir uns über Ausbrüche wie Ebola nicht wundern. Wenn die Ebola Epidemie vorbei ist, muss die Weltgemeinschaft die Gesundheitsdienste wieder aufbauen. Sonst ist der Job nur halb getan und der Rückfall vorprogrammiert. Ebola wird dann wiederkommen, da bin ich mir sicher.Ich habe heute mit meinen Kollegen drei Projektvorhaben diskutiert, die wir weiter verfolgen wollen. Die Kirche hier leistet ihren Beitrag zur Kontrolle von Ebola. Sie kann es nur mit internationaler Solidarität tun.

Danke für ihr Interesse und ihre Begleitung.
Klemens Ochel

Ein Beitrag von Dr. Klemens Ochel, Tropenarzt am Missionsärztlichen Institut in Würzburg, der für MISEREOR nach Liberia gereist ist, um die lokalen Partner beim Kampf gegen Ebola zu unterstützen.

Lesen Sie auch:
„Ebola-Epidemie in Liberia: no touch“ vom 6.Oktober 2014″ und
„Ebola-Epidemie: Sorge um die Kinder“ vom 8.Oktober 2014


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Gemeinsam mit einheimischen Partnerorganisationen engagiert sich MISEREOR in Liberia und den Nachbarländern, um das Sterben durch Ebola zu beenden und die Gesundheitsversorgung dauerhaft zu verbessern.

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  • 50 Euro helfen 50 l Chlorbleiche anzuschaffen, um Lösungen zur Desinfektion oder zum Händewaschen herzustellen.
  • 75 Euro kosten 3 Infrarot-Thermometer, die dringend und in großer Zahl gebraucht werden.
  • 100 Euro kosten 50 Gesichtsmasken für Pflegekräfte und Ärzte oder 30 langärmlige Handschuhe für Hebammen, die jetzt auch für den besseren Schutz von Schutzanzügen eingesetzt werden.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Bitte geben Sie obenstehenden Link weiter an Ärzte und Pflegepersonal und alle Interessierten.
    Ich danke Ihnen und wünsche Allen Gottes Segen.
    Edith

  2. Bitte geben Sie untenstehenden Link an Ärzte und Pflegepersonal zur Ansicht weiter.
    Liebe Grüße und Gottes Segen für Sie und Ihre Arbeit.
    Edith

    users.skynet.be/bertram.zambiafoundation/Html/Informatie_du.htm

  3. Wir müssen alle zusammen gegen den Virus ankämpfen denn das ist etwa was uns alle gefärdet.

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