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3 Fragen an: Azriana Rambe Manalu und Samsidar – Frauenrechtlerinnen

FrauenrechtlerinnenDie Provinz Aceh ist die einzige Region Indonesiens, in der das islamische Scharia-Recht gilt, und dies bereits seit dem Jahr 2003. Die beiden Frauenrechtlerinnen Azriana Rambe Manalu und Samsidar erklären im Interview, was das insbesondere für die weibliche Bevölkerung in Aceh bedeutet.

Wie stark werden Frauen durch die Scharia eingeschränkt?

Rambe Manalu: Auf der einen Seite gibt es einen gewissen Bewegungsspielraum. Frauen können durchaus wichtige berufliche Positionen einnehmen und zum Beispiel Bürgermeisterinnen oder Schulrektorinnen werden. Auf der anderen Seite haben sie in solchen Positionen vergleichsweise wenig Einfluss. Generell müssen sich Frauen an strenge Kleidervorschriften halten, in manchen Gegenden dürfen sie nicht alleine ausgehen. Es gibt etwa 300 Scharia-Vorschriften, die Frauen diskriminieren.

Was passiert, wenn sich Frauen an die Vorschriften nicht halten?

Samsidar: Schlimmstenfalls droht ihnen eine öffentliche Prügelstrafe mit der Peitsche. Diese kann zum Beispiel bei Ehebruch verhängt werden, aber ebenso wenn ein Pärchen sich öffentlich küsst, oder wenn man von der Scharia-Polizei beim Glücksspiel oder Alkoholkonsum erwischt wird. Dabei ist die Ächtung von betroffenen Frauen meist wesentlich größer als die von Männern, die ausgepeitscht wurden, danach aber meist ein relativ normales Leben weiterführen können. Frauen werden oft von ihren Familien verstoßen, ihre Ehegatten lassen sich scheiden, und ihre Kinder trauen sich kaum noch in die Schule. Auspeitschungen finden meist vor vielen Zuschauern auf einer öffentlichen Bühne statt. Sie werden sogar in der Zeitung angekündigt.

Berichtet wird auch von immer mehr sexueller Gewalt in Aceh.

Rambe Manalu: Ja, diese hat in den vergangenen drei Jahren statistisch gesehen um etwa 30 Prozent zugenommen. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass immer mehr Taten angezeigt werden. Andererseits ist derzeit eine Gesetzesverschärfung in der Diskussion, die dies Frauen außerordentlich erschweren und sie zusätzlich einschüchtern würde. Demnach müssten sie nach einer Vergewaltigung mit Hilfe von vier Zeugen ihre Unschuld beweisen, anderenfalls würde ihnen wegen Verleumdung eine Strafe drohen.

Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

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