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Klimaverhandlungen: Einige „harte Nüsse“ sind noch zu knacken. Das Beispiel Loss & Damage

Während sich die Menschen in Deutschland auf Weihnachten einstimmen, verhandeln auf der anderen Seite der Erde in Lima (Peru). Delegierte aus 195 Staaten sowie Beobachterinnen und Beobachter aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft über die Zukunft unseres Klimas.

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Überschwemmtes Gebiet im Niger.

Bei der 20. Weltklimakonferenz (COP 20) sollen die Weichen für ein neues Klimaabkommen gestellt werden. Nächstes Jahr in Paris soll es dann verabschiedet werden, damit ab 2020 das Kyotoprotokoll durch eine neue internationale Vereinbarung abgelöst wird. Eigentlich sieht es ganz gut aus, dass sich die Staaten wirklich auf ein Abkommen einigen. Nur: Darüber, was genau darin stehen soll, und wer sich verpflichtet, in welcher Weise zum Klimaschutz und zur Anpassung an nicht mehr zu vermeidende Schäden beizutragen, darüber wird in den nächsten Wochen und Monaten noch heftig gestritten werden.

Ein zentraler Punkt ist – neben der finanziellen Unterstützung der ärmsten Länder – eine Regelung zu finden, wie Verluste von Land und Ressourcen aufgefangen werden. Diese Diskussion wird unter dem Stichpunkt „Loss and Damage“ geführt. Der 5. Bericht des Weltklimarates hat deutlicher als je zuvor klargemacht: Klimawandel findet überall statt! Und nicht in allen Regionen können sich die Gesellschaften an die zu erwartenden Veränderungen anpassen. Auch der am Dienstag von Germanwatch veröffentlichte Klimarisiko-Index zeigt klar, wie schlecht einige Länder auf Extremereignisse vorbereitet sind

Klimwandel findet überall statt

  • Das prominenteste Beispiel sind die kleinen pazifischen Inselstaaten, die bei einem weiteren Anstieg des Meeresspiegels untergehen werden. Damit verlieren aber allein auf Kiribati 20.000 Menschen ihre Heimat – und ein ganzer Staat sein Territorium. Ein solcher Fall ist bisher im internationalen Völkerrecht noch nicht aufgetreten. Dort gilt als Staat, wenn es eine Gruppe Menschen gibt, die sich als Nation verstehen und ein bestimmtes Gebiet bewohnen. Wissenschaftlich gesehen ist hinreichend klar, dass der Anstieg des Meeresspiegels durch den menschengemachten Klimawandel hervorgerufen wird.
  • Ein weiteres Beispiel ist der tropische Regenwald, dessen Funktion und damit Existenz bei einem globalen Temperaturanstieg von mehr als 2 Grad ernsthaft in Gefahr ist.

Eng verknüpft mit diesen Verlusten ist die Frage, ob die Verursacher dafür haftbar gemacht werden können. Schießt eine Fußballspielerin auf dem Bolzplatz über das Tor hinaus und der Ball zerdeppert eine Fensterscheibe, ist der Fall klar: Die Versicherung springt ein. Aber für Menschen, die ihre Heimat verlieren, oder für die „Lunge der Erde“ gibt es bislang kein Instrument, das Ursache und Wirkung von Schäden, die durch Klimawandel entstehen, klar in Zusammenhang zu einem oder mehreren VerursacherInnen setzt. Denn der Klimawandel wirkt sich meist in sehr komplexer Weise und regional unterschiedlich aus:

  • In Bangladesch zum Beispiel werden aufgrund des Anstiegs des Meeresspiegels voraussichtlich etwa ein Fünftel der Menschen ihre angestammten Wohngebiete aufgeben müssen.
  • In den Niederlanden wird sich der Anstieg der Meere dagegen weniger drastisch auswirken, weil das Land sich schon lange auf den Klimawandel einstellt. Seit Jahrzehnten bauen die Niederländer höhere Deiche, um sich gegen Sturmfluten abzusichern.

Wer haftet für den Klimawandel?

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Durch den Klimawandel nehmen auch Dürren, wie hier in Brasilien, zu.

Daher versuchen insbesondere die Industrieländer, in den Verhandlungen zu vermeiden, zu Verlusten und Schäden verbindliche Regelungen treffen zu müssen. Bislang gibt es kein völkerrechtliches Instrument, das solche komplexen Verluste für Staaten ausgleicht. Daher gibt es auch kein Versicherungssystem, das Schäden, die durch den Klimawandel entstanden sind, ausgleichen würde. Versicherungen sichern zudem nur Dinge ab, die einen wirtschaftlichen Wert haben. Aber wie bemisst man den Wert von Heimat? Wieviel ist eine bestimmte Tierart wert, die aufgrund des Klimawandels ihren Lebensraum verliert und ausstirbt? Diese eher immateriellen Werte sind nicht zu beziffern und machen die Auseinandersetzung noch schwieriger.

Dennoch setzten sich Nichtregierungsorganisationen dafür ein, dass das Thema „Loss & Damage“ Teil des neuen Abkommens wird. Denn der Verlust von Heimat, landwirtschaftlicher Fläche, biologischer Vielfalt und Ökosystemen geht einher mit der Verletzung von Menschenrechten. Abgesehen davon, dass Natur einen Wert an sich darstellt – unabhängig vom Nutzen für uns Menschen.


Auswirkungen des Klimawandels:

 

In einigen Regionen wird es heißer und Dürren nehmen zu. In anderen Regionen wird es mehr extreme Stürme geben. Komplexe Systeme, wie die großen Ozeanströmungen, die sich durch eine Erwärmung der Meere verändern können, sind noch sehr wenig erforscht. Auch diese werden Auswirkungen zeigen – vielleicht dadurch, dass Fische ihr Wanderverhalten ändern. Besonders Kleinfischer, die im direkten Umfeld ihrer Wohnorte fischen, müssten dann ihr Gewerbe aufgeben.

Mehr Informationen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf misereor.de

 

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Autor:

Kathrin Schroeder

Kathrin Schroeder ist MISEREOR-Referentin mit dem Schwerpunktthema Energie.

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