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Ebola-Epidemie in Liberia: no touch!

Dr. Klemens Ochel vom Missionsärztlichen Institut in Würzburg ist nach Liberia gereist, um die einheimischen Partnerorganisationen von Misereor im Kampf gegen das Ebola-Virus zu unterstützen. In unserem Blog berichtet er von seinen Erlebnissen.

Quelle: Klemens Ochel

Das westafrikanische Land Liberia ist neben Guinea und Sierra Leone am schwersten von der Ebola- Epidemie betroffen. Fotos: Klemens Ochel

Tag 1:  (…) Bei der Sicherheitskontrolle in Frankfurt wird meine Flasche mit Händedesinfektionsmittel beanstandet: 150ml statt der erlaubten 100 ml. Als ich aber sage, dass ich nach Liberia reise, wird die Sicherheitsbeamtin freundlich und sagt, „hoffentlich kriegt man die Epidemie bald in den Griff.“ Dazu wird mein Fläschchen jedoch nicht ausreichen.

Ich spreche meinen Sitznachbarn auf dem Flug nach Monrovia explizit auf das Thema ‚Ebola‘ an. Die Epidemie habe solche Ängste und Verdrängen ausgelöst, dass bis Mitte des Jahres niemand die Katastrophe ernst genommen habe. „Wir Liberianer mussten erst begreifen, dass wir uns ändern müssen, z.B. in Bezug auf Beerdigungsriten oder Hygiene,“ sagt er. Leider sei die Veränderung von Sitten und Gebräuchen immer noch ein Thema und so mancher Religionsführer würde auch heute noch auf Waschung einer verstorbenen Person durch die Familie und ohne Schutz bestehen.

Klemens Ochel, Quelle: Missionsärztliches Institut Würzburg

Klemens Ochel. Foto: Missionsärztliches Institut Würzburg

Was ihn am meisten bewegt ist der dramatische, wirtschaftliche Absturz seines Landes. „Wer kauft denn bei uns noch Holz oder Kautschuk?“ Selbst die lokalen Märkte seien kaum noch funktionsfähig. Seine letzte Sorge ist, dass die für Anfang 2015 angesetzten Senatswahlen nicht stattfinden können. „Das politische Vakuum wird unser Land nicht gerade stabilisieren.“ Dann landet die Maschine und in strömendem Regen müssen die Passagiere zuerst die Hände waschen und ihre Körpertemperatur wird gemessen, bevor sie ins Gebäude gelassen werden (…)

Tag 2: (…) Die Begrüßung der Leiterin der Ebola-Koordinationsgruppe der katholischen Kirche in Liberia, Schwester Barbara Brillant, fiel herzlich aus, aber bitte: „no touch!“.

Quelle: Klemens Ochel

Händewaschen und Fiebermessen vor der Einreise in den Distrikt Bomi, Liberia.

Afrika, das ich seit dreißig Jahren regelmäßig bereise, begegnet mir neu. Dort, wo sonst ein besonderer Handschlag und freundliche Umarmung angesagt waren, erlebe ich hier in Liberia konsequentes Nichtberühren. Kein Händeschütteln zur Begrüßung, kein Friedensgruß in der Kirche, die Kommunion wird einem ohne Berührung in die Hand gelegt. Überall sind Kanister mit Chlorwasser aufgestellt. Ohne Händewaschen wird kein öffentliches Gebäude, Geschäft, Hotel und keine Kirche betreten.

Bei der ersten Besprechung mit  dem Team von Schwester Barbara und Kollegen aus den USA, die in gleicher Mission hier sind wie ich, geht es um die Berechnung von Infektionsschutzmaterialien und medizinischer Ausstattung für die kirchlichen Gesundheitseinrichtungen. Ist der Bedarf überhaupt mit den Mitteln kirchlicher Solidarität zu decken? Wir sind uns noch nicht einig. Dreimal hat die Kirche bereits sogenannte PPEs (‚personal protective equipment‘) für ihre Einrichtung bei der Regierung beantragt. „Aber wir stehen immer noch nicht auf den Listen der Regierung.“ Wie kann man das ändern?

(…) Das WHO-Expertenteam hat errechnet, dass Patienten in Liberia fast zehn Tage mit Symptomen in ihren Familien sind und dort versorgt werden. Eine zu lange Zeit! Aus einem Fall entstehen immer noch zwei Neue. Ohne Schutz pflegender Familienangehöriger wird es nicht gehen, worauf sich die möglichst rasche Weiterleitung verdächtiger Fälle an medizinische Einrichtungen anschließen muss, die dann die Patienten den Behandlungszentren („ETUs – Ebola Treatment Units“) zuweist. Laut WHO Liberia gibt es nur für 40% der Patienten Behandlungsplätze in einer ETU.

Tag 3: (…) Der sonntägliche Ruhetag wird genutzt, um aktuelle Informationen einzuholen: Die Anzahl der Ebola-Fälle ist auf fast 3.700 angestiegen! Ein Schaubild scheint auf den ersten Blick hoffnungsvoll. Doch der zweite Blick lässt erkennen, dass es kaum noch bestätigte neue Fälle gibt. Grund dafür sind massive Schwierigkeiten bei der Verfügbarkeit von Labortests, besonders in Monrovia. Also keine Entwarnung. Dieses Problem müssen die Industriestaaten lösen, denn das Land hat keine Kapazitäten Tests zu produzieren.

Quelle: Klemens Ochel

Schwester Barbara Brillant leitet die Ebola-Hilfe der katholischen Kirche in Liberia.

(…) Und noch eines sollte alarmieren: Die Epidemie zieht nach Westen und kommt der Elfenbeinküste und Mali gefährlich nahe. Dies alles habe ich mit meinen KollegInnen hier diskutiert. Da ist an erster Stelle Schwester Barbara Brillant. Sie arbeitet seit 37 Jahren im Gesundheitssektor der kath. Kirche. Die Bischofskonferenz hat sie mit der Koordination der Ebola-Aktionen der Kath. Kirche beauftragt. Sie wird unterstützt von Dr. Tim Flannigan, einem ehrenamtlich arbeitenden Infektiologen der Brown Universität in den USA sowie Jennifer Podiatz von CRS – Catholic Relief Services.

Doch trotz all der Planungsarbeit gab es heute auch noch Gelegenheit den Sonntagsgottesdienst in der Katholischen Nuntiatur zu besuchen. S.E. Miroslav Adamezyk las die Messe für eine handverlesene Gruppe von Kirchenbesuchern. In seiner Predigt sprach er von der Verpflichtung ‚im Weinberg des Herrn zu arbeiten‘. Der Weinberg des Herrn ist auch die Ebola – Epidemie. Nächstenliebe und Solidarität sollten uns dazu bringen, nicht in Panik zu geraten, sondern mit Wissen und Technik die Epidemie zu beenden. So interpretiere ich seine Predigt. (…)

Lesen Sie auch: „Ebola-Epidemie: Sorge um die Kinder“


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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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